Menü

Yandex legt Kartellbeschwerde gegen Google ein

Die russische Suchmaschine Yandex teilt gegen Konkurrent Google aus und soll Kartellbeschwerde eingereicht haben. Google verstoße gegen den Wettbewerb, weil es Hersteller verpflichte, bei Android eigene Apps vorzuinstallieren.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 67 Beiträge

(Bild: dpa, Maxim Shipenkov)

Von

Der russische Suchmaschinenbetreiber Yandex hat offenbar gegen seine US-Konkurrenz Google eine Kartellbeschwerde bei Russlands Wettbewerbsaufsicht eingereicht. Stein des Anstoßes ist Berichten zufolge Googles Praxis, die Hersteller zur Vorinstallation der eigenen Dienste auf Android-Geräten zu verpflichten.

„Wir glauben, dass Gerätehersteller eine Wahl haben sollten, welchen Suchanbieter und welche Dienste sie als Standard installieren. Google sollte nicht verhindern dürfen, das Konkurrenzanwendungen auf die Geräte kommen“, zitiert Zdnet einen Yandex-Sprecher. Das russische Unternehmen plädiere für eine Trennung des Betriebssystems Android und der Google-Dienste.

So hätten etwa im vergangenen Jahr die drei Smartphone-Anbieter Prestigio, Fly und Explay gegenüber Yandex mitgeteilt, dass ihnen eine Vorinstallation von Yandex-Diensten auf Android wegen der Beschränkungen nicht möglich sei. Bereits im vergangenen September war ins Licht der Öffentlichkeit geraten, dass Google inzwischen die Installation von 20 hauseigenen Apps für die Android-Zertifizierung verlangt. Eine Deinstallation der Apps ist dabei nur über Root-Zugriff möglich.

Laut eigenen Angaben ist Yandex in Russland mit fast 60 Prozent Marktführer in Sachen Suchanfragen – auf Google entfallen rund 32 Prozent. Zählt man die Suchanfragen über Mobilgeräte allein soll sich die Sache anders verhalten: Hier seien es nur 44 Prozent. Dabei solle Android in Russland einen Marktanteil von 86 Prozent erreichen. Wie Yandex zu letzterer Zahl kommt ist allerdings unklar. Statista zufolge liegt der russische Marktanteil von Android eher bei knapp über 50 Prozent.

Die Beschwerde bei den Behörden ist nicht der erste Angriff auf Google, um den Heimatmarkt abzusichern: So sicherte sich Yandex Ende vergangenen Jahres für Russland die Position als voreingestellte Suchmaschine im Firefox-Browser. Und vor rund einem Jahr stellte das Unternehmen ein alternatives Android namens Yandex.Kit vor, bei dem Google-Dienste wie ein E-Mail-Client, Browser, Navigationsapp und App Store durch Apps von Yandex ersetzt werden.

Kartellrechtliches Ungemach dräut Google übrigens nicht nur in Russland: Bereits seit längerem läuft ein Verfahren der EU-Kommission gegen den Suchmaschinenriesen, bisherige Zugeständnisse des Unternehmens reichten den Wettbewerbswächtern dann doch nicht. Im November 2014 stimmte das EU-Parlament für eine Entschließung, die eine Entflechtung von Suchmaschinen und weiteren Diensten fordert. Der recht deutlich gegen Google gerichtete Beschluss hat allerdings keine rechtliche Kraft und ist eher als Stellungnahme zu verstehen. (axk)