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Xbox 360: Erster Blick auf die finale Hardware

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In London präsentierte Microsoft Journalisten die finale Hardware der Xbox 360.

Microsoft hat in London die finale Hardware seiner kommenden Spielkonsole Xbox 360 vorgestellt. Die Spielefähigkeiten demonstrierte Microsoft an einer Vorabversion des Action-Adventures Kameo von Rare. Ebenso wurde das Zusammenspiel mit der Windows XP Media Center Edition (MCE) sowie dem iPod und der PSP vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass Microsoft viele sinnvolle Detailverbesserungen gegenüber der Xbox vorgenommen hat. An einigen Stellen fehlen jedoch wichtige Anschlüsse oder Fähigkeiten, so als ob die Redmonder sehr genau darauf geachtet hätten, der eigenen Windows MCE keine Konkurrenz zu machen.

Keine digitalen Schnittstellen

So verfügt die Konsole über keinerlei digitale Schnittstellen zum Anschluss von Monitoren und TV-Geräten und wird somit keine kommerziell erworbenen Videos in High Definition abspielen können. Der eingebaute DVD-Player dekodiert lediglich MPEG-1 und MPEG-2 und skaliert das Bild für HDTV hoch. Andere Formate wie MPEG-4 (DivX, XviD), VC-1 oder H.264 gibt die Xbox 360 nicht wieder. Weitere Codecs können laut Microsoft jedoch später über Firmware-Updates nachgerüstet werden. Diese sollen über neue Spiele oder Online-Verbindungen voll automatisch auf die Konsole aufgespielt werden, ohne dass der Anwender dies beeinflussen kann. So will Microsoft auch eventuelle Sicherheitslöcher stopfen, die von Hackern ausgenutzt werden könnten.

Einzig über eine Streaming-Verbindung -- wahlweise per Ethernet oder WLAN -- zu einem mit MCE ausgestatteten PC können DRM-freie Filme im WMV-HD-Format wiedergegeben werden. Direkt kann die Xbox 360 WMV-HDs mangels DRM-Unterstützung nicht abspielen. Geschütztes Material wird allenfalls in Standardauflösung wiedergegeben. Von Computern mit Windows XP lassen sich nur Fotos und Musik auf die Konsole streamen.

An den USB-Anschlüssen der Xbox 360 lassen sich mobile MP3-Player (hier ein iPod mini), USB-Sticks und externe Festplatten andocken.

Über zwei USB-Anschlüsse an der Front und einem weiteren an der Rückseite der Konsole lassen sich MP3-Player, PSPs, USB-Sticks, Digitalkameras oder externe Festplatten anschließen, von denen man Musik (MP3, WAV oder WMA) abspielen und Fotos als Diashow zeigen kann. Wer will, kann die Wiedergabe auch kombinieren und so seine Diashow von der Digitalkamera mit seinen MP3s unterlegen. Die Musik kann auch als Soundtrack in Spielen genutzt werden. Leider lassen sich keine Daten über USB auf die Festplatte der Xbox 360 kopieren und auch keine Filme von den externen Speichern abspielen.

Leise, aber nicht lautlos

Gekühlt wird das System durch drei Lüfter, die warme Luft an der Rückseite aus dem Gehäuse blasen. Die Drehzahl ist abhängig von der Wärmeentwicklung im Gehäuse und wird dynamisch an die Prozessorlast angepasst. Beim Abspielen von DVDs drehen sie nur langsam, bei aufwendigen Spielen schneller. Da die Seiten der Xbox 360 im Unterschied zum Vorgänger eben sind, kann man auch kleinere Fernseher auf ihr platzieren. Allerdings sollte man die Lüftung nicht durch zu enge Schrankwände behindern. Nach einem ersten Eindruck ist die Konsole leiser als die Xbox, wenn sie nichts zu tun hat jedoch deutlich lauter als ein Sone und somit in ruhigen Umgebungen hörbar.

