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ZDF kooperiert mit T-Online und bootet MSNBC aus

Das ZDF und T-Online haben eine Zusammenarbeit bei der Präsentation der heute-Nachrichten vereinbart. Die beiden Unternehmen wollen über eine Content-Partnerschaft die Marke "heute.t-online.de" als "das führende Nachrichtenportal in Deutschland positionieren".

Hierfür sollen mittelfristig alle modernen Kommunikationswege mit den heute-Inhalten bedient werden: "Ob im Internet oder auf dem Handy, die erfolgreiche Marke heute muss auf allen Plattformen des multimedialen Zeitalters vertreten sein", forderte ZDF-Intendant Stolte am heutigen Dienstag in Hannover. Die Partnerschaft mit T-Online sei hierzu optimal, ist auch Telekom-Chef Ron Sommer überzeugt, denn sein Dienst sei der in Deutschland "mit Abstand führende Online-Anbieter". Damit schlössen sich "zwei Premium-Marken zu einer Content-Partnerschaft zusammen, wie es sie bisher in Deutschland noch nicht gegeben hat."

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Die (noch inaktive) Internet-Seite www.heute.t-online.de soll dabei zum werbefreien Kern des neuen Auftritts avancieren, ständig aktuell gehalten werden und Hintergrund-Informationen bieten, für die in den Nachrichtensendungen des ZDF kein Platz ist. Auch die ausgiebige Einbindung von Videostreams aus den ZDF-Sendungen ist künftig geplant. Der Nutzer könne die Seite zudem personalisieren und auf diese Weise die Nachrichten nach seinen persönlichen Vorlieben sortiert bekommen, erklärten die beiden neuen Partner.

Der große Verlierer beim neuen Deal zwischen dem ZDF und T-Online heißt MSNBC. Die Zusammenarbeit zwischen dem ZDF und dem US-amerikanischen Web-Nachrichtendienst war in der Vergangenheit als Sponsoring-Verhältnis bewertet worden und widersprach damit den Forderungen des 4. Rundfunkänderungs-Staatsvertrages, die dem ZDF in seinen Online-Auftritten Werbung und Sponsoring untersagen. ZDF-Präsident Stolte würdigte die vierjährige Zusammenarbeit mit dem Microsoft- und NBC-Ableger als "konstruktiv, erfolgreich und rundherum erfreulich". Er bedauere, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit nicht erlaubt hätten.

Für T-Online bietet sich durch die Kooperation mit dem ZDF eine erste größere Chance, sein vergleichsweise dünnes Angebot an eigenen Content-Leistungen zu verbessern. Diese Content-Schwäche hatte das Unternehmen in der Vergangenheit gegenüber der Konkurrenz, vornehmlich gegenüber dem Mitbewerber AOL Time Warner ins Hintertreffen und in große Abhängigkeit von den vergleichsweise margenschwachen Erlösen aus dem eigenen Netzzugangs-Geschäft geraten lassen.

Inwieweit die Kooperation mit dem ZDF indes die vom neuen T-Online-Chef Thomas Holtrop propagierte "eigene Format- und Programmkompetenz" reflektiert, bleibt dahingestellt. Gegen exklusive Content-Partnerschaften hatte sich Holtrop bereits in seiner Antritts-Pressekonferenz gewandt und damals auch den Mutmaßungen über entsprechende Kooperationen mit der Kirch-Gruppe widersprochen. (klp)

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