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XP-Connection: AMD patcht sich vor Intel

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AMD und Microsoft kündigten zwar vor einigen Tagen eine gemeinsame Vermarktung ihrer beiden XP-Namensvettern an, doch erst ein Patch verhilft einem Microsoft-Programm zu mehr Geschwindigkeit. Die beiden Konzerne wollen den AMD-Prozessor Athlon XP und das Microsoft-Betriebssystem Windows XP gemeinsam "wichtigen Einzelhändlern" präsentieren, zudem will Microsoft an einer von AMD geplanten Roadshow teilnehmen. Schon Ende August hatte AMD angekündigt, dass der Athlon XP besonders gut mit Windows XP harmoniere.

Doch so besonders scheint diese Harmonie offensichtlich noch nicht zu funktionieren, denn selbst die aktuelle Version des Microsoft Windows Media Encoder (WME) ignoriert die beim Athlon XP eingeführten SSE-Befehle. Erst ein noch nicht öffentlich verfügbarer Patch zwingt den WME zur AMD-Freundlichkeit: Zumindest einige seiner Filter, Encoder und Decoder nutzen nun die bisher nur bei Intel-Prozessoren vorhandenen SSE-Erweiterungen. Beispielsweise legt Madonions Benchmark BAPCo SYSMark 2001 (der den WME 7.0 nutzt) mit dem Patch um erstaunliche 10 Prozent zu. Damit liegt der Athlon XP 1800+ deutlich vor seinem Kontrahenten Pentium 4 mit 1,8 GHz und lässt sogar Intels 2-GHz-Boliden knapp hinter sich.

Prozessor
 
Takt
[GHz]
Patch
 
BAPCo
SYSMark 2001
BAPCo
SYSMark 2000
AMD Athlon XP 1800+ 1,533 mit
  190
  283
AMD Athlon XP 1800+ 1,533 ohne
  174
  283
AMD Athlon 1,4 ohne
  158
  255
Intel Pentium 4 2,0 ohne
  186
  233
Intel Pentium 4 1,8 ohne
  173
  219

Der Patch ändert eine Datei des WME 7.0, die bei der aktuellen Version 7.1 nicht vorhanden ist. Ein im c't-Labor mit der neuen Version durchgeführter Test profitierte tatsächlich nicht vom Patch und lief weiterhin auf den Intel-Prozessoren deutlich schneller als auf dem Athlon XP. Der Patch funktioniert nur, weil die Version 2001 des BAPCo-Benchmarks einige der getesteten Anwendungen schon vor dem Programmstart installiert. Die BAPCo-Version 2000 richtet die Anwendungen erst direkt vor dem Aufruf ein, sodass dort kein Patch möglich war. Nötig schien er auch nicht, denn die Einzeltests Photoshop, Premiere und Windows Media Encoder legten auch ohne Patch deutlich zu. Einzelwerte existieren wiederum bei der BAPCo 2001 nicht mehr, weil einige Applikationen parallel ablaufen und damit einzelne Laufzeiten nicht sinnvoll messbar sind.

AMD hatte bei der Vorstellung des Athlon im Sommer 1999 den Testsystemen eine veränderte DLL untergeschoben, die dem 3DMark 99 zu besseren Ergebnissen verhalf. Auch damals begründete AMD den Patch damit, dass der Benchmark die Fähigkeiten des Athlon nicht ausgenutzt habe.

Beide Fälle zeigen jedenfalls, dass die besten Neuerungen im Prozessor nichts bringen, solange die Software sie nicht nutzt. Hilfreicher als schnelle Benchmarks sind jedoch schnelle Anwendungen — hier muss AMD ansetzen und bei weiteren Software-Herstellern vorsprechen, damit diese die Erkennung der SSE-Befehle an die AMD-Prozessoren anpassen. Gerade der versprochenen Kooperation von Microsoft und AMD müssen mehr Taten als dieser Patch folgen.

Kontrahent Intel zieht bei der Nutzung der SSE-Befehle übrigens fast am gleichen Strang wie AMD: Oft genug stellte sich auch bei vermeintlich für den Pentium III oder 4 optimierten Programmen heraus, dass sie von diesen Befehlen keinen Gebrauch machen.

Indes kann nicht jeder Algorithmus von den Streaming- oder SIMD-Eigenschaften der SSE-Befehle profitieren; aber auch andere Optimierungen können die Programme auf dem einen oder anderen Prozessor schneller ablaufen lassen. Für Untersuchungen dieser Art eignet sich der CPU2000-Benchmark der SPEC, da er im Sourcecode vorliegt; zudem ist bei ihm schon in den Spezifikationen festgelegt, wie mit Compiler-Optimierungen umzugehen ist. Die mit verschiedenen Compilern durchgeführten Tests zeigen dann viel deutlicher das Potenzial einzelner Prozessoren und die Auswirkungen der SSE- und ähnlicher Optimierungen auf die Rechengeschwindigkeit, als es ein Patch für gängige Benchmarks kann.