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Wissenschaftsjahr gestartet - Wanka: "Vollbeschäftigung machbar"

Lässt die Digitalisierung Jobs in großem Stil wegbrechen? Oder macht sie die Arbeit vor allem leichter? Die Bundesregierung stellt die positiven Seiten nach vorn und will die Bürger mitnehmen.

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Crowdworking

(Bild: dpa, Ole Spata)

Mit dem Wissenschaftsjahr 2018 will die Bundesregierung die Menschen in Deutschland auf den dramatischen Wandel der Arbeitswelt vorbereiten. Oft gebe es Horrorszenarien über wegbrechende Arbeitsplätze wegen der Digitalisierung, sagte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zum offiziellen Startschuss der groß angelegten Veranstaltungsreihe am Montag in Berlin. Doch wenn berufliche Kompetenzen angepasst und ausgebaut würden, sei sogar das Ziel der Vollbeschäftigung in Deutschland machbar.

Im Zentrum des Wissenschaftsjahrs steht die Frage, wie die Digitalisierung, neue Arbeitsmodelle und die Entwicklung künstlicher Intelligenz die Arbeit verändern. Forschungsprojekte und -ergebnisse sollen in die Öffentlichkeit getragen werden.

Wanka sagte: "Es werden Berufsfelder wegfallen, es werden aber vor allem Berufsbilder sich ändern." Der Präsident der Gesellschaft für Arbeitswissenschaften, Klaus Bengler, sagte: "Arbeit wird kognitiver, Arbeit wird mentaler." Dabei komme es darauf an, dass sich die Menschen nicht von intelligenten Maschinen bestimmen ließen.

Während Gewerkschafter wie Verdi-Chef Frank Bsirske seit Längerem vor der Gefahr massenhafter Arbeitslosigkeit durch Roboterisierung ganzer Berufe warnen, betonten Arbeitgebervertreter wiederholt Chancen der Digitalisierung.

Ein positives Szenario zeichnete Henning Kagermann, Präsident von acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. "Es kommt Wandel, aber kein Beschäftigungseinbruch", sagte er. Arbeit könne familienfreundlicher und individueller werden. "Natürlich gibt's die Risiken", sagte Kagermann. Das größte sei der "gläserne Mensch", also die Offenlegung etwa des Verhaltens beim Konsum. Es brauche "Agilität auf allen Seiten", also Anpassungsfähigkeit. Eine "digitale Spaltung" in Hoch- und Niedrigqualifizierte müsse vermieden werden.

Der Bund finanziert das Wissenschaftsjahr laut Wanka mit 5,8 Millionen Euro. "Wir erreichen Menschen, die wir sonst mit Forschungsthemen nicht so erreichen", sagte die scheidende Ministerin. Rund 2000 Veranstaltungen mit Hunderten Partnern sind geplant.

Die FDP übte Kritik. Zwar sei ein Wissenschaftsjahr zu neuen Arbeits- und Führungskonzepten angesichts der Veränderungen überfällig, sagte der forschungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger. Eine neue große Koalition würde mit ihrem Koalitionsvertrag aber Innovationspotenziale neuer Arbeitswelten im Keim ersticken. "Dem aus der industriellen Welt stammenden Arbeitszeitgesetz verweigert sie ein Update für die globale, digitale Welt."

Die Linke-Forschungsexpertin Petra Sitte mahnte eine ausreichend finanzierte Förderung forschender kleiner und mittelständischer Unternehmen an, mehr Mittel für digitalisierte Bildung und gute Arbeitsbedingungen in Lehre, Wissenschaft und Forschung. (dpa) / (tiw)

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