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Zahlen, bitte! 100.000 Dollar für Googles Gründung

Am heutigen Dienstag wird Google 20 Jahre alt – Anlass genug, auf die Entstehung und heutige Resonanz des einstigen Garagen-Start-ups zurückzublicken.

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Google kauft Online-Werbefirma

Vor 20 Jahren wurde Google als Firma eingetragen. Mit diesem Schritt konnten die Firmengründer Larry Page und Sergej Brin überhaupt erst einen Scheck über 100.000 Dollar einlösen, den Andreas Bechtolsheim auf eine "Google Inc." ausgestellt hat. Seit einiger Zeit gilt darum der 4. September 1998 als offizieller Google-Geburtstag.

Bechtolsheim hatte im August 1998 einen Vortrag gehört, in dem Larry Page und Sergey Brin das Konzept ihrer Suchmaschine Google erläuterten. Er war sofort von dieser neuen Art der Suchmaschine begeistert, die große Datenmengen aufbereiten sollte. Page und Brin wollten nichts weniger als das ganze sichtbare Web durchsuchen und so indizieren, dass bei der Suche nach Bill Clinton auch der Präsident Bill Clinton im Weißen Haus an erster Stelle der ersten 10 Suchtreffer steht und nicht irgendein Clinton in Nebraska. Zu diesem Zweck entwickelten sie seit 1996 einen Algorithmus namens BackRub, der zunächst innerhalb der Universität Stanford eingesetzt wurde. 1997 meldete Page zusammen mit der Universität Stanford den nunmehr PageRank genannten Algorithmus zum Patent an.

"Google!", die Suchmaschine mit der imperativen Aufforderung an den zufällig vorbeikommenden Surfer, irgendetwas im googoligen (oder zehn sexdezilliardigen) Datenbestand zu suchen, wurde zunächst von einem Rechner an der Universität Stanford aus angeboten. Nach der Firmengründung zog das Startup in eine Garage in Menlo Park um. Aus Holzböcken und Türen wurden Schreibtische zusammengestellt, damit die schnell wachsende Firma arbeitsfähig war. Die Hausbesitzerin Susan Wojcicki ist heute CEO von Youtube. Auch für die Universität Stanford zahlte sich die Unterstützung von Google aus: Sie erhielt für das Patent 1,8 Millionen Aktienanteile an Google, die sie 2005 für 336 Millionen US-Dollar verkaufte.

Vom Start weg erlebte Google als Suchmaschine einen rasanten Aufbruch. Die Bewährungsprobe erfolgte am 11. September 2001, als aus der Suchmaschine eine Art Newsmaschine wurde und sie damit sehr erfolgreich arbeitete. Googles Nachrichtendienst übertrumpfte auf Anhieb Angebote wie etwa die deutsche Nachrichten-Suchmaschine Paperball. Mit den dann etablierten Werbeeinnahmen durch AdWords und AdSense schuf man die ökonomischen Voraussetzungen für eine Expansion mit zahlreichen Firmenübernahmen. Der Börsengang im Jahre 2004 ergab für Google einen Unternehmenswert von 23 Milliarden US-Dollar.

Google wird 20 (17 Bilder)

Ein Screenshot aus dem Google-Archiv zeigt "ein altes Google-Logo" und ein "früheres Layout". Die Seite bot die Möglichkeit, Stanford-Webseiten zu durchsuchen oder aber das gesamte Web.
(Bild: Google LLC)

Während Google mit Doodlen seinen Geburtstag feiert, steht das Kern-Unternehmen des Alphabet-Konzerns mal wieder in der Kritik. Deren Auslöser ist der von US-Präsident Trump gegen Google erhobene Vorwurf politischer Einseitigkeit. Anders als die erste Google-Suche nach Bill Clinton soll mit "Trump News" nichts von seinen Erfolgen im Suchergebnis auftauchen. Wie der Analyst Shelly Palmer schreibt, ist das Ganze die Folge eines Missverständnisses von Trump und andere Politiker: "Google ist keine Suchmaschine, sie ist eine hochspezialisierte Maschine zur Direktwerbung; eigens so gebaut, um die die Werte der 'Eingaben' direkt in Reichtum für die Google-(Alphabet)-Aktienbesitzer umzuwandeln. Sie ist darauf optimiert, die richtige Werbung zur richtigen Zeit an die richtige Person auszuliefern. Anders gesagt ist sie 'manipuliert', um die Einnahmen zu optimieren – alles andere ist zweitrangig."

Die Bedenken gegenüber Google gehen indes viel weiter als der Vorwurf, unfair Nachrichten auszuwählen oder Surfer mit Werbung zu belästigen. Mit seinen zahlreichen Angeboten, besonders mit Hilfe von Android, zeichnet der Suchmaschinenriese das Leben der Smartphone-Nutzer auf, wie etwa die Bundesregierung beim Google-Standortverlauf kritisierte.

Der wohl radikalste Vorwurf an Google geht noch weiter und kommt von einer US-amerikanischen Soziologin. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieb Shoshana Zuboff, wie Google unser aller Leben "aufsaugt" und Geheimdiensten wie der NSA zur Verfügung stellt. Weil das Internet so überlebenswichtig geworden ist, sei Google so urböse, denn es arbeite mit Algorithmen in einer Weise, die wir nicht verstehen und für die wir uns nicht bewusst entschieden haben. Somit nehme sich Google alle "Schürfrechte an unseren Leben" und behandele Menschen wie Frösche, die man langsam erhitzt, bis es uns dämmert, "dass Google dabei ist, ein neues Reich zu errichten, dessen Stärke auf einer ganz anderen Art von Macht basiert – allgegenwärtig, verborgen und keiner Rechenschaft pflichtig. Falls das gelingt, wird die Macht dieses Reiches alles übertreffen, was die Welt bisher gesehen hat. Das Wasser ist nahe am Siedepunkt, weil Google diese Feststellung weitaus besser versteht als wir." (Detlef Borchers) / (mon)

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