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Yahoo stellt auf Bing-Suchergebnisse um

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Seit dieser Woche beginnt Yahoo, die Ergebnisse seiner Volltextsuchmaschine umzustellen. Yahoo steuert sie nicht mehr selbst bei, sondern übernimmt die Ergebnisse von Microsofts Suchdienst Bing. In den USA ist diese Umstellung schon in weiten Teilen vollzogen, Yahoo weist durch den verschämten Hinweis "Powered by Bing™" am Fuß der Ergebnisseiten darauf hin. In Deutschland soll der Wechsel nach Auskunft von Yahoo erst nächstes Jahr erfolgen. Komplett in allen Ländern soll der Wechsel bis Anfang 2012 vollzogen sein.

Die Umstellung markiert einen weiteren Meilenstein in der wechselvollen Geschichte Yahoos. 1995 von den zwei Stanford-Studenten Jerry Yang und Dave Filo als handgepflegter Katalog von Websites gestartet, expandierte Yahoo sehr stark und wurde immer mehr zum umfassenden Portal mit Diensten aller Art ausgebaut. Nachdem Yahoo die Dienste anderer Anbieter, zuletzt Google, für die Volltextsuche nutzte, wurde im Jahre 2004 die eigene Suchtechnik in Betrieb genommen. Als Teil eines 2009 geschlossenen Deals mit Microsoft schaltet Yahoo jetzt den eigenen Index ab; das Yahoo-Such-Know-how soll in Microsofts Suchmaschine Bing einfließen. Zukünftig will Yahoo sein Geld als Portal mit Werbung verdienen.

Ganz klein am unteren Seitenrand verweist Yahoo auf die Herkunft der Ergebnisse.

Der Austausch der Suchtechnik hat eine Reihe von Auswirkungen auf Entwickler, die die Yahoo-APIs sowie auf die Suchtechnik aufsetzende Dienste verwenden. So will Yahoo zum Beispiel sein SearchMonkey-Programm schließen, mit dem Benutzer individuelle Suchmaschinen bauen können. Yahoos Build your Own Search Service (BOSS), mit dem Dritte Zugriff auf die komplette Suchinfrastruktur erhielten, soll am Leben bleiben, wenn auch in veränderter Form; Details will Yahoo in den nächsten 30 Tagen verkünden. Yahoos Site Explorer, mit dem Webmaster Inhalte bei Yahoo melden können, soll nach einem Blog-Post bis Anfang 2012 am Netz bleiben.

Der Umstieg hat aber vor allem eine entscheidende Auswirkung, die alle betrifft, die im Internet suchen. Ist der Austausch erst einmal vollzogen, wird es nur noch drei Betreiber von Suchmaschinen internationalen Ranges geben, die auf eigener Technik aufsetzen: Google, Bing und Ask. Unter diesen spielen aber in puncto Nutzerzahlen nur Google und Bing eine Rolle. Ask kommt nach einer Statistik von Nielsen in den USA nur auf 1,7 Prozent Marktanteil, in Deutschland liegt er nach den Zahlen von WebHits bei gerade mal 0,7 Prozent. Nach der WebHits-Statistik liegt Bing auch nur bei 2,5 Prozent, auf dem amerikanischen Markt liegt der Anteil aber immerhin bei etwa 10 Prozent.

Neue Anbieter scheinen keine Chance mehr zu haben, im Markt der Großen Fuß zu fassen. Das mit mit viel Tamtam als Google-Herausforderer gestartete Cuil? Dümpelt in der Bedeutungslosigkeit. Ansonsten versuchen sich neue Suchmaschinen-Anbieter nur noch in Nischen, wie die Echtzeit-Suche Collecta oder die "Computational Knowledge Engine" Wolfram Alpha (eine Übersicht findet sich im c't-Artikel "Fahnder-Parade"). Abgesehen von Nischen und einigen regionalen Märkten, Russland und China etwa, erschließen also nur noch drei Gatekeeper den Zugang zur Ressource Web. (jo)

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