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YouTube schränkt Hass und Lügen ein

Gemeine Lügen, Nazi-Ideologie und dergleichen mehr sind auf YouTube nicht länger willkommen. Und wer öfter Hass verbreitet, bekommt kein Werbegeld mehr.

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Durchschnittlich alle zehn Tage ändert YouTube seine Nutzungsbedingungen, meistens ohne darauf hinzuweisen. Diesmal sucht YouTube Dero Aufmerksamkeit.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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YouTube unternimmt etwas gegen Diskriminierung, Hass und schädliche Lügen: "Wir verbieten Videos, die unterstellen, dass eine Gruppe einer anderen überlegen ist, um damit Diskriminierung, Segregation oder Ausschlüsse zu rechtfertigen, basierend auf Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Rasse, Kaste, Religion, sexuelle Orientierung oder ehemalige Militärangehörigkeit", teilt die Google-Abteilung mit.

Außerdem werden Inhalte entfernt, die "gut dokumentierte Gewaltereignisse" leugnen, was vom mörderischen Anschlag an einer US-Schule bis zum Holocaust reicht. Damit möchte YouTube einen Beitrag im Kampf gegen Revisionismus leisten. Vorausgegangen seien den neuen Bestimmungen Beratungen mit dutzenden Experten zu Themen wie gewalttätiger Extremismus, Rassismus, Bürgerrechte und Meinungsfreiheit.

Leider ist die Angelegenheit komplex. "Wir erkennen an, dass einige dieser Inhalte wertvoll sind für Forscher und Nichtregierungsorganisationen, die Hassrede verstehen möchten, um sie zu bekämpfen", schreibt YouTube, "Wir suchen nach Möglichkeiten, ihnen diese Inhalte in Zukunft zur Verfügung zu stellen."

Und weil stets der Kontext entscheidend ist, könnten einige zwiespältige Videos durchaus verfügbar bleiben, etwa weil sie laufende Gesetzgebungsverfahren diskutieren, Hass verurteilen oder bloßstellen möchten, oder aktuelle Ereignisse analysieren.

Weitere Grenzfälle sollen online bleiben, aber nicht länger durch automatische Weiterempfehlung unterstützt werden. Gleiches gilt für schädliche Lügen, etwa Quacksalberei oder Flacherde-Propaganda. Stattdessen sollen gezielt Videos aus anerkannt glaubwürdigen Quellen zum Thema empfohlen werden. YouTube testet diese Vorgehensweise seit Jahresbeginn in den USA. Bis Jahresende soll sie auf weitere, nicht genannte Länder ausgedehnt werden.

#NichtEgal: Workshops gegen den Hass im Netz

(Bild: dpa, Marc Tirl/Symbolbild)

Ignorieren, blockieren, sich wehren: Die Initiative #NichtEgal wirbt für einen respektvollen Umgang im Netz. Workshops sollen junge Schüler dafür sensibilisieren.

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Schon länger vermittelt YouTube keine Werbung für Videos, die dem Hass das Wort reden. Allerdings konnten die einschlägigen YouTube-Kanäle mit anderen Videos durchaus noch gutes Geld verdienen. Damit will die Videoplattform nun Schluss machen: Wer wiederholt Hass verbreitet, wird aus dem YouTube-Partnerprogramm ausgeschlossen. Das bedeutet, dass im jeweiligen YouTube-Kanal keine Reklame mehr laufen wird. Das freut Werbekunden, die ihre Marken ungern beschmutzt sehen.

Grundsätzlich gelten die neuen Regeln ab sofort. Allerdings wird es mehrere Monate dauern, bis YouTube alle Systeme umfassend aktualisiert hat. Das zeigt sich auch an einem aktuellen Beispiel: Ein Youtuber mit 3,8 Millionen Abonnenten überzieht den homosexuellen Journalisten Carlos Maza auf YouTube regelmäßig mit homophoben und rassistischen Kommentaren. Das inspiriert jedes Mal eine Lawine zusätzlicher Beschimpfungen durch Dritte.

Solange Homophobie auf YouTube ein Zuhause hat, fällt es schwer, YouTubes LGTB-Pride-Logo ernst zu nehmen.

(Bild: YouTube)

Maza meldete YouTube das Problem, fand dort aber keine Hilfe. Wie die BBC berichtet, stellte YouTube das Verächtlichmachen zwar als "verletzend" fest, sah jedoch keinen Verstoß gegen die eigenen Nutzungsbedingungen: Die verletzenden Äußerungen seien in Diskurse eingebettet und damit zulässig. Nach einigem Hin und Her hat YouTube den Kanal des Youtubers auf die Werbe-Sperrliste gesetzt.

Aus Sicht Mazas reicht das nicht aus. Denn die Videos bleiben online, und neue Videos dürfen dazukommen. Ironie der Geschichte: Auf Twitter präsentiert sich YouTube gerade in Regenbogen-Farben, zur Feier des LGTB-Pride-Monats Juni. (ds)