YouTube-Videos zeigen Mord an Journalistin: US-Handelsaufsicht soll prüfen

Weil auf YouTube Videos abrufbar sind, die den Mord an einer Journalistin zeigen, soll die Federal Trade Commission einschreiten.

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(Bild: MariaX/Shutterstock.com)

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YouTube schafft es offenbar nicht, Videos zu löschen, die die Ermordung der Journalistin Alison Parker zeigen. Deshalb fordert die gemeinnützige Bürgerrechtskanzlei der juristischen Fakultät der Georgetown University Washington die US-Handelsbehörde (FTC) auf, die Angelegenheit zu prüfen und gegebenenfalls Klage zu erheben. Als Beschwerdeführer tritt auch der Vater von Parker auf. Die Videos verstoßen gegen die hauseigenen Richtlinien von YouTube.

"Es sind unzählige Videos des Mords an Alison auf YouTube verfügbar", heißt es in der Beschwerdeschrift. Die damals 24-jährige TV-Journalistin war 2015 während eines Live-Interviews erschossen worden. Die Tat gilt als erster "Social-Media-Mord", da der Täter mit Bedacht eine Live-Sendung ausgewählt hatte, um so ein größeres Publikum zu erreichen. Er tötete auch den Kameramann Adam Ward, die Interview-Partnerin Vicky Gardner überlebte schwerverletzt.

Neben den Aufnahmen kreisen um den Mord laut Mitteilung der Civil Rights Clinic der Georgetown Law auch einige Verschwörungstheorien. Sie betreffen vor allem den Vater und sein Engagement gegen Waffengewalt und die US-amerikanischen Waffengesetze. Zudem glorifizierten einige Menschen den Täter, der auch sich selbst erschoss, in den Kommentaren zu den Videos. Er berief sich in einem Abschiedsbrief darauf, seine Opfer und der Sender, bei dem auch er zuvor gearbeitet hatte, hätten ihn wegen seiner Hautfarbe und Homosexualität diskriminiert.

Andy Parker sagt, er habe jahrelang YouTube aufgefordert, die Videos zu löschen und auf die eigenen Richtlinien hingewiesen. Als Antwort seien "nur leere Versprechungen und Lügen" gekommen. Daher solle nun das Einschreiten der FTC die Plattform zum Handeln bewegen – auch bezüglich anderer Videos, die ebenfalls trotz klarer Regelverstöße verfügbar sein sollen. Als Beispiel werden Videos mit Anschuldigungen gegen die Eltern von Schülern genannt, die beim Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School in Connecticut ums Leben kamen sowie Bilder, die Jugendliche beim Selbstmord zeigen.

YouTube veröffentlicht regelmäßig Transparenzberichte, in denen die Zahlen zu den gelöschten Videos und Inhalten kategorisiert aufgelistet werden. Im zweiten Quartal 2019 waren es insgesamt neun Millionen Videos. Unter "Gewalt" fielen da 4,3 Prozent, deutlich größere Anteile kamen aus der Kategorie "Spam" (66,8 Prozent). Der Mutterkonzern Google setzt neben KI-Systemen auch rund 10.000 Mitarbeiter für die Kontrolle der Inhalte ein. (emw)