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Zahlen, bitte! 150 Gigawatt Zubau an Anlagen für erneuerbare Energie

2015 errichtete die Welt erstmals mehr neue Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke als alle fossil oder nuklear befeuerten Anlagen zusammengenommen. 150 Gigawatt sollen es laut IEA gewesen sein.

Zahlen, bitte! 150 Gigawatt Zubau an Anlagen für erneuerbare Energie

Es könnte die erste gute Nachricht im Kampf gegen den Klimawandel sein: Erstmals sind weltweit 2015 mehr neue Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke entstanden als alle Anlagen zusammen, die auf fossile oder nukleare Energiequellen setzen. In ihrem World Energy Outlook spricht die Internationale Energieagentur IEA von 150 Gigawatt, zitiert das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

Die zweite gute Nachricht: Ende vergangenen Jahres stellte der Forschungsverbund Global Carbon Project seine Analyse der globalen CO2-Emissionen vor. Demzufolge nehmen sie seit drei Jahren trotz stetigen Wirtschaftswachstums praktisch nicht mehr zu. 2015 betrug der Anstieg nur noch 0,2 Prozent. Die neuen IEA-Zahlen legen nun nahe, dass auch ein Rückgang des Kohlendioxid-Ausstoßes in naher Zukunft möglich ist.

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Der IEA zufolge überflügeln auch die Investitionen in Erneuerbare jene in fossile Kraftwerke deutlich: 288 Milliarden Dollar flossen in Solar- oder Windkraftanlagen – und damit 70 Prozent aller Investitionen im Stromsektor. "Für die kommenden 25 Jahre sehen wir Erdgas, aber besonders auch Wind und Solar als die neuen Champions", kommentiert IEA-Direktor Fatih Birol.

Der Grund sind massiv gesunkene Preise. "Weltweit sind die Kosten der grünen Technologien drastisch gefallen", sagt Adnan Z. Amin, Direktor der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) gegenüber Technology Review. Allein die Solarstromerzeugung über Photovoltaik sei heute 80 Prozent günstiger als noch vor sieben Jahren. Preise für Windstrom fielen im gleichen Zeitraum um ein Drittel. "In vielen Ländern ist Strom aus erneuerbaren Quellen bereits der günstigste, der ins Stromnetz eingespeist wird", sagt der Irena-Direktor.

Die Prognosen des World Energy Outlook für 2040: Erdgas und Energie aus erneuerbaren Quellen sind die Gewinner beim Wettlauf, das Wachstum am Energiebedarf zu decken.

(Bild: International Energy Agency)

Für eine wirkliche Umweltwende reicht diese Entwicklung indes noch nicht.

  1. Der Zuwachs geht nach wie vor zu langsam. Sollten alle Staaten ihre bisher verkündeten Klimaschutzpläne umsetzen, würde die Erde nach Abschätzung der IEA 2,7 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitalter. Das angestrebte Ziel von zwei Grad würde deutlich verfehlt.

  2. Es fehlen nach wie vor wirtschaftliche Möglichkeiten, um Strom längerfristig zu speichern. Immer wieder müssen daher fossile Kraftwerke einspringen, der CO2-Ausstoß sinkt also noch nicht in gleichem Maße wie der Zubau der Erneuerbaren steigt.

  3. Die Energiepolitik von US-Präsident Donald Trump könnte die Entwicklung bremsen. Aussagen zur Zukunft der Kohle in den USA auf der Webseite des Weißen Hauses jedenfalls deuten darauf hin.

(Jan Oliver Löfken) / (jle)

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