Auflösung 720p

Die Präsentation fand an einem Plasmabildschirm mit einer Auflösung von 1280 × 720 (720p) Bildpunkten statt. Dies entspricht der nativen Auflösung, für die die Spiele produziert werden. Bei höheren Auflösungen wird das Bild lediglich hochskaliert -- der Framebuffer des Grafikchips kann selbst nicht mehr als 720p verarbeiten. In der Systemsteuerung der präsentierten Konsole standen folgende Auflösungen zur Wahl: 640 × 480, 848 × 480, 1024 × 768, 1280 × 720, 1280 × 768 und 1360 × 768. 1920 × 1080 (1080i) wurde von der gezeigten Hardware augenscheinlich nicht unterstützt.

Grafikleistung

Als einziges Spiel zeigte Microsoft eine Vorabversion des Action-Adventures Kameo von Rare. Hierbei steuert der Spieler eine Elfe, die sich nach und nach in andere Wesen verwandeln kann und somit weitere Fähigkeiten erlangt. Das Szenario ist eine Mischung aus Herr der Ringe und Warcraft und handelt von einem Krieg der Elfen gegen die Orks. Das comicartige Design erinnert stark an Blizzards Warcraft-Serie, wobei besonders die Orks einen großen Wiedererkennungswert besitzen. Das Spiel stellt Massenschachten mit bis zu 2000 3D-Figuren dar, die über Shader animiert werden. Anti-Aliasing zur Kantenglättung setzte das Spiel nicht ein. Microsoft will es den Designern überlassen, ob sie Objektkanten glätten oder die Rechenleistung lieber für Motionblur- oder andere Effekte nutzen. Kameo zeigte einen netten Tiefenschärfe-Effekt, bei dem weit hinten liegende Objekte verschwommen dargestellt wurden. Für High Dynamic Range Rendering (HDR) können Spiele bis zu 64 Bit Farbtiefe nutzen. Laut Microsoft würden höhere Farbtiefen von 128 Bit, wie sie die Playstation 3 vorsieht, eine zu große Bandbreite verschlingen.

Insgesamt machte die Grafik einen guten Eindruck und liegt etwa auf dem Niveau, das wir voraussichtlich im nächsten Jahr auf dem PC sehen werden. Die Zahl der Objekte und die Detailfülle des insgesamt über 200 Level umfassenden Epos (dazu zählen allerdings auch kleinste Innenräume von Häusern, die separat nachgeladen werden) war beeindruckend, allerdings klappte keinem der Anwesenden vor Begeisterung der Unterkiefer herunter.

Controller

Der Controller der Xbox 360 liegt fast genau so in der Hand wie die kleine Version des Vorgängers. Das kabellose Steuerpad wird wahlweise über einen Akku (mitgeliefert) oder zwei Mignonbatterien gespeist. Es soll 30 Spielstunden durchhalten. Aufgeladen wird der über ein Kabel mit USB-Anschluss. Während des Ladevorgangs kann man weiterspielen. Microsoft liefert in der 400-Euro-Version der Xbox 360 auch eine Fernbedienung mit. Sowohl über die Fernbedienung als auch über den Controller lässt sich die Konsole ein- und ausschalten.

Die Festplatte der 400-Euro-Version kann ebenso wie die Memory-Karten zum Abspeichern von Spielständen genutzt werden. Spiele können die Platte als Cache nutzen und somit die Ladezeiten verkürzen. Derzeit ist nur eine 20-GByte-Version geplant, die man nicht gegen andere austauschen können soll.

Abwärtskompatibilität

Bezüglich der Abwärtskompatibilität zu Xbox-Spielen konnte Microsoft noch keine genauen Angaben machen. Man arbeite eine Liste von Spielen ab und fange mit den populärsten an. Xbox-Spiele sollen auf der Xbox 360 genau so aussehen wie auf der Original-Konsole. Die höhere Rechenleistung wird nicht für zusätzliches Anti-Aliasing oder dergleichen genutzt. Speicherstände lassen sich leider nicht von der Xbox übertragen.

