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WoW Classic: Blizzard lässt Spieler wieder ins alte Azeroth

World-of-Warcraft-Fans können ab sofort wieder unter erschwerten Bedingungen Azeroth unsicher machen. Möglich wird das durch alte Regeln und aktuellen Code.

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(Bild: Blizzard)

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Nach mehreren Testläufen hat Blizzard die Reise zurück in die Vergangenheit offiziell freigegeben. Rund 14 Jahre nach dem Start von World of Warcraft können sich Abonnenten mit WoW Classic am ursprünglichen Spielgefühl erfreuen. Wobei "ursprünglich" nicht ganz zutreffend ist: Anders als der Name des Spiels suggeriert, basiert WoW Classic nicht auf Version 1.0 des Online-Rollenspiels. Fans der ersten Stunde dürfte das jedoch nicht stören.

WoW Classic - Trailer (Quelle: Blizzard)

Das Regelwerk entspricht dem der Version 1.12 – der letzte große Patch, der im August 2006 vor der ersten Erweiterung "The Burning Crusade" veröffentlicht wurde. Teile der Community beklagen seit Jahren die schleichende Vereinfachung des Online-Rollenspiels, stellenweise war von Casual-Gamern die Rede, die Blizzard als wichtige Zielgruppe adressieren wollte – und mit der Standardversion noch immer will.

Vor allem in Instanzen und Raids gibt es gravierende Unterschiede zwischen WoW Classic und der Standardversion. Das alte Regelwerk erfordert ein besseres Gruppenspiel.

(Bild: Blizzard)

Puristen und Fans von Vanilla-WoW legen hingegen Wert auf das alte Regelwerk. Hier nimmt das Leveln der Charaktere im Vergleich zur aktuellen Version ein Vielfaches mehr an Zeit in Anspruch, die umfangreichen Talentbäume bieten mehr Möglichkeiten zur Anpassung des Charakters an die eigene Spielweise. Kurzum: Nahezu alle Vereinfachungen der vergangenen Jahre werden mit WoW Classic zurückgenommen.

Das hat vor allem Konsequenzen für Instanzen und Raids. Die entsprechenden Gruppen müssen sorgfältiger als in der Standardversion zusammengestellt werden werden, da sich die einzelnen Klassen wieder stärker voneinander unterscheiden. Dabei rücken auch Fähigkeiten wie Crowd-Control oder das Verteilen und Aufrechterhalten von Buffs wieder in den Vordergrund. Wipes – das Sterben der gesamten Gruppe oder des Raids – dürften selbst in den vermeintlich einfachen Instanzen zumindest in der Anfangszeit alltäglich sein.

Optisch entspricht WoW Classic nur teilweise der Ursprungsversion. Blizzard mischt alte 3D-Modelle mit Effekten, die erst später hinzugekommen sind.

(Bild: Blizzard)

Abseits des Regelwerks ist WoW Classic stellenweise deutlich jünger. Der technische Unterbau entspricht weitestgehend dem der Standardversion. Das war laut Blizzard nötig, damit beide Versionen des Online-Rollenspiels auf den gleichen Servern laufen können. Dennoch bietet WoW Classic aber nicht die aktuelle Grafik. Die 3D-Modelle entsprechen Version 1.12, die Grafikoptionen hingegen weitestgehend Version 3.0.

An einigen mit oder nach „The Burning Crusade“ hinzugekommenen Komfortoptionen hat Blizzard ebenfalls festgehalten. Dazu gehört das Verwalten von Addons direkt im Spiel, aber auch der Ingame-Sprach-Chat. Zu guter Letzt entspricht der Loot ­– Beute, die Gegner hinterlassen – in Teilen Version 1.10. Mikrotransaktionen sieht Blizzard anders als in der Standardversion nicht vor. Neue Reittiere, Charaktertransfers und anderes stehen Spielern somit nicht zur Verfügung. Die vor rund vier Jahren eingeführten WoW-Marken, die das Spielen ohne Echtgeld ermöglichen, sind im Classic-Client nicht erhältlich. Hier bleibt nur der Umweg über die Standardversion.

