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X.org 7.4 bringt neue Funktionen, Treiber und Inkompatibilitäten

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Ein Jahr nach der Freigabe von X.org 7.3 und ungefähr ein halbes Jahr später, als zu Beginn des Jahres geplant, haben die Entwickler von X.org das X Window System Version 11 Release 7.4 (X11R7.4) veröffentlicht. Zur wichtigsten Neuerung der meist schlicht X.org 7.4 genannten und bei praktisch allen Linux-Distributionen genutzten Sammlung von Treibern und Software zum Ansteuern von Ein- und Ausgabegeräten für die grafische Benutzeroberfläche gehören neuere Grafiktreiber sowie der X-Server der 1.5er-Serie.

Die Release Notes listen die wichtigsten Neuerungen der Bestandteile von X.org 7.4 detailliert auf. Der bereits Anfang des Monats freigegebene und für X.org 7.4 nochmals aufgefrischte X-Server 1.5 soll laut den Entwicklern nun schneller starten, EDID 1.4 (Extended Display Identification Data) unterstützen sowie GLX und DRI an die moderne Xnest-Alternative Xephyr durchreichen können. Erheblich renoviert haben die Entwickler ferner den Code zum Ansteuern der Grafikchips über PCI oder verwandte Interconnects (wie AGP, PCIe): Er greift nun auf die PCI-Access-Bibliothek libpciaccess zurück und soll so erheblich besser mit dem den verschiedenen Kerneln der von X.org unterstützten Unix-Derivate und -Verwandten zusammenarbeiten.

Viel wichtiger als der neue X-Server dürften für viele Anwender die neueren Treiber sein – die Treiber für Intel-Hardware unterstützen nun etwa die Chipsätze der Serie 4 (darunter G43 und G45). Auch die Open-Source-Treiber nv und radeon steuern nun zahlreiche neuere, von den zu früheren X.org-Versionen gehörenden Treibern noch nicht angesprochenen Grafikchips an; der zum Treiberpaket ati gehörende Treiber radeon unterstützt jetzt beispielsweise die AMD/ATI GPUs r5xx, r6xx und r7xx, die auf den Radeon-Serien 1xxx, 2xxx und 3xxx zum Einsatz kommen. Zudem wollen die Entwickler die Unterstützung von RandR 1.2 (Resize and Rotate) in vielen der Treibern verbessert haben.

Zusammen mit dem Mitte August veröffentlichten Mesa 7.1 beherrscht der Treiber radeon ebenso wie der Alternativtreiber radeonhd 3D-Unterstützung auf den r5xx-Chips von AMD/ATI. Das vom X.org 7.4 für 3D-Unterstützung vorausgesetzte und viel früher erwartete Mesa 7.1 war einer der Hauptgründe gewesen, warum sich die Fertigstellung von X.org 7.4 so lange verzögert hat.

Die Distributionen haben einige der neueren Grafiktreiber teilweise bereits mit älteren X-Servern ausgeliefert, um die Hardware-Unterstützung zu verbessern. Das Fedora-Projekt, dessen X-Verwalter auch die Freigabe von X.org 7.4 betreut hat, war sogar noch mutiger und hat Vorabversionen von X-Server 1.5 und Mesa 7.1 bereits seit Mai mit Fedora 9 ausgeliefert. Da die proprietären Grafiktreiber von AMD und Nvidia Anpassungen benötigen, damit sie mit dem X-Server 1.5 zusammenarbeiten, konnten die Anwender die von Open-Source-Verfechtern ungeliebten Treiber damals nicht unter Fedora 9 benutzen.

Nvidia hat die Treiber für die aktuellen Grafikkarten jedoch Mitte des Sommers angepasst, damit sie mit dem X-Server 1.5 zusammenarbeiten. Die für älteren Nvidia-GPUs gepflegten Nvidia-Treiber 71.xx.xx und 96.xx.xx sowie AMDs als Catalyst oder Fglrx bekannte Linux-Grafiktreiber arbeiten mit dem X-Server von X.org 7.4 bis heute noch nicht offiziell zusammen. Wenn AMD und Nvidia hier nicht bald in die Gänge kommen, dürften das nach den Fedora-9-Anwendern auch bald die Nutzer von OpenSuse und Ubuntu treffen, denn die in den kommenden Wochen und Monaten erwarteten neuen Versionen der beiden Distributionen werden X.org 7.4 mitbringen.

Derweil laufen bereits die Planungen für X.org 7.5 an, dessen Freigabe die Entwickler derzeit für den 1. April nächsten Jahres anvisieren (1, 2). Diese X.org-Version soll dann bereits den X-Server 1.7 enthalten; zwischenzeitlich soll noch der X-Server 1.6 erscheinen, der einige der in den letzten Monaten programmierten Neuerungen bringen soll, die es nicht mehr in den X-Server 1.5 geschafft haben. (thl)