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Youtube kappt nach Kritik Werbeeinnahmen für Impfgegner

Youtuber, die gegen Impfungen agitieren, sollen zumindest keine Werbeeinnahmen mehr damit generieren können. Damit reagiert Googles Videoportal auf Kritik.

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(Bild: dpa, Sophia Kembowski)

Nach einem kritischen Medienbericht und einem Boykott durch Werbekunden, hat Youtube damit begonnen, Videokanäle von Impfgegnern den Geldhahn abzudrehen. Das berichtet Buzzfeed News unter Berufung auf einen Sprecher des Videoportals von Google. "Wir haben strikte Regeln zu Videos, bei denen Werbung erscheinen darf", versichert der gegenüber dem Nachrichtenportal und "Videos, die impfgegnerische Inhalte enthalten, verstoßen gegen diese Regeln". Namentlich genannt werden in dem Artikel jedoch nur englischsprachige Kanäle. Antwort auf Anfrage von heise online, wie es im deutschsprachigen Raum aussieht, steht zur Stunde noch aus.

Vergangene Woche hatte Buzzfeed News berichtet, dass Youtube bei Suchphrasen zur Sicherheit von Impfungen zwar Inhalte von Kinderkrankenhäusern oder vergleichbaren Autoritäten an erster Stelle anzeigte. Die per Algorithmus gesammelten ähnlichen Inhalten führe dann aber zu Videos, die sich gegen Impfungen richten. Dank der eingeblendeten Werbung erhalten deren Macher sogar Geld dafür. Daraufhin hatten mehrere Werbekunden von Youtube reagiert und entweder eine Schaltung bei solchen Seiten verhindern wollen, oder gleich einen ganzen Boykott angekündigt, bis Youtube das Problem behoben habe, schreibt das Nachrichtenportal.

Die Entwicklung fällt in eine Zeit, in der immer deutlicher wird, welche Gefahren von Impfgegnern ausgehen. Vergangenes Jahr gab es etwa weltweit doppelt so viele Erkrankungen mit Masern wie im Jahr davor, hatte zuletzt die Weltgesundheitsorganisation vorab ermittelt. Ursache ist demnach auch eine wachsende Impfskepsis in Europa und den USA wegen der Verbreitung falscher Behauptungen zu angeblichen Gefahren. Im US-Bundesstaat Washington war nach einem Masernausbruch jüngst der Notstand ausgerufen worden. Verantwortlich sind Falschinformationen in sozialen Medien, wie die Anthropologin Heidi Larson jüngst bei Technology Review erläutert hat.

Vergangene Woche hatte das Bilderportal Pinterest angekündigt, bei Suchen nach den englischen Begriffen "vaccination" (Impfung) oder "vaccine" (Impfstoff) keine Ergebnisse ausliefern zu wollen. Bei Youtube geht es vor allem um den Algorithmus zur Empfehlung weiterer Videos. Der steht nicht nur in Bezug auf Impfgegner im Fokus der Kritik. Das weltweit wichtigste Online-Videoportal ist laut einer Studie auch dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen die Erde für eine Scheibe halten. Kritik gibt es weiterhin daran, wie Youtube Inhalte für Nutzer mit pädophilen Interessen automatisch verknüpft.

[Update 28.02.2019 – 18:50 Uhr] Auf Anfrage von heise online teilte ein Google-Sprecher inzwischen mit: "Diese Regeln gelten global, nicht nur in den USA." (mho)