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YouTube: Werbeboykott wegen pädophiler Kommentare in Kindervideos

Einige Werbekunden schalten keine Werbung mehr auf YouTube. Ihre Werbung war in Videos aufgetaucht, die von Pädophilen kommentiert wurden.

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Nestle, Epic Games, Disney und andere größere Marken schalten keine Werbung mehr auf YouTube. Als Grund für ihren Rückzug nannten die Unternehmen, dass ihre Werbung in sexualisierten Kindervideos eingespielt wurde, deren Kommentarbereiche von Pädophilen überschwemmt wurden. Das berichtet The New York Times am Mittwoch.

Die Unternehmen reagierten damit auf ein Video des YouTubers Matt Watson. Dass Video zeigt, wie Pädophile die Empfehlungs-Algorithmen von YouTUbe verwenden, um sexualisierte Kindervideos aufzufinden. Diese Videos wurden von den Pädophilen mit sexuell eindeutigen Kommentaren versehen, in denen sie unter anderem Zeitmarken auf Szenen setzten, in denen die Kinder nackt zu sehen sind. Außerdem enthielten die Kommentare mitunter Links auf kinderpornografisches Material. In den Videos war Werbung der betroffenen Unternehmen eingeblendet.

Bereits vor zwei Jahren hatte eine Reihe von Firmen ihre Werbung auf YouTube eingestellt, weil sie in Extremisten-, Hass-Videos und sexualisierten Kindervideos eingespielt wurde. YouTube hatte im November 2017 einen Maßnahmenkatalog angekündigt, um auch dieses Problem einzudämmen. Nach Angaben der New York Times seien aufgrund dieses Versprechens im letzten Jahr viele Werbetreibende zu YouTube zurückgekehrt, mussten jedoch jetzt erkennen, dass keine allzu großen Fortschritte erzielt worden sind.

Chi Hea Cho, eine Sprecherin des YouTube-Mutterkonzerns Google, sagte gegenüber der Zeitung, dass mittlerweile alle Accounts, Channel und Kommentare gelöscht worden seien, die gegen die Richtlinien verstoßen hätten. Außerdem hätte man illegale Aktivitäten auf YouTube an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Cho verurteilte alle Inhalte, die Minderjährige gefährden könnten als abscheulich und verwies auf die Richtlinien von YouTube zum Einstellen von Videos und Kommentaren. "Es gibt noch mehr zu tun", räumte sie ein.

Deutliche Kritik an YouTube kommt von Josh Golin, Geschäftsführer von Campaign for a Commercial-free Childhood (CCFC). Er sieht nicht, dass YouTube dem Problem der pädophilen Kommentare in ausreichendem Maße begegnen kann und fordert, dass die Videoplattform seine Kommentarfunktion ganz abschalten sollte. "Was ist der Wert von YouTube-Kommentaren im Vergleich zu den Schrecklichkeiten, die dort auftauchen."

Aber auch Watson, der mit seinem Video auf das Problem aufmerksam gemacht hat, steht nach Angaben der New York Times in der Kritik. YouTuber werfen ihm vor, er würde eine "neue Apokalypse" wie in 2017 heraufbeschwören. Sie kritisieren, dass er die Verstöße gegen die YouTube-Richtlinien öffentlich gemacht hat, anstatt sie diskret über die YouTube-eigenen Tools als Verstoß zu melden. Die YouTuber sehen durch den dadurch ausgelösten Boykott ihre Werbeeinnahmen gefährdet.

Neben Nestle, Epic Games und Disney sollen auch Werbevideos von GNC, McDonald’s, Lysol, Hersheys Reese’s, Purina und Ikea im Zusammenhang mit Pädophilenkommentaren in dem Beitrag von Matt Watson auftauchen. Nach Angaben von Bloomberg habe Disney seine Werbeaktivitäten bei YouTube ebenfalls eingestellt. Ob und wie viele weitere Unternehmen noch betroffen waren oder betroffen sind und YouTube als Werbetreibende den Rücken kehren wollen, ist derzeit noch unklar. (olb)