Blizzard plant mit sechs Phasen, die an den ursprünglichen Patch-Verlauf erinnern sollen. Die erste, der Launch, enthält unter anderem Maraudon und Onyxia. Die Phasen 2 und 3 beinhalten zwei Weltbosse, den Dunkelmond-Jahrmarkt und weitere Raids, Phase 6 schaltet Naxxramas als Höhepunkt frei. An der Anzahl der Völker, Klassen und Berufe wird sich jedoch nichts ändern. Entsprechende Änderungen daran nahm Blizzard seinerzeit erst mit den bislang sieben Erweiterungen vor – Todesritter, Blutelfen und Juwelenschleifen trifft man in WoW Classic nicht an. Auch die kontrovers diskutierten Arenakämpfe sind kein Bestandteil.

Ob es so leer wie auf dem Screenshot bleiben wird, ist unklar. Blizzard hat keine Erwartungen hinsichtlich der Spielerzahl geäußert, kurzerhand aber die Zahl der verfügbaren Realm erhöht.

(Bild: Blizzard)

Blizzard selbst äußert sich zu den Erwartungen hinsichtlich der Spielerzahl nicht, rechnet zumindest für die ersten Tage und Wochen mit einem regen Interesse. Darauf reagieren die Entwickler – auch in Folge des großen Interesses im Zuge der Namensreservierung – mit vier deutschen Realms (je zwei für PvE und PvP). Hinzu kommen für europäische Spieler dreizehn englischsprachige sowie je zwei französische und russische Realms.

Dank Layering soll es aber selbst bei einem großen Ansturm nur zu möglichst kurzen Wartezeiten beim Einloggen und im Zuge von Aufgaben kommen. Während der Betatests war beim Erledigen von Aufgaben aufgrund des Ansturms teilweise viel Geduld erforderlich: Dutzende Spieler warteten darauf, dass ein bestimmter Gegner nach seinem Ableben wieder auftauchte.

Mit Layering kann der Realm durch Instanziierung dupliziert werden. In einem solchen Fall können zwei Spieler an der gleichen Stelle stehen, wenn sie auf zwei verschiedene Layer verteilt sind, sehen sie sich dann dennoch nicht. Das sorgt für weniger Ansturm, vor allem in den Startgebieten. Anders als beim Sharding soll es keine unschönen kurzfristigen Wechsel geben, auch beim Verlassen einer Zone bleiben die Spieler in ihrem Layer. Eine Ausnahme macht Blizzard jedoch fürs Gruppenspiel: Durch das Bilden einer Gruppe werden alle Mitglieder in den gleichen Layer geschoben. Zum Einsatz soll diese Lösung Blizzard zufolge aber nur in den ersten Wochen kommen.

Die minimal erforderlichen Hardware-Voraussetzungen sind zwar für heutige Verhältnisse sehr niedrig, allerdings doch deutlich höher als die der Originalversion aus dem Jahr 2004:

  • Intel Core 2 Duo E6600 oder AMD Phenom 8750
  • Nvidia GeForce 8800 GT, AMD Radeon HD 4850 oder Intel HD Graphics 4000
  • 2 GB RAM (4 GB bei integrierten Grafiklösungen)
  • 5 GB freier HDD-/SSD-Speicher

Den Client selbst bietet Blizzard kostenlos an, ein aktives WoW-Abonnement (13 Euro pro Monat) ist jedoch erforderlich. Das deckt auch die Standardversion ab, für die jedoch das jeweils aktuelle Addon benötigt wird, wenn Spieler Zugriff auf alle Inhalte erlangen wollen.

Ob WoW Classic den Charme der ursprünglichen Version bietet, wird die Redaktion am 29. August testen. Ab 18 Uhr durchstreifen wir auf dem deutschen PvE-Realm Razorfen Azeroth auf Seiten der Horde. (pbe)