YouTube stemmt sich gegen Copyright-Missbrauch

YouTube möchte Lanzen für das "Fair Use" unter US-Copyright brechen. Die Alphabet-Tochter steht nun ausgewählten Videoproduzenten, die von überzogenen Ansprüchen Dritter betroffen sind, juristisch bei.

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Eine neue Variante des Sperrhinweises auf YouTube: YouTube hält das Video für Fair Use und zeigt es nur in den USA.

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YouTube macht sich für Videoproduzenten stark, die fälschlich der Verletzung von US-Copyright bezichtigt werden. Dabei steht das Konzept des Fair Use im Mittelpunkt. Fair Use gestattet in den USA unter bestimmten Umständen die Nutzung fremden Materials. Trotzdem verlangen Rechteinhaber immer wieder die Löschung solcher legalen Videos. Die Alphabet-Tochter möchte nun einige Musterprozesse führen und stellt dafür Geld bereit.

"Wir bieten juristische Unterstützung für eine handvoll Videos, die unserer Meinung nach klar Fair Use sind, und von Löschbegehren nach dem DMCA (Digital Millennium Copyright Act) betroffen sind", schreibt YouTube-Jurist Fred von Lohmann in einem Blogbeitrag, "Mit Zustimmung der Videoproduzenten werden wir die Videos in den USA online halten, in unserem YouTube Copyright Center als starke Beispiele von Fair Use präsentieren, und die Kosten tragen, sollte Klage erhoben werden."

"Wir tun das, weil wir anerkennen, dass Produzenten von den (DMCA-Mechanismen) eingeschüchtert sein können", erklärt von Lohmann. Allerdings bezieht sich der Schutz nur auf die USA. Für Zuschauer in anderen Ländern bleiben die von YouTube auserkorenen Mustervideos gesperrt.

In diesem launigen Video umreißt YouTube einige grundlegende Copyright-Begriffe.

Im angesprochenen Copyright Center ist zu erfahren, dass sich das Budget für etwaige Rechtsstreitigkeiten über Fair Use auf eine Million Dollar je Fall beläuft. Lohmann betont, dass nur eine Handvoll Videos in den Genuss des Videoschutzprogramms kommen wird. Das könnte aber reichen, um Urteile zu erwirken, die weit über den Einzelfall hinaus wirken.

Ein Fall, der ohne finanzielle Unterstützung YouTubes verhandelt wird, ist das Kurzvideo des tanzenden Babys. Laut einer Zwischenentscheidung des Gerichts müssen Rechteinhaber auf Fair Use prüfen, bevor sie ein Löschbegehren nach dem DMCA einreichen.

Gleichzeitig aber hat das Gericht automatisierte Löschbegehren ausdrücklich zugelassen. Ob der berühmte Filmschnipsel mit dem enthusiasmierten Kleinkind tatsächlich Fair Use ist, müssen nun Geschworene entscheiden.

Ziel des US-Copyright ist es, "den Fortschritt von Wissenschaft und nützlicher Kunst zu fördern". Wenn es hilft, dieses Ziel zu erreichen, dürfen fremde Werke auch gegen den Willen der Rechteinhaber genutzt werden. Wann genau Fair Use vorliegt ist im Gesetz aber nicht abschließend geregelt. Das wäre auch sehr schwierig.

Im Streitfall prüfen US-Gerichte gemeinhin vier Faktoren: Es kommt auf den Zweck der Nutzung an – kommerziell, nichtkommerziell oder für Bildung – sowie auf die Art des Werks, die genutzten Ausschnitte im Vergleich zum Gesamtwerk und schließlich die Auswirkungen auf den potenziellen Markt oder Wert des Werks. Die vier Prüfungsergebnisse werden gegeneinander abgewogen. Dabei wurde beispielsweise Google Books für legal erklärt. (ds)