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Wut und Sorgen bei Telekom-Urabstimmung

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Die Atmosphäre zu Beginn der Urabstimmung der Telekom-Mitarbeiter ist in Düsseldorf ein bisschen wie das Wetter – trüb. Die Luft ist stickig im Konferenzraum des Hotels. Überall wird diskutiert, Mitarbeiter tauschen sich aus. Die Warteschlange an der Wahlurne reicht am Montag zeitweise bis auf die Straße. Viele der 280 Mitarbeiter, die ihre Stimmzettel abgeben, machen sich Sorgen, sind verärgert oder gar wütend. Vor allem die geplanten Gehaltseinbußen liegen den Betroffenen schwer im Magen. Bundesweit sind 18.000 Beschäftigte aufgerufen, bis Mittwoch ihre Stimme abzugeben. ver.di geht gegen die Auslagerung von 50.000 Telekom-Mitarbeitern in einen neuen Service-Bereich an.

"Man weiß einfach nicht, was einen erwartet", sagt Fabian Pauls, Kundenbetreuer und Verkäufer bei der Telekom. "Natürlich bin ich verärgert." Der Ärger der meisten Gewerkschaftsmitglieder richtet sich dabei weniger gegen die geplante Arbeitszeitverlängerung, die die Mitarbeiter mit der Ausgliederung in die neue Servicesparte erwartet. "Mit der Arbeitszeitverlängerung könnte ich leben", meint Pauls. Die geplante Gehaltskürzung aber macht ihn wütend. "Wir haben ja schon auf Lohn verzichtet, als wir die 34-Stunden-Woche bekommen haben. Und jetzt noch mal neun Prozent obendrauf." Das ist Pauls zu viel.

Mit Euphorie ziehen die Mitarbeiter nicht in den Streik. Es ist vielmehr eine Art Abwehrkampf, ein Mittel gegen die Ohnmacht und der Wille, etwas gegen die Pläne der Konzernführung unternehmen zu müssen. "Es wäre einem natürlich lieber, man müsste nicht streiken. Aber wenn man jetzt lange stillhält, weiß man nicht, was kommt", sagt Bernd Müller, Servicetechniker bei der Telekom. So sieht es auch sein Kollege Egbert Wolters. "Wir hoffen einfach, dass das etwas bringt, sonst würden wir das nicht machen."

Karl-Heinz Edler sagt, alle seine Kollegen, die streikberechtigt sind, seien auch gekommen. "Es ist eine Existenzangst, die ein Stück weit herrscht, warum die Leute auf die Straße gehen und sich dagegen wehren." "Zufrieden macht die Situation hier natürlich keinen", meint auch Franz Gilch, der Betriebsrat bei der Telekom ist. "Wenn man hier mit den Kollegen spricht, merkt man deutlich, dass sie keinen Spaß an einem Streik haben." Die Leute seien einfach enttäuscht, dass "überhaupt so eine Situation eingetreten ist. Es ist ein notwendiges Mittel, um Schlimmeres abzuwenden", meint er.

Viele der erschienenen Telekom-Mitarbeiter sorgen sich um ihr künftiges Auskommen. "Ich bin Familienvater, und da muss man sich schon strecken", sagt Heinz Dentsch, Monteur bei der Telekom. "Ich liege schon oft auf der Couch zu Hause und denke nach, wie das alles werden wird. Wenn meine Frau nicht auch noch auf 400-Euro-Basis arbeiten würde, würden wir das nicht mehr schaffen", sagt der 57-Jährige. Dentsch arbeitet oft nachts, dafür solle es in Zukunft nur noch einmalig pro Monat pauschal 15 Euro geben, schildert er. "Es summiert sich alles."

Mirko Freesemann, Technischer Angestellter bei der Telekom, sieht das ähnlich. "Die Stimmung allgemein ist, dass jeder kein Problem damit hat, länger zu arbeiten. Aber die Lohnkürzung stößt bei jedem auf Unverständnis."

Stimmberechtigt sind in Unternehmen mit Flächentarifvertrag nur Gewerkschaftsmitglieder. Für einen Streik ist eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent nötig. Mit diesem Votum kann dann die Gewerkschaftsspitze einen Arbeitskampf beginnen. Das Ergebnis der Urabstimmung soll am Donnerstag bekannt gegeben werden.

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(Verena Bast, dpa) / (vbr)