Menü

"Women in Tech Day“ erhöht Frauenquote auf der Campus Party

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 114 Beiträge
Von

Eine riesengroße Halle, hunderte Rechner und tausende Geeks. Sie tippen, hacken und tauschen sich aus. Die Campus Party Europe in Berlin sieht aus wie eine übergroße LAN-Party. Doch am Donnerstag ist etwas anders: Zwischen all den Campuseros sieht man viele Campuseras und auf den Bühnen, Panels und Workshops sprechen überwiegend Frauen. Es ist "Women in Tech Day" auf dem Flughafen Tempelhof.

Mit dabei ist die Bloggerin Nicole Simon ebenso wie wie die israelische Sicherheitsexpertin Keren Elazari oder die Mitveranstalterin der RoboGames Simone Davalos. Das Netzwerk Digital Media Women ist vor Ort, die Berliner Geekettes haben ein Heimspiel und die Rails Girls geben einen Workshop für Entwicklerinnen.

"Während der Vorbereitung der Campus Party haben wir mit vielen Tech-Women gesprochen und dabei gemerkt, dass die Realität in Technologieunternehmen oft noch weit entfernt ist von einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis: Nur 15 Prozent der Berufstätigen im Digital- und IT-Bereich sind Frauen. Aus diesem Grund widmen wir den dritten Tag der Campus Party Europe allen Frauen in der Technik”, sagt Veranstalterin Lisa Lang. Damit stieg der Anteil der referierenden Frauen von sonst üblichen 30 auf 50 Prozent, die Anteil der weiblichen Besucher auf der Campus Party stieg von 30 auf 40 Prozent.

Aus ähnlichen Motiven sind die Berlin Geekettes unter anderem von der in der Hauptstadt lebenden Amerikanerin Jess Erickson gegründet worden. Die spontan entstandene Grassroot-Bewegung ist ein Zusammenschluss von Geschäftsfrauen mit ähnlichen Ambitionen im Technikbereich. Erreichen wollen sie eine höhere Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit der Frauen in der IT, zum Beispiel mit einem Mentor-Programm für den weiblichen Nachwuchs an den Universitäten.

Auf dem Geekettes-Panel: Caroline Drucker, Daniela Schiffer, Joan Wolkerstorfer, Nicole Simon und Jess Erickson (v.l.n.r.)

(Bild: Martina Wagner)

"Es fehlen gerade in diesem Bereich weibliche Vorbilder, die die alten Rollenklischees verdrängen", sagt Erickson. "Die Netz-Pioniere – wie auch die Keyspeaker hier – sind männlich. Vieles wird von ihnen dominiert und sie sind auch besser vernetzt. Deshalb sollte es viel mehr Frauen-Communities geben, damit Frauen sich mehr austauschen können und voneinander lernen."

"Es braucht viel mehr Diversität in den Angeboten", pflichtet auch die Wirtschaftsinformatikerin Nicole Simon auf dem Geekettes-Panel bei. "Ein höherer Frauenanteil bedeutet auch eine höhere Vielfalt. Doch viele Frauen trauen sich nicht nach vorne mit ihren Ideen und ihrem Können und viel zu viele lassen sich in schlechtbezahltere Jobs drängen." Auf dem Campus sei aber eine neue Generation selbstbewusster Frauen am Start.

"Ich bin zufrieden mit dieser Quote heute", sagt Simon angesichts des am Donnerstag vergleichsweise hohen Frauenanteils auf der Campus Party. "Aber eigentlich wollte man mehr erreichen und dazu müssen alle Seiten noch viel mehr dazu tun." Die Referentinnen stellten immer wieder klar: hier haben Netzwerke eine zentrale Funktion, um Frauen frühzeitig darauf vorzubereiten, Karrierechancen zu ergreifen und die eigene Berufsplanung realistisch einschätzen zu können. "Aufgrund der großen positiven Resonanz soll nun der Woman in Tech Day ein fester Bestandteil aller künftigen Campus-Veranstaltungen werden", verspricht Lang.

Auf der Abschlussveranstaltung Woman in Tech thematisieren Finanzexpertinnen die Vorbehalte der Finanzbranche gegenüber Gründerfrauen. Diese seien gerade in Europa noch sehr stark verbreitet, bedauert Fundraiserin Linda Cheung. Doch Fakt ist: Frauen sind bei Web 2.0 und Start-Up-Gründungen stark im Kommen.

Denn eines sei klar, stellte die Runde auf dem Panel am späten Abend fest: In Zeiten einer dynamischen Globalisierung mit Kundinnen und Kunden, die die Entwicklung von IT-Produkten und Dienstleistungen über soziale Netzwerke mitformen, bräuchten Unternehmen ein Management, das diese Herausforderungen annimmt, innovative Entwicklungen erkennt und vorantreibt. Das Verharren in einer eindimensionalen Kultur sei keine gute Strategie für die Zukunft in einer digitalen Gesellschaft, die Unternehmen noch viel mehr an Veränderungskompetenz und Flexibilität abfordern wird. (vbr)