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Xenotransplantation: Organspende aus dem Stall

In Deutschland hoffen rund 10000 Menschen auf ein neues Organ. Forscher planen Schweinenieren nach Verträglichkeitstests auf Dialysepatienten zu übertragen.

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Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erhielt 2017 nur etwa jeder zweite Leberkranke auf der Warteliste für Organspenden die Chance auf ein neues Leben.

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Von mehr als 7600 Patienten in Deutschland, die eine neue Niere benötigen, erhielten 2017 nur 1360 ein neues Organ, weil zu wenig Spenderorgane zur Verfügung stehen. Forscher von der University of Alabama in Birmingham planen eine klinische Studie, in der sie Schweinenieren schwer kranken Dialysepatienten verpflanzen – nach einem Verträglichkeitstest, mit dem sie prüfen, welche Schweineniere am besten zu welchem Organempfänger passt. Technology Review berichtet in seiner aktuellen Mai-Ausgabe über die neuesten Fortschritte in der Xenotransplantation.

TR 5/2019

Technology Review Mai 2019

(Bild:  )

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Jahrzehntelang haben Forscher nach Wegen gesucht, tierische Organe so weit zu vermenschlichen, dass sie transplantiert werden können. Speziell für den Ersatz gezüchtet, sollen sie Organe wie Herzen, Nieren, Lebern oder Bauchspeicheldrüsen für Diabetiker liefern. Die Übertragung von Organen oder Geweben zwischen unterschiedlichen Arten bezeichnen Mediziner als Xenotransplantation.

Die Idee, Tiere als Ersatzteillager für Menschen zu nutzen, ist mehrere Jahrhunderte alt, allerdings kämpfen Mediziner mit verschiedenen Komplikationen. Das bevorzugte Spendertier ist das Schwein, weil es uns Menschen stark ähnelt und die Übertragung kleinerer Gewebeteile wird bereits klinisch genutzt. Aber erst seit kurzem rücken Forscher durch mehrfache Genveränderungen an den Spendertieren in greifbare Nähe klinischer Studien am Menschen, bei denen ganze Organe transplantiert werden.

Die Wissenschaftler aus Birmingham planen, dreifach genmodifizierte Schweinenieren nach Verträglichkeitstests schwer kranken Dialysepatienten zu verpflanzen. In Pilotversuchen überlebten Affen, die auf diesem Weg Spendernieren erhalten hatten, fast ein Jahr. Auch wenn andere Xenotransplantations-Experten klinische Tests am Menschen für verfrüht halten, sind die amerikanischen Forscher zuversichtlich, denn erstens geht es in der Studie um Patienten, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht für eine menschliche Spenderniere infrage kämen. Zweitens bliebe diesen Patienten, anders als bei anderen Organen, der Weg zurück zur Dialyse, falls ihr Körper die Schweinenieren nicht annimmt.

Mehr zum Thema Xenotransplantation in der neuen Mai-Ausgabe von Technology Review (im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich). (jle)