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Zahlen, bitte! 37 Prozent aller gekauften Spiele bleiben ungespielt

Zumindest 37 Prozent aller bei Steam registrierten Games werden nie angefasst. Die vergammeln in der Steam-Bibliothek des Besitzers. Viele wurden trotz Kaufs sogar noch nie heruntergeladen und gestartet.

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Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und natürlich der Mathematik vor.

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Die Spieleplattform Steam deckt mit ihrem riesigen Angebot circa 70 bis 75 Prozent des US-amerikanischen Gaming-Marktes ab. Steam-Nutzer haben weltweit insgesamt gut 780.000.000 Spiele in ihren Bibliotheken registriert. 37 Prozent davon wurden allerdings noch nie gestartet. Diese nie angefassten, digital eingestaubten Spiele heißen liebevoll auch "Pile of Shame" – Haufen der Schande.

Ob Steam Summer Sale, ein weiteres Humble Bundle oder andere Angebote, eigentlich steht IMMER ein Sale ins Haus: "Kaufe drei Games zum Spottpreis, und bekomme zwei noch kostenlos dazu" – "AAA-Titel im Summer Sale 90 Prozent reduziert" – auch bei den virtuellen Angeboten können viele nicht nein sagen; oft einfach nur um des Deals willen. Laut einer Umfrage von Kotaku, die 1400 Gamer befragte, freuen sich 79 Prozent der Videospieler darüber, wenn sie ein Schnäppchen abgreifen – auch wenn es dabei um ein Spiel geht, das gar nicht zum eigenen Spiel-Geschmack passt.

Gratisspiele, Gelegenheitskäufe bei Sales und dergleichen mehr sorgen dafür, dass auch immer wieder Spiele in der Steam-Bibliothek landen, die man entweder gar nicht, oder "irgendwann unbedingt mal" spielen möchte – es aber nie tut. Laut einer Studie von Ars Technica, die sich auf Steam-Statistiken stützt, macht dieser Backlog mehr als ein gutes Drittel aller registrierten Spiele in den Steam-Bibliotheken aller Nutzer aus. Welche Spiele sind diese hässlichen Entlein? Und warum werden sie so selten gespielt?

Die am häufigsten besessenen Spiele bei Steam – gespielt vs. ungespielt.

(Bild: Ars Technica )

Ars Technica identifizierten in ihrer Studie einige Top-Kandidaten, die ein Großteil aller Spieler in ihrem Backlog und Haufen der Schande hat. Abgleichen lassen sich diese Daten gut mithilfe des Analyse-Portals Steamspy, das Steam-Daten in Echtzeit ausliest. Hier finden sich einigermaßen verlässliche Zahlen zu Besitzern eines Spiels, sowie der tatsächlichen Spielerzahl – diese gehen eben genau bei den "Backlog-Games" stark auseinander. In der Tabelle finden sich einige der Games, die fast jeder hat, aber kaum jemand spielt.

Die ersten sechs Einträge stammen von Steam-Macher Valve, die weiteren von anderen großen Publishern. Keins der Spiele ist ein Free-to-Play-Titel und wurden von vielen Millionen Spielern kostenpflichtig erworben. Zu beachten ist jedoch, dass viele der Games in Sales oder Bundles für nur wenige Euro, in Promo-Zeiträumen sogar kostenlos zu haben waren und sind.

Titel Besitzer Spieler Backlog
Half-Life 2: Lost Coast 14.000.000 2.800.000 81%
Half-Life 2 9.500.000 5.400.000 43%
Counter-Strike 12.600.000 8.800.000 30%
Left 4 Dead 4.200.000 3.000.000 29%
Counter-Strike: Source 14.900.000 11.000.000 26%
Portal 2 8.000.000 6.700.000 17%
Metro 2033 4.600.000 3.000.000 35%
Saints Row: The Third 3.700.000 3.000.000 20%
GTA IV 3.900.000 3.300.000 15%
Borderlands 2 6.300.000 5.700.000 10%
The Elder Scrolls: Skyrim 10.600.000 10.100.000 5%
Sid Meier's Civilization V 8.800.000 8.300.000 5%

