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.XXX: Nischenprodukt für "spitze Zielgruppe"

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"Von einem Run auf Eintragungen in der Rotlichtdomain kann man nicht gerade sprechen." Das sagte Dorothea Marx, Sprecherin des Saarbrücker Registrars Keysystems einen Tag nach dem Start der "Normal-Registrierung" im neuen und lange Zeit umkämpften Adressbereich. Als "Nischenprodukt" für eine "doch recht spitze Zielgruppe", bezeichnete United Domain-Sprecher Holger Neumann die Top-Level-Domain .xxx. Dennoch sind die deutschen Registrare nicht unzufrieden mit dem Geschäft. Rund 3000 .xxx Adressen hat United Domains laut Neumann registriert.

Die TLD war 2004 vom der in Florida angesiedelten ICM Registry bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) beantragt und erst 2011 nach erheblichem Widerspruch von Seiten einzelner Regierungen und nach dem Spruch eines internationalen Schiedsgerichts zugelassen worden. Während ICM den Start der normalen Registrierung, nach einer ausgedehnten Sunrise-Vorregistrierphase und einem speziellen Landrush-Start, als erfolgreichsten Start einer neuen TLD für eine spezielle Zielgruppe bejubelte, fallen die Bilanzen der deutschen Registrare deutlich gemäßigter aus.

Die defensiven Registrierungen liegen nach Auskunft des Bonner Registrars EPAG klar vorne. Gleich drei verschiedene Sunrise Tracks hatte ICM angeboten, darunter die Möglichkeit, seinen Namen als nicht-registrierbar unter .xxx blocken zu lassen. Auch bei EPAG beurteilt man den "Run" auf die jetzt verfügbaren allgemeinen .xxx-Domains als eher bescheiden. Dies lasse sich, so Marx, unter anderem durch die "hochpreisige Vermarktung seitens der Registry" erklären. Für die acht deutschen Registrare, die .xxx-Domains anbieten, gehört das Angebot neuer TLDs einfach standardmäßig zum Geschäft.

Die hohen Preise, runde 80 Euro pro Jahr für die Normalregistrierung, und ein Mehrfaches für defensive Registrierungen, haben schon für weiteren Ärger für .xxx gesorgt. In einer Klage werfen die Pornokonzerne Manwin und Digital Playground ICM Registry und ICANN einen Verstoß gegen das Kartellrecht vor. Pornoanbieter seien zu teuren Defensivregistrierungen gezwungen. Einzelne interessante Domains vermarktet ICM überdies als Premiumnamen. Für .gay etwa hat man laut Medienberichten so runde 500.000 Dollar erzielt.

Interessant kann es auch noch einmal werden, wenn bekannte Organisationen oder Persönlichkeiten, die sich nicht um eine Vorregistrierung bemüht haben, plötzlich damit konfrontiert sind, dass ihr Name als Erotik-Domain registriert wurde. Laut Information eines deutschen Registrars hatte sich beispielsweise jemand für die Domain Spd.xxx interessiert. SPD.xxx and CDU.xxx sind nun jedoch als nicht verfügbar eingetragen. (Monika Ermert) / (hob)

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