Menü

Zahlen, bitte! 596 Kilometer: ein kurzes Date mit Halley

ESA-Sonde Giotto ging mit nur 596 km Distanz auf Tuchfühlung mit dem Halleyschen Kometen und zeigte neben wertvollen Ergebnissen auch echte Nehmerqualitäten.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 13 Beiträge
Von

Inhaltsverzeichnis

Über die Jahrtausende galt die Erscheinung des Halleyschen Kometen als einer der beeindruckensten und gefürchtetsten Himmelsereignisse. Bei dessen Ankunft 1986 empfingen ihn hingegen nicht verängstigte Bürger, sondern vor allem ein Begrüßungskomitee aus fünf Sonden. Die riskanteste und erfolgreichste Mission kam dabei aus Europa.

Kometen waren erst seit dem 