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Yahoo-Gate: Offenbar wurden nicht nur Emails gescannt

Wurde das komplette Yahoo-Netzwerk auf Geheiß der US-Behörden gescannt? US-Datenschützer verlangen nun die Offenlegung der Regierungsdirektive.

Marissa Mayer im Ganzkörperprofil neben Yahoo-Logo

Yahoo-Chefin Mayer kommt immer mehr unter Druck

(Bild: dpa)

Das Yahoo-Gate wird immer größer: Erst der mehrere Monate nach Bekanntwerden veröffentlichte massive Datenklau, der viele Fragen offen lässt, dann der von der Regierung verordnete Email-Scan mit noch mehr Fragezeichen.

Das im Auftrag der Regierung durchgeführte Scanning kann nach Berichten von Reuters noch viel weitreichender gewesen sein, als bislang bekannt geworden ist. Datenschützer und der demokratische US-Senator Ron Wyden aus Oregon fordern daher die US-Regierung auf, die Direktive an Yahoo offenzulegen. Es sieht nach Erkenntnissen der Experten so aus, dass nicht nur die Emails gescannt worden sind, sondern das gesamte Yahoo-Netzwerk. Angeblich sollte nur der Pornografie-Filter geändert worden sein, aber der, so die Experten, durchsucht nur Videos und Bilder. Auch den Spam-Filter hätte man nicht verändern können, ohne dass es der nicht eingeweihten Sicherheitsabteilung aufgefallen wäre. Vielmehr habe man nach Aussagen früherer Yahoo-Mitarbeiter ein Kernel-Modul für Linux eingeschleust, das alles überwacht hat, was bei Yahoo über die Netze geht.

Die Behörden betonen, dass es sich dabei nur um bestimmte digitale Signaturen im Zusammenhang mit einer möglichen terroristischen Aktivität gehandelt habe, aber keinesfalls um eine allgemeine Massendurchsuchung von Emails und Telefon-Daten derart, wie sie die NSA gemäß der Veröffentlichung von Edward Snowden durchgeführt habe.

Die US-Datenschützer sehen dennoch in einer Durchsuchung des kompletten Netzwerks einen Verstoß gegen das "Fourth Amendment" zur US-Verfassung.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer gerät damit immer mehr unter Druck. Anders als etwa Tim Cook von Apple habe sie ohne Gegenwehr die Regierungsdirektive akzeptiert. Auch die Bekanntgabe des Massenhacks hat sie verzögert und jetzt hat auch noch ein weiterer gefeuerter Mitarbeiter, diesmal aus der Presseabteilung, Klage wegen Sexismus ("reverse discrimination") gegen sie eingelegt. Schon im Februar wurde sie wegen Sexismus verklagt.

Auch der Kauf durch den US-Telekomkonzern Verizon wird durch die jüngsten Negativschlagzeilen über Yahoo beeinflusst. Verizon will nun angeblich deutlich weniger für den Webpionier bezahlen. Ursprünglich wollte der Konzern das Internet-Urgestein für 4,8 Milliarden US-Dollar übernehmen und mit AOL verbinden, das Verizon bereits im Jahr zuvor gekauft hatte. Nach Medienberichten habe AOL-Chef Tom Armstrong nun "kalte Füße" bekommen und hält statt 4,8 Milliarden US-Dollar nur noch 3,8 Milliarden für gerechtfertigt. (as)

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