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World Robot Summit: Wettbewerb kommt schleppend in Gang

Serviceroboter am Werk zu sehen ist für viele Besucher des World Robot Summit anscheinend nicht spannend genug.

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World Robot Summit: Wettbewerb kommt schleppend in Gang

(Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

Der große Vorzug von Roboterwettbewerben liegt darin, dass sie schonungslos zeigen, ob ein Robotersystem seinen Aufgaben gewachsen ist. Die Zuschauer sehen, was möglich ist und wo die Probleme liegen. Häufig bedeutet das aber auch, dass sie miterleben müssen, wie gar nichts passiert oder die Roboter immer wieder neu gestartet werden müssen.

Beim World Robot Summit (WRS) in Tokio führte das am zweiten Tag dazu, dass sich in der Ausstellungshalle deutlich mehr Besucher drängelten als in den Wettbewerbshallen. Die schön herausgeputzten und spektakulär inszenierten Roboter an den Messeständen sprechen die Sehnsüchte und Fantasien der am Thema Interessierten offenbar mehr an, selbst wenn sie gar nichts tun, als die Maschinen, die sich an realen Aufgaben abarbeiten und dabei eine Aussage unterstreichen, die Satoshi Tadokoro im Interview vor Beginn der Veranstaltung geäußert hat: dass die Servicerobotik noch keine ausgereifte Technik sei.

Hinzu kommt, dass sich dem Zuschauer nicht immer von selbst erschließt, was da gerade passiert. Bei der "Tunnel Disaster Response and Recovery Challenge" etwa, die als reiner Simulationswettbewerb durchgeführt wird, war auf der Leinwand zu sehen, wie ein kettengetriebener, zweiarmiger Roboter etwas unmotiviert um einen länglichen Gegenstand herumfuhr, der wohl einen Holzbalken darstellen sollte. Es waren auch Autos und offenbar Trümmerteile zu erkennen. Am unteren Bildrand war zu lesen, dass es um "Task 6: Shoring and Breaching" ging, also "Stützen und Brechen". Zwei Kommentatoren erläuterten das Geschehen – allerdings auf Japanisch, was für ausländische Besucher nicht sehr hilfreich ist und unangemessen erscheint für eine Veranstaltung, die erklärtermaßen Ingenieure und Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammeln will, um über die Gestaltung der Zukunft zu diskutieren.

Die Wettbewerbsbeschreibung im Internet verrät, dass es bei Task 6 darum geht, einen unter Trümmern verschütteten Wagen zu untersuchen und das darin gefangene Opfer zu befreien. Unklar blieb, woran es scheiterte: Kam der Operator mit der Aufgabe nicht zurecht? War der Roboter fehlerhaft? Oder ist die Simulation selbst noch zu unausgereift?

Bei den Wettbewerben mit realen, physischen Robotern ist die Situation nur graduell besser. Am eingängigsten sind die Standardtests für Rettungsroboter. Hier ist klar zu erkennen, wie gut sie mit Hindernissen zurechtkommen oder ob sie Ventile betätigen können. Auch dort, wo es darum geht, QR-Codes oder die Anzeigen von Messgeräten zu erkennen, lässt sich anhand der Bewegungen der Kamera zumindest ahnen, ob es gut läuft. Auf einer Leinwand können Zuschauer in der Halle ebenso wie im Live-Stream im Internet zwar neben dem Blick auf den Roboter auch die Perspektive von dessen Kamera sehen und dem Operator über die Schulter schauen. Die Erläuterungen erfolgen aber auch hier fast ausschließlich auf Japanisch – es sei denn, ein Teammitglied sitzt bei den Kommentatoren und kann ab und zu eine Erläuterung auf Englisch beisteuern.

World Robot Summit, 2. Tag (11 Bilder)

Im Ausstellungsbereich des WRS strotzen die Roboter nur so vor Kraft… (Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

Die Dynamik bei den Wettbewerben für Serviceroboter ist ebenfalls wenig geeignet, einen vom Jetlag geplagten Zuschauer vorm Einnicken zu bewahren. Bei der "Future Convenience Store Challenge" ging es um die Interaktion von Roboter und Kunden. Es sollten "ausgeklügelte zukünftige Dienstleistungen" gezeigt werden. Wenn aber der Roboter dem Kunden, der eigentlich eine Cola wollte, im umständlichen Dialog erklärt, dass keine Cola mehr da sei, er aber eine Sprite anbieten könne, dann langsam zum Regal fährt, um schließlich daneben zu greifen – dann lernt man, Selbstbedienungsläden ganz neu zu schätzen.

Immerhin gibt es gelegentlich schöne Ideen. So hat das Team Happy Robot vom japanischen Kanazawa Institute of Technology einen Roboter vorgestellt, der anhand des Alters des Kunden entscheidet, ob er ihm Zigaretten verkaufen darf oder nicht. Bei der technischen Umsetzung haben sie zwar ein paar kleinere Erleichterungen eingebaut. So kann der Roboter das Alter anhand von Schildern auf der Brust der Kunden schätzen, auf denen "17 years old" oder "25 years old" steht. Aber er ist sehr hübsch gestaltet und hat die Zigarettenschachtel nach mehrmaliger Aufforderung dann auch formvollendet überreicht.

Am Freitag steht in dieser Wettbewerbskategorie das Toilettenputzen auf dem Programm. Mal sehen, ob der Happy Robot dabei auch so eine gute Figur macht. (anw)