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Zahlen, bitte! 12681839 C64

Eine Formel zur Berechnung deutscher Panzerproduktion im zweiten Weltkrieg hilft auch bei der Frage weiter, welches der meistverkaufte Computer ist.

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Was, bitte ist ein erfolgreicher Computer? Hängt man die Frage an den Stückzahlen auf, wird es schnell ziemlich irre, wenn 13 Millionen Raspberrys von heute gegen die 12.000 IBM 1401 stellt, die Anfang der 60er Jahre verkauft wurden. Und woher kommen überhaupt die Angaben über die produzierten Geräte?

Jack Tramiel war ein Mann, der sehr von sich überzeugt war und großartig von seinen Abenteuern in der Computerbranche erzählen konnte. Zu seinen Erzählungen gehörte die Geschichte von Commodore und Atari, mit witzigen Anekdoten, wie der, das IBM den Atari 800 nehmen und zum IBM PC umlabeln wollte. Eine andere ist seine Erzählung, dass zwischen 22 und 30 Millionen C64 produziert und verkauft wurden. Was macht man mit solchen Zahlen?

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

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Es ist keine Frage, dass Commodores C64 zu Recht als meistverkaufter Computer im Guiness-Buch der Rekorde steht. Hinter seiner Geschichte schlägt schließlich das Herz der PC-Revolution, der MOS 6502. Doch wieviel C64 wurden wirklich produziert? Diese Frage beschäftigte den Sammler Michael Steil, der einst seinen ersten C64 bei Aldi kaufte. Stiel studierte alle Angaben zum Rechner und fand sie wenig überzeugend. Doch findige Mathematiker hatten im zweiten Weltkrieg eine Methode entwickelt, die unter dem Namen "German tank problem" Geschichte schrieb. Mit ihr konnte Steil das Rätsel lösen.

Im zweiten Weltkrieg standen die Allierten vor dem Problem, dass niemand genau wusste, wie leistungsfähig die deutsche Rüstungsindustrie bei dem Bau von Panzern, Flugzeugen und Raketen wirklich war. Die Geheimdienste waren wenig hilfreich, denn sie lieferten, wohl unter dem Eindruck der NS-Propaganda, furchteinflößende Zahlen ab. Da gab es dann fantastisch übertriebene Berichte, dass Deutschland 1500 Panzer im Monat bauen könnte, was der US-amerikanische Panzerkommandeur George Patton sarkastisch kommentierte, man könne gar nicht so viele abschießen, wie da nachproduziert würden.

Doch die Mathematik half, das Problem in den Griff zu bekommen. Denn das ordentliche Hitlerdeutschland versah Panzer wie Flieger mit fortlaufenden Seriennummern. Diese Nummern wurden von den Alliierten notiert, wenn Panzer abgeschossen wurden oder verlassen waren, und zur Auswertung Steven Weyhrich geschickt.

Die mathematische Lösung des German tank problem beruhigte die Schlachtenlenker mit der Erkenntnis, dass der Gegner auch nur mit Wasser kochte. Kurz gesagt wurde mit der Formel N = m + m/k - 1 gerechnet, wobei m die höchste Seriennummer ist und k die Zahl der Panzer, die man erwischt hatte. So ermittelte man für das Jahr 1942 die Zahl von 330 Panzern, ein deutlicher Unterschied zur Behauptung des Geheimdienstes, der für das Jahr von 1550 produzierten Panzern ausging. Nach dem Krieg ergab ein Blick in die Unterlagen, dass in dem Jahr 342 Panzer gebaut wurden.

Doch zurück zum Thema dieser Zahlenzählerei: Der Retrocomputingfan Michael Steil begann, sich die Seriennummern der C64 in den verschiedenen Baureihen zu notieren und mit der Panzerformel zu bearbeiten. Sein Ergebnis stellte er ausführlich in einem lesenswerten Beitrag vor: Mit rund 12,5 Millionen hält der C64 den Rekord als meistgebauter Computer. Daran ändern auch Meldungen nichts, die heutige Einplatinen-Rechner wie den Raspberry vor den über 1000 D-Mark teuren C64 setzen. Mit der Panzerformel konnten auch Stückzahlen anderer Rechner ermittelt werden: So mussten die Angaben des formidablen Schreibgerätes Sinclair Z88 drastisch nach unten korrigiert werden.

Mit dem Commodore C64 an der Spitze der Massenproduktion von Rechnern für den Einstieg in das Computerzeitalter kommt die Frage nach den Konkurrenten auf. Man kann sie mit der überraschenden Erkenntnis beantworten, dass auf Platz 2 der Personal Computer Word Processor von Amstrad mit 8 Millionen Exemplaren steht, bei uns als Schneider Joyce bekannt.

Mit diesem Rechner stiegen Millionen von Anwendern in die ganz speziellen Freuden der Textverarbeitung ein, wie in der aktuellen c't retro beschrieben. Auf dem dritten Platz findet sich schließlich der Apple II mit den Modellen II bis IIgs und einer Gesamtstückzahl von 6,5 Millionen Exemplaren. Eine beachtliche Zahl für einen Rechner, der eigentlich als Flop startete und nur durch massives Marketing zu einem Erfolgsmodell wurde.

Dafür hält er einen anderen Rekord, den Steven Weyhrich in seinem Buch "Sophistication and Simplicity" über den Apple II ermittelt hat: Mit 17 bzw. 19 Jahren (mit den Boards für die Macs) ist er der am längsten gebaute Rechner. (axk)