XFS und Container: Red Hat Enterprise Linux 7 vorgestellt

Gnome 3 im Classic-Modus, Container-Virtualisierung und XFS als Standarddateisystem – das sind die wichtigsten Neuerungen in der neuesten RHEL-Generation, die sich besser für moderne Rechenzentren und Cloud-Computing eignen soll.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

Der Standard-Desktop von RHEL7.

Red Hat hat die Version 7.0 der auf Unternehmenskunden ausgerichteten Linux-Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) freigegeben. Die erste Ausgabe der neuen RHEL-Generation basiert auf Teilen des im Juli letzten Jahres veröffentlichten Fedora 19; RHEL7 ist dadurch erheblich moderner ausgestattet als die aktuelle Fassung von RHEL6, das seit November 2010 erhältlich ist.

Zu den größten Neuerungen von RHEL7 zählt die Unterstützung für Container-Virtualisierung; dabei laufen Anwendungen zusammen mit den von ihnen benötigten Systemkomponenten und Bibliotheken direkt unter dem Host-Kernel in einem abgeschotteten Bereich, sodass die Software isoliert arbeitet. Als Standard-Dateisystem dient statt Ext4 nun das ursprünglich von SGI entwickelte XFS, das sich nun für bis zu 500 TByte große Datenträger eignet; beim noch einige Jahre weiter gepflegten RHEL6 liegt das Limit derzeit bei 100 TByte.

Als Standard-Desktop richtet RHEL7 den Classic-Modus von Gnome 3.8 ein; mit Anwendungs- und Orte-Menü links oben und einer Taskleiste am unteren Rand ähnelt er auf den ersten Blick Gnome 2, das RHEL6 standardmäßig einsetzt. Für Anwendungen, die MySQL erfordern, richtet Red Hat die Version 5.5 des MySQL-Ablegers MariaDB ein. Als Init-System dient jetzt nicht mehr Upstart, sondern Systemd. Durch die moderne Basis stehen Anwendungsprogrammierern zudem moderne Ausgaben von GCC, Java, PHP, Perl, Python und Co. zur Verfügung.

Zur Vollvirtualisierung setzt Red Hat nach wie vor auf KVM; Xen bleibt wie schon bei RHEL6 außen vor. Die Distribution bringt aber allerlei Treiber mit, um als Gast unter anderen Virtualisierungsumgebungen als KVM zu arbeiten. Die neue RHEL-Generation soll sich zudem besser in Serverlandschaften einfügen, in denen Windows-Server mit und ohne Active Directory laufen. Durch diese und andere Änderungen soll die Distribution laut Red Hat nicht nur die Anforderungen moderner Rechenzentren besser unterstützen, sondern auch eine solide Grundlage zum Cloud-Computing sein.

Auch die neue RHEL-Generation soll zehn Jahre gepflegt werden; gegen Aufpreis sind sogar drei weitere Jahre Support erhältlich, sodass die Distribution erst im Juni 2027 ihr Lebensende erreicht. Wie gewohnt vertreibt Red Hat seine Linux-Distribution in einem Abomodell, bei dem die Kunden selbst entscheiden können, welche RHEL-Generation sie einsetzen. Die gängigsten Versionen kosten je nach Support-Modell und Leistungsfähigkeit der Hardware zwischen 350 und 1500 US-Dollar jährlich. Eine Desktop-Version gibt es schon für 50 US-Dollar; Versionen für IBMs Power-Prozessoren schlagen mit mehreren tausend US-Dollar zu Buche.

Red Hat stellt wie üblich die Quellen der Distribution öffentlich bereit; Projekte wie CentOS oder Scientific Linux nutzen das, um RHEL-kompatible Klone zu erzeugen, die kostenlos verfügbar sind. Das CentOS-Projekt, das sich seit Anfang des Jahres unter dem Dach von Red Hat befindet, arbeitet bereits am RHEL7-Nachbau; vieles deutet darauf hin, dass es bis zu dessen Erscheinen nicht so lange dauern wird wie bei der ersten Version von CentOS 6, das erst acht Monate nach RHEL 6.0 erschien. Anders als RHEL7 wird es CentOS 7 vermutlich auch für 32-Bit-x86-Prozessoren geben.

Details zur neuen RHEL-Version liefert die Dokumentation zu RHEL7; neben den Release Notes und einer Paket-Aufstellung gehört zur Dokumentation auch ein Migration Planning Guide, der Informationen zum Umstieg auf die neue RHEL-Generation bereithält. Weitere Hintergründe zur neue RHEL-Version liefert auch heise open in einem Artikel, der einen Blick auf den Release Candidate von RHEL7 geworfen hat, der sich nur in kleinen Details von der jetzt veröffentlichten Version 7.0 unterscheidet.

Siehe dazu auch auf heise open:

(thl)