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Yahoo will Suchanfragen 13 Monate speichern

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Yahoo hat laut einem Berich des US-Magazins InformationWeek angekündigt, Suchanfragen künftig 13 Monate nutzerbezogen zu speichern. Nach diesem Zeitraum sollen Suchhistorien nur noch anonymisiert vorgehalten werden. Der Suchmaschinen- und Portalbetreiber folgt damit den Wettbewerbern Google und Microsoft bei der Festlegung einer konkreten Speicherfrist für Suchdaten. Mit dieser Frist decke man die Saisonbewegungen etwa von Weihnachten bis Weihnachten ab, sagte ein Sprecher. Dies reiche aus, um Dienste wie personalisierte Bannerwerbung anzubieten und Klick-Betrügereien zu verhindern. Erste Überlegungen zur Einführung von mehr Transparenz bei der Datenarchivierung hatte Yahoo Anfang des Monats gemeinsam mit Microsoft angestellt.

Google hatte als erster der drei Marktgrößen auf Forderungen von EU-Datenschützern reagiert und angekündigt, gespeicherte Suchanfragen generell nach anderthalb Jahren zu anonymisieren. Die Konkurrenten Microsoft und Ask.com riefen ihre Branche am gestrigen Montag dann auf, gemeinsam weltweit geltende Prinzipien für die Sammlung, die Nutzung und den Schutz von Daten auszuarbeiten, die mit Internet-Suche und Online-Werbung gewonnen werden. Zugleich erklärte Microsoft, alle bei Live Search anfallenden Suchdaten von IP-Adressen bis Cookies nach 18 Monaten anonymisieren zu wollen. Dies soll aber nicht gelten, wenn der Nutzer seine Zustimmung für eine längere Datenlagerung gibt.

Mit dem Unterbieten der Wettbewerber bei der Speicherung erhofft sich Yahoo, mit dem Interesse der Nutzer für Datenschutz zu punkten. Die Privatsphäre wird somit verstärkt zum Marketingwerkzeug für die Suchmaschinen. Die Branche will damit allerdings auch einer staatlichen Regulierung zuvorkommen. Zudem reagiert sie unter anderem auf die Panne beim Provider AOL, dessen Forschungsabteilung rund 20 Millionen Suchanfragen von 658.000 AOL-Kunden in einem für jedermann zugänglichen Wiki zum Download bereit gestellt hatte. In den Datensätzen befanden sich Informationen, die Rückschlüsse auf die suchende Person zuließen, etwa Namen und Adressen von Freunden oder Kollegen.

Für den Wagniskapitalgeber Jeff Nolan ist die Entwicklung auch ein Schritt hin zu mehr Konkurrenzdenken im Suchmaschinenmarkt. "Die Wettbewerber wissen, dass sie nicht nur bei der Suche besser sein müssen als Google." Sie müssten dem Platzhirschen auch etwas wegnehmen, worauf dessen Stärke beruhe. In diesem Fall sei dies die "massenhafte Anhäufung persönlicher Daten" und die Heimlichkeit um diese Praxis. Google werde gleichzeitig zur Reaktion und zum Wettbewerb auch in Datenschutzfragen gezwungen. Europäische Verbraucherschützer haben der Marktführer momentan wegen seiner Datensammlungen unter Beschuss genommen und Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den Aufkauf des Werbevermarkters DoubleClick eingelegt. Google würde damit ihrer Ansicht nach "das Online-Werbegeschäft monopolisieren, dadurch den Wettbewerb behindern und Bedenken über die Kontrolle der Verbraucherdaten auslösen". (Stefan Krempl) / (jk)

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