Bezahlpunkte

Für seinen eingebauten Online-Shop Marketplace hat sich Microsoft ein Punkte-Bezahlsystem überlegt. Punkte können beispielsweise per Kreditkarte erworben werden. Für solche Punkte lassen sich zusätzliche Level, Skins und Spielinhalte kaufen, aber auch eigenständige Mini-Spiele für den so genannten Arcade-Modus. Dieser soll besonders kleinen Entwicklungsstudios die Möglichkeit bieten, einfache Spiele für die Xbox 360 zu programmieren und online zu vertreiben. Die Spiele sollen je nach Aufwand zwischen 5 und 20 Euro kosten und werden auf der Festplatte gespeichert.

Messaging

Die Xbox 360 hat ihren eigenen Messaging-Dienst, mit dem sich Spieler über Xbox Live per Text- oder Sprachnachricht austauschen können. Zur einfacheren Texteingabe kann ein USB-Keyboard an die Konsole angeschlossen werden -- Videonachrichten sind nur über den kostenpflichtigen Gold-Dienst möglich. Microsoft will im nächsten Jahr eigens dafür eine USB-Kamera anbieten. Der Gold-Dienst ist auch für Online-Spiele nötig. Jeder Spieler erhält dazu ein eigenes Profil, indem seine bisherigen Spielerfolge dokumentiert werden, damit er leichter Gleichgesinnte finden kann.

Die Xbox 360 soll hierzulande am 2. Dezember auf den Markt kommen. Bis Weihnachten werden laut Microsoft etwa 20 bis 40 Spiele erscheinen. Eine Version für 299 Euro kommt nur mit einem kabelgebundenen Controller und ohne Festplatte daher. Zum Speichern von Spielständen muss man 35 Euro für eine Memory-Karte hinzurechnen. Das Komplettpaket mit Festplatte, Wireless-Kontroller, Fernbedienung und Headset kostet 400 Euro.

Fazit

Microsoft hat die Xbox mit dem Nachfolger zwar sinnvoll verbessert, es jedoch nicht geschafft, neue Killer-Features einzubauen, um sich weitere Zielgruppen zu erschließen. Besitzer der alten Xbox können die schwarze Konsole nicht zum Alteisen legen, da die Kompatibilität ihrer Spielesammlung zur neuen Konsole keinesfalls gesichert ist; außerdem gehen ihnen ihre Speicherstände verloren. Heimkino-Enthusiasten können die Konsole außer zum Spielen nur als hochwertigen DVD-Player nutzen -- allerdings nicht für DivX- oder HD-Filme. Dafür benötigen sie ein weiteres Abspielgerät, und könnten sich für etwas mehr Geld gleich einen Media Center PC ohne die lästigen Einschränkungen besorgen.

Die neuen Spiele warten mit einer detaillierteren Grafik auf, ob das jedoch ausreicht, um mehr als die Xbox-Fans vom Kauf der Konsole zu überzeugen, darf bezweifelt werden. Hier wird es stark auf das Spieleangebot ankommen, das dringend frische Ideen benötigt. Für Gelegenheitsspieler sind 400 Euro sehr viel Geld. Bei der abgespeckten Version für 299 + 35 Euro muss man jedoch auf zu viele Annehmlichkeiten verzichten, die den realen Preisunterschied von 65 Euro kaum rechtfertigen. Diese Zielgruppe wird man kaum mit kostenpflichtigen Arcade-Spielen locken, die sie im Internet kostenlos für den PC als Shareware und Flash-Programme bekommen. Somit wird es schwierig für Microsoft, die Xbox 360 zwischen der Playstation 3 für High-End-Enthusiasten und der Nintendo Revolution für Gelegenheitsspieler zu platzieren, um den bisherigen Marktanteil weiter auszubauen. (hag)

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