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YouTube-Chefin: Neues EU-Copyright für Plattformen “zu riskant”

Das geplante EU-Urheberrecht führt zu Uploadfiltern und ist für Plattformen ein Problem. Youtube-Chefin Susan Wojcicki ruft jetzt aktive Nutzer zum Protest auf

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(Bild: dpa, Nicolas Armer)

Youtube-Chefin Susan Wojcicki ruft Anbieter von Videos auf, gegen mögliche Upload-Filter durch die EU-Urheberrechtsreform zu protestieren. Die Youtube-Nutzer sollten sich darüber informieren, wie der umstrittene Artikel 13 der geplanten Urheberrechtsrichtlinie ihre Kanäle betreffen werde “und sofort handeln”, schrieb Wojcicki in ihrem vierteljährlichen Brief an die “Creator”-Community am Montag.

Artikel 13 sieht in der zuletzt im September vom Europaparlament verabschiedeten Fassung vor, dass Online-Plattformen sich Lizenzen von Rechteinhabern sichern müssen – und für Urheberrechtsverletzungen von Nutzern haften. Damit wird die Haftungsprivilegierung für Plattformanbieter defacto abgeschafft.

Obwohl Upload-Filter nicht ausdrücklich erwähnt werden, sind sie die wahrscheinliche technische Lösung für die Plattformbetreiber. Denn in der Praxis dürfte es kein Betreiber schaffen, sämtliche von Nutzern hochgeladene Inhalte manuell zu sichten und eine korrekte Recherche der urheberrechtlichen Lage in jedem Einzelfall zu gewährleisten. Bei YouTube etwa landen zurzeit durchschnittlich rund 450 Stunden Videomaterial pro Minute.

“Artikel 13 in seiner jetzigen Fassung könnte Millionen von Menschen – von Creatorn wie euch bis hin zu alltäglichen Nutzern – daran hindern, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen”, schreibt die Youtube-Chefin. “Und er könnte Nutzer in der EU daran hindern, Inhalte anzusehen, die bereits auf den Kanälen von Creatorn überall verfügbar sind.”

Die Youtube-Chefin hält es unter diesen Bedingungen für “schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte verantwortlich wären.” Youtube und andere Plattformen könnten sich gezwungen sehen, “nur Inhalte von einer Handvoll großer Unternehmen zuzulassen”.

Für Youtube-Anbieter könnte das mit substanziellen Einnahmeverlusten verbunden sein: “Diese Gesetzgebung stellt eine klare Bedrohung für euren Lebensunterhalt und eure Möglichkeit dar, euch weltweit Gehör zu verschaffen”, warnt Wojicki.

Bei aller berechtigten Kritik an den EU-Plänen erwähnt Wojicki nicht, dass es für einen großen Teil des Problems noch eine weitere mögliche Lösung gibt: Youtube könnte sich mit den Inhalteanbietern auf ein Lizenzmodell für die Verwertung von Musik oder Filmschnipseln durch User einigen. Die Unterhaltungsbranche liegt damit seit Jahren im Clinch mit Youtube. Im September hat der BGH in so einem Rechtsstreit den Europäischen Gerichtshof eingeschaltet. (vbr)

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