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Wo Hobby-Astronomen den Profis voraus sind

Hobby-Astronomen leisten einen wertvollen Beitrag zur Wissenschaft, etwa durch das Beobachten veränderlicher Sterne oder die Suche nach Meteoriten.

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Wo Hobby-Astronomen den Profis voraus sind

Hannys Objekt, entdeckt von der niederländischen Lehrerin Hanny van Arkel

(Bild: NASA, ESA, W. Keel (University of Alabama), and the Galaxy Zoo Team)

Der Boom, der durch die Digitalkamera unter Hobby-Astronomen entstand, ist inzwischen abgeklungen: Durch neue, automatische Himmelsdurchsuchungen von Forschern ist der Anteil der Entdeckungen von Amateuren von 17,1 Prozent im Jahr 1997 auf 1,6 Prozent im Jahr 2017 gesunken, wie aus Daten des Minor Planet Center hervorgeht. Doch in Deutschland gibt es aktuell immer noch etwa 50 Kleinplanetenjäger und sie leisten einen wertvollen Beitrag zur astronomischen Forschung.

Einer von ihnen ist Erwin Schwab. In klaren Nächten schaut er vom Kleinen Feldberg im Taunus tief in unser Sonnensystem. Mit dem Teleskop der "Hans-Ludwig-Neumann Sternwarte" jagt er Himmelskörper, die bisher unter dem Radar der Profi-Astronomen geblieben sind: Kleinplaneten. Das sind kleine Objekte bis zu mehreren Kilometern Durchmesser, die um die Sonne kreisen. Manchmal können sie der Erde auch gefährlich nahekommen. Zwischen 1998 und 2009 entdeckte er 86 Himmelskörper; 31 davon durfte er selber taufen. Daher kreisen nun auch "Skywalker" und "Tatooine" - benannt nach dem Helden aus "Star Wars" und seinem Heimatplaneten - um die Sonne. "Beruflich beschäftige ich mich eher mit dem Mikrokosmos, hobbymäßig mit dem Makrokosmos", sagt der Schwerionenforscher und lacht laut und ansteckend.

Von der Schotterpiste, die die letzten Meter zur Sternwarte hinaufführt, sind die weißen Kuppeln kaum zu sehen. Der Zutritt ist Mitgliedern des Physikalischen Vereins Frankfurt vorbehalten. "Ob man als angestellter Profi-Astronom oder gut ausgerüsteter Freizeitastronom etwas Sinnvolles beobachtet, macht keinen Unterschied", sagt Sven Melchert, Vorsitzender der Vereinigung der Sternenfreunde. In dem Verein sind Amateurastronomen aus allen Teilen Deutschlands organisiert.

Amateure leisten in der Astronomie wertvolle Hilfe, etwa bei der Beobachtung von veränderlichen Sternen oder der Suche nach Meteoriten, sagt Axel Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. "Kein Profiastronom hat Zeit, um Meteoriten zu suchen – bis auf die Amateure", meint Quetz. Diese Funde seien einigermaßen wertvoll für die Astronomie, um zu verstehen wie das Sonnensystem mineralogisch zusammengesetzt ist.

Will man Form und Größe eines Kleinplaneten bestimmen, geht das auch nur mit vereinten Kräften. Der Durchmesser eines Kleinplaneten lässt sich nämlich nur dann berechnen, wenn ein Asteroid zufällig das Licht eines Sterns verdeckt. "Auf dem kleinen Areal des "Schattenwurfs" müssen viele Beobachter stationiert werden, um aussagekräftige Messungen zu erzielen", sagt Schwab. Das sei schon immer eine Domäne der Amateure gewesen. Bei der Planung von potenziellen Landemanövern auf den außerirdischen Felsbrocken oder Abwehrmethoden seien solche Daten wichtig.

Aber auch komplette Laien können ihren Forscherdrang in Astronomie- Projekten ausleben. Diese werden unter der Bezeichnung "Citizen Science" oder Bürgerwissenschaft zusammengefasst und funktionieren nach dem Prinzip "Viele Augen sehen mehr". Die Projekte auf der englischsprachigen Plattform "Zooniverse" lassen jeden, der mit einem Computer ausgestattet ist, die Milchstraße kartieren, Wetterphänomene auf dem Mars finden oder neue Galaxien aufspüren. "Man wird angeleitet und dann kann man es. Da sind auch Profis nicht besser", beschreibt Quetz die Einstiegshürde.

Um etwa Galaxien zu klassifizieren, klickt man sich beim Projekt "Galaxy Zoo" durch unendliche Bildergalerien von weißlich oder rötlich schimmernden Scheiben, die man nach dem Multiple-Choice-Prinzip verschiedenen Formen zuordnen muss. "Der Mensch ist darin tatsächlich noch am besten", sagt der Wissenschaftler. Ein Computer könne dagegen nur das erkennen, was man ihm vorher beibringt. Vor einigen Jahren habe eine Bürgerwissenschaftlerin auf diese Weise eine ungewöhnliche, grünlich schimmernde Galaxie gefunden, die dem Algorithmus verborgen geblieben wäre: Hannys Objekt, benannt nach der Entdeckerin Hanny van Arkel, Lehrerin in den Niederlanden.

Auch die computer-gestützte astronomische Forschung können interessierte Hobbyisten unterstützen. Profiastronomen simulieren am Rechner zum Beispiel die Verteilung der Dunklen Materie im Universum. "Man kann mit der Plattform BOINC Rechenzeit seines privaten Computers zur Verfügung stellen, um nach Gravitationswellen, Pulsaren oder Signalen von Außerirdischen zu suchen", erklärt Quetz. Das kostenlose Programm der amerikanischen Berkeley Universität nutzt die Rechenleistung von Millionen von Computern, um ganz automatisch Daten auszuwerten.

Es ist die Neugierde, die die inzwischen 14.743 Galaxy-Zoo-Teilnehmer auf Weltraumbilder starren lässt oder wie Schwab in die Nacht zieht. Inzwischen dürfe er auch große Teleskope der Europäischen Weltraumorganisation für seine Forschung fernsteuern, erzählt er. "Einen Kleinplaneten zu entdecken ist krass, man bekommt einen richtigen Adrenalinschub." (Juliane Görsch, dpa) / (dwi)

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