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Xbox 360 startete in Europa

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Die Xbox 360 startete in Europa: Die Nachfrage war größer als das Angebot [Klicken für vergrößerte Ansicht]

Microsoft startete heute mit seiner neuen Spielkonsole Xbox 360 in Europa. 300.000 Geräte wollten die Redmonder am ersten Tag ausliefern – zuwenig, wenn man die Rückmeldungen aus den Geschäften hört. Ein Mediamarkt in Hannover beispielsweise hatte nur 50 Geräte bekommen, die lediglich an die Vorbesteller ausgegeben wurden. Kurzentschlossene gingen leer aus. Als Sonderaktion gab es ein zweites kabelloses Gamepad kostenlos dazu. Um kurz nach 10.00 Uhr standen bereits rund ein Dutzend Männer zwischen 25 und 50 Jahren Schlange vor der Ausgabestelle. Tumulte gab es jedoch keine.

Microsoft meldete, dass in Stuttgart mehr als 100 Kunden um Mitternacht in einen Media Markt gekommen seien, um bei einer Sonder-Verkaufsaktion dabei zu sein. In Wiesbaden drängten sich einige Kunden unter Absperrungen hindurch und standen schon vor der Geschäftsöffnung Schlange. Auch in anderen Elektromärkten sei das Hightech-Spielzeug laut Microsoft innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen. Gleiches meldeten auch heise-online-Leser aus anderen Städten. Selbst wer vorbestellt hatte, musste früh kommen, um nicht leer auszugehen.

Auch heise online hat die Xbox 360 erst am heutigen Tag zum Test kaufen können, nachdem Microsoft sich nicht in der Lage sah, vorab ein Testgerät zu stellen. Ersten Messungen zu Folge lärmen die Lüfter im Gerät nach einem Kaltstart mit 1,8 Sone. Spielt man eine DVD ab, steigt der Wert auf 2,0 Sone, beim Spielen von "Project Gotham Racing 3" gar auf 3,8 Sone (gemessen jeweils aus 0,5 m Abstand). Zum Vergleich: Spätere Modelle der alten Xbox liegen bei 1,6 Sone. Spieler sollten also gebührenden Abstand von der Xbox 360 halten und den Ton am Fernseher laut aufdrehen, damit sie vom Rauschen nicht gestört werden.

Der Lüfterlärm verwundert kaum, wenn man sich die Stromaufnahme der Xbox 360 anschaut. Im Leerlauf, wenn nur das Dash Board zu sehen ist, genehmigt sie sich 136 Watt. Beim Spielen von "Project Gotham Racing 3" steigt dieser Wert im Mittel auf 160 Watt an. Damit liegt die Konsole etwa gleichauf mit aktuellen PCs, die je nach Grafikkartenbestückung zwischen 140 und 220 Watt erreichen. Ungewöhnlich hoch ist der Verbrauch allerdings beim Abspielen einer DVD. Hier liegt die Xbox 360 mit 118 Watt rund achtmal so hoch wie gewöhnliche DVD-Player. Im Stand-by-Betrieb begnügt sie sich mit 2,5 Watt.

Im Test maßen die Redakionstester bei 22 Grad Raumtemperatur am Lüfterauslass an der Rückseite 53°C. An heißen Sommertagen erreicht man leicht 35 Grad Raumtemperatur. Dann dürfte die Auslasstemperatur auf rund 66°C ansteigen. Microsoft lotet hier kritische Bereiche aus, die unter anderem Ursache für Stabilitätsprobleme sein sollen, über die Anwender in den USA berichten.

In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die Lüftungsschlitze immer frei und sauber bleiben. Dies gilt insbesondere für das Netzteil, dass ebenfalls mit einem Lüfter gekühlt wird. Die Luftlöcher könnten mit der Zeit leicht durch Staubflusen verstopfen, was dann zur Überhitzung führt und Abstürze zur Folge haben kann. Das Testgerät in der Redaktion, das aus dem normalen Verkauf stammt, lief bisher allerdings stabil. Die Messwerte der Xbox 360 zeigen aber auch den generellen Leistungshunger der Next-Generation-Konsolen. Hiervon wird sich auch die Playstation 3 nicht freimachen können, da der dort verbaute Cell-Prozessor nicht gerade als Schonkost-CPU gilt.

Von den 14 angekündigten Launchtiteln hatte der Mediamarkt in Hannover zwölf vorrätig. "Quake 4" und "NBA Live 06" wurden nicht verkauft. Bei einem ersten Test zeigte das Rennspiel "Project Gotham Racing 3" bei PAL-Auflösungen hübsche Spielegelungs- und Tempoeffekte. Flirrende Texturen an den Leitplanken störten jedoch den Fotorealismus. Schlossen wir die Xbox 360 mit dem VGA-Kabel an einen hochauflösenden Monitor an, so wirkten die Texturen nicht besonders detailliert – das können aktuelle PC-Titel auf modernen Grafikkarten besser. Vergleicht man allerdings die Xbox-360-Version von "King Kong" mit den PC- und Xbox-Fassungen, so glänzt diese mit deutlich feineren Texturen und Oberflächeneffekten.

Die Launch-Titel nutzen die Rechenleistung der Xbox 360 allerdings noch nicht aus. So vermeldeten Entwickler, dass sie derzeit lediglich einen der drei CPU-Kerne nutzen. Die anderen beschäftigten sich mit der Encodierung des Dolby-Digital-Tons und zum Beispiel der Dekompression von Texturen. Was die Xbox 360 wirklich kann, wird man erst im nächsten Jahr sehen, wenn die Spiele die Multi-Threading-Optionen auch tatsächlich nutzen.

Wirklich gut gefallen hat den Testern in der Redaktion das neue Gamepad, das trotz Batteriepak leicht in der Hand liegt und vier Schulterknöpfe mitbringt. Die Kabelversion kann auch als USB-Pad am PC angeschlossen werden.

Die Xbox 360 kann zwar selbst keine Filme in hohen Auflösungen abspielen, dafür funktioniert sie jedoch als Media Center Extender; die Konsole kann als Client Multimedia-Daten von einem PC mit Windows XP Media Center Edition entgegennehmen. Im Test klappte dies auf Anhieb reibungslos, sodass die Konsole als Streaming-Client zu empfehlen ist. Schade nur, dass die Lüfter so laut lärmen.

Den Online-Dienst Xbox Live hat Microsoft deutlich ausgebaut. Spieler werden besonders die Möglichkeit schätzen, kostenlose Demos und Trailer von Spielen herunterzuladen. Bisher kann man "Kameo", "Madden NFL 06", "NBA Live 06" und "Need for Speed most Wanted" ausprobieren. Datenschützer werden jedoch bemängeln, dass Microsoft umfangreiche Daten über die Spielvorlieben der Xbox-Spieler sammelt, die für Werbeaktionen und zur Entwicklung neuer Produkte genutzt werden können.

Siehe zur Xbox 360 auch:

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