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Telepolis

"Wolverine" taucht als Schwarzkopie im Netz auf

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Wieviel Macht hat die Filmindustrie gegen die unerlaubte Verbreitung einer Kopie und deren Effekte? Die Frage wird derzeit in den USA neu beantwortet. Wie die New York Times heute berichtet, zirkuliert seit Dienstagabend eine Kopie des noch unveröffentlichten Superheldenfilms X-Men Origins: Wolverine im Netz. Der Film ist noch nicht auf Leinwand zu sehen, der offizielle Kinostart in den USA ist für den 1. Mai anberaumt. Inzwischen haben den Film laut Informationen der Zeitung aber schon mehrere tausend Menschen online gesehen und bereits Kritiken veröffentlicht.

Filmstudios geben viel Geld aus, um jeden Schritt der Produktion zu penibel zu überwachen und versehen Filme mit bestimmten Markierungen. Der Verleiher 20th Century Fox ist über die trotz aller Gegenmaßnahmen erfolgte Vorveröffentlichung einer Vorabkopie des erwarteten Blockbusters ebenso überrascht wie empört. Nach Angaben des Medienkonzerns handelt es sich bei der verbreiteten Kopie um eine Rohschnittfassung mit voläufiger Tonspur und Musik, der "viele Effekte und einige Szenen" fehlten.

Gegen die Verbreitung will das Studio mit allen Mitteln vorgehen, das FBI wurde eingeschaltet. Zudem droht Fox der Quelle der illegalen Kopie und den Weiterverbreitern, die strafrechtlichen Möglichkeiten in diesem Fall voll auszuschöpfen. Versuche, die Schwarzkopie vom Netz zu nehmen, scheiterten allerdings nach Informationen der New York Times an der Geschwindigkeit, mit der sich die Wolverine-Kopie dort verbreiten würde.

Doch gibt es in Fachkreisen auch von der Fox-Position abweichende Reaktionen auf den "Wolverine-Leak", die der Kopie eine wichtige Rolle für die Filmkritik zuweisen: Die Verbreitung in Filesharing-Netzen verschaffe dem Fan einen Eindruck davon, ob sich der Kinobesuch lohnt. So zitiert das Fachblog Hollywood Insider den Vertreter einer großen Produktionsfirma mit dem Argument, dass die Internet-Kopie keinen bemerkenswerten Schaden an den Kinokassen anrichten werde und sich Fans eher dazu ermuntert fühlen könnten, den Film sogar mehrmals anzuschauen.

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Eric Garland, Geschäftsführer der Marktforschungsfirma BigChampagne, die sich auf die "Reichweitenmessung" von Internetveröffentlichungen spezialisiert hat. Auch er glaubt nicht daran, dass der relativ kleine Prozentsatz der Online-Zuseher auf die Zahlen der Kinobesuche wesentlichen Einfluss hat. Die große Angst der Studios sei die vor schlechten Vorab-Kritiken im Netz. Daher sei es auch besser, wenn eine qualitativ hochwertige Kopie kursiere. (Thomas Pany) / (tpa)

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