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Woz: "Ich kann nicht sagen, ob man Apple vertrauen kann"

Computer-Legende Steve Wozniak nahm auf der CeBIT kein Blatt vor den Mund: Apple und Microsoft hätte von vorneherein die Verschlüsselungs-Software PGP unterstützen sollen. Außerdem plädierte er dafür, iTunes für Android zu veröffentlichen.

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Eine Stunde lang beantwortete Steve Wozniak Fragen von Brent Goff und dem CeBIT-Publikum.

(Bild: heise online / jkj)

Apple-Mitgründer und Techniklegende Steve Wozniak machte seinem Ruf als Computer-Humanist bei seinem Auftritt auf der CeBIT vor über 1000 Zuschauern alle Ehre. Befragt von Deutsche-Welle-Moderator Brent Goff, beklagte "The Woz" mehrfach den Verlust der Privatsphäre im Netz: "Kein Mensch weiß heutzutage mehr, welche Geräte welche Daten ins Netz funken." Und umso weniger wisse man, wer alles mitliest. Als Woz betonte, dass Edward Snowden Ehre für seine Aufdeckung der Geheimdienst-Praktiken gebührt, gab es Szenenapplaus. Wozniak: "Für mich ist Snowden ein Held."

"Wir brauchen neue Gesetze!", forderte Wozniak. Jedes Gerät, das sich mit dem Netz verbinde, müsse Auskunft darüber geben, welche Daten es wann verschicke. Der 63-Jährige rief dazu auf, Verschlüsselung zu verwenden. "Wenn Apple und Microsoft die Verschlüsselungssoftware PGP in ihre Betriebssysteme integriert hätten, würde es heute jeder benutzen", klagte Wozniak. Als es im Gespräch um Hintertüren in Software ging, fragte Moderator Goff, ob wir Apple vertrauen könnten. Darauf Wozniak: "Ich habe keine Ahnung, ich kann es nicht sagen."

Steve Wozniak auf der CeBIT (5 Bilder)

"The Woz" als Glücksfee: Unter den Zuschauern wurde ein signierter Apple II verlost – die Erlöse der Tombola kommen benachteiligten Kindern zugute. (Bild: heise online / jkj)

Ein Politiker möchte Steve Wozniak trotz aller Kritik nicht sein – auch wenn Brent Goff ihn mehrfach dazu ermunterte und Woz' großen Einfluss betonte: "Ich bin unpolitisch." Und: "Welcher Politiker hat denn die Welt jemals nach vorne gebracht?" Wozniak habe auch zu Apple-Zeiten keine Management-Aufgaben übernehmen wollen, weil er auf die ganze Business-Politik keine Lust hatte. Er fühle sich wohler, wenn er entwickeln und erfinden kann. Er habe sich nie für die Investoren interessiert, sondern für die Kunden.

Insgesamt würde es Apple gut tun, sich etwas mehr zu öffnen. So plädierte Wozniak dafür, iTunes auch für Android zu veröffentlichen. Schließlich sei der riesige Erfolg des iPods nur möglich gewesen, weil der Zugriff auf den iTunes-Musikshop auch auf Windows-Rechnern möglich war. Wozniak hatte aber auch Positives über Apple zu sagen: Der Unternehmenschef Tim Cook mache einen tollen Job, er kenne niemanden, der so viel arbeite.

Offen, ehrlich, schlagfertig und charmant: Als Wozniak sich gegen Ende selbst als Vorbild bezeichnete, wirkte das kein bisschen arrogant. (Jan-Keno Janssen) / (jkj)

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