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Yahoo-Übernahmepoker: Microsoft holt Murdoch an den Tisch

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Während Yahoo eine Kooperation mit Google testet, kommen die Gespräche mit Time Warners AOL über eine mögliche Alternative zur Übernahme durch Microsoft offenbar voran. Die beiden Unternehmen stünden kurz vor einer Einigung über die Zusammenlegung ihrer Internetsparten, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Gleichzeitig versuche Microsoft, mit Rupert Murdoch einen mächtigen Alliierten an den Tisch zu bringen.

Microsoft und Murdochs News Corp. könnten gemeinsam ein höheres Gebot für Yahoo vorlegen. Noch seien sich die möglichen Partner nicht einig, heißt es weiter, doch seien die Gespräche durchaus ernsthaft. Das Szenario würde drei große Namen des Online-Geschäfts zusammenbringen: MySpace, MSN und Yahoo, das ein Übernahmeangebot von Microsoft wegen Unterbewertung abgelehnt hatte. Andere US-Zeitungen berichten Übereinstimmendes. Die beteiligten Unternehmen haben die Berichte bisher nicht kommentiert.

Parallel laufen die Gespräche zwischen Yahoo und AOL schon eine Weile. Eine Kombination der beiden Unternehmen gilt als Option, Microsofts Übernahmeversuch abzuwehren. Laut Wall Street Journal planen die Unternehmen, AOL ohne das Schmalbandzugangsgeschäft in Yahoo zu integrieren. Zusätzlich solle Time Warner noch eine ungenannte Summe investieren und erhalte dafür ein Fünftel der Anteile des Gemeinschaftsunternehmens.

Yahoo könne mit den zusätzlichen Mitteln eigene Aktien zurückkaufen zu einem Preis, der über Microsofts Gebot liegt. Zusammen mit der möglichen Anzeigenkooperation mit Google könne das Unternehmen damit eine Alternative zur Übernahme durch Microsoft haben. Doch dem Bericht zufolge glauben zahlreiche Analysten und Investoren, dass sich Microsoft schließlich durchsetzen werde. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, auch eine feindliche Übernahme zu betreiben, sollte sich Yahoo weiter zieren.

Eine Allianz von Microsoft, Yahoo und der News Corp., wie sie offenbar in Redmond angedacht wird, würde einen neuen Online-Giganten formen. Die Verschmelzung der betroffenen Geschäftsbereiche dürfte sich als ziemlich kompliziert gestalten. Die Unterstützung der Aktionäre für ein so komplexes Szenario sei nicht sicher, meint das Wall Street Journal. Allerdings gelte das auch für einen Deal mit AOL, der anders als Microsofts Angebot keinen schnellen Gewinn verspreche.

Microsoft hatte Yahoo erst kürzlich ein Ultimatum für eine gütliche Einigung noch im April gestellt und andernfalls eine feindliche Übernahme angedroht. Yahoo lehnt das Angebot bislang als zu niedrig ab und arbeitet fieberhaft an Alternativen. So kündigte der Internet-Konzern erst am Mittwochabend an, mit dem Rivalen Google eine Kooperation bei Online-Werbeanzeigen zu testen. Die zunächst befristete Aktion gilt als Probelauf für eine mögliche weitergehende Zusammenarbeit. Auch dies könnte zur Abwehr von Microsoft beitragen. Allerdings rechnen Branchenbeobachter mit schweren Bedenken der Wettbewerbsaufsicht.

Microsoft hatte ursprünglich knapp 45 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) für Yahoo geboten. Mit dem Kauf will der Konzern die Dominanz von Google bei Internet-Suche und Online-Werbung brechen.

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