Dennoch zeigen die Zahlen, dass beispielsweise nahezu die Hälfte aller Besitzer des preisgekrönten Egoshooters Half-Life 2 diesen noch nie gestartet habt. Metro 2033 ist ein weiterer AAA-Titel – trotz guter Bewertungen und allgemeiner Beliebtheit vergammelt er jedoch auf über einem Drittel aller Rechner. Andere Publikumslieblinge wie der RPG-Shooter Borderlands 2, die Gangster-Simulation GTA IV oder das Fantasy-Epos The Elder Scrolls: Skyrim haben einen verhältnismäßig kleinen Backlog von 15, zehn, beziehungsweise fünf Prozent. Aufgrund der hohen Zahl an Besitzern heißt das dennoch, dass zwischen 500.000 und 1.000.000 Exemplare der Games ungespielt bleiben. Wie der Macher der Kotaku-Umfrage – selbst Spieleentwickler – schreibt: So stellen sich Spielemacher das eigentlich nicht vor. Im Schnitt zwei Jahre mit Schweiß, Blut und Inbrunst an einem Game zu arbeiten, nur damit es dann in Backlogs vergammelt... unbefriedigend.

Ökonomisch funktioniert das Prinzip jedoch: So stehen laut Ars Technica nur 110 der 2750 analysierten Spiele für die Hälfte des Umsatzes. Der Rest (2640 Stück!) macht als Kleinvieh aber auch Mist. Ganz besonders in Bundles und Sales, bei denen die Spiele zu Schleuderpreisen auch lange Zeit nach erstmaligem Release zu haben sind, greifen Sammler nochmal zu. Gerade für kleinere oder Indie-Entwickler kommen große Teile des Gesamtumsatzes aus Sales, und auch größere Publisher machen aufgrund hoher Verkaufszahlen noch lange Zeit nach der Erstveröffentlichung ordentlich Knete.

Bei der Kotaku-Umfrage konnten sich die Befragten selbst als Spieler oder als Sammler einstufen. Etwa ein Drittel stufte sich als Sammler ein. Die kaufen nur zehn Prozent ihrer Games neu (also zum Vollpreis). Bei Nicht-Sammlern sind es immerhin 20 Prozent Vollpreis-Käufe. Das bedeutet so oder so, dass der Großteil aller Spiele erst später und zu reduzierten Preisen in Bundles oder Sales gekauft werden.

Gespielt werden laut der Kotaku-Umfrage von all diesen Spiele auch wieder nur etwa 40 Prozent (Gamer) bis 60 Prozent (Sammler). Das kommt den in der Ars-Technica-Studie ermittelten 37 Prozent der Backlog-Spiele schon ziemlich nahe. Auch ein Blick in unser Heise-Download-Team spiegelt das verhältnismäßig gut wieder: Der Steam-Backlog von vier unserer Zocker bewegt sich zwischen sieben und 52 Prozent; gemittelt ergibt sich ein Wert von knapp 30 Prozent.

Es schlummern garantiert noch viele spielenswerte Games in den Steam-Bibliotheken der Zocker. Verschiedene Online-Services können dabei helfen, sich nach und nach durch den eigenen Backlog zu arbeiten. So zeigt etwa das kleine Online-Tool Steamleft, wie lange man noch braucht, um sich durch den kompletten, eigenen Backlog zu spielen – und was man in dieser Zeit stattdessen machen könnte. Die Info-Plattform SteamCompletionist spuckt darüber hinaus genaue Daten zu den einzelnen Games eines Spielers aus. Beide Dienste erfordern einen Login mit gültigen Steam-Nutzerdaten. Dem Abbau des Pile of Shame steht nun also nur noch der eigene Schweinehund im Weg – und der nächste Steam-Sale.

Siehe dazu auch:

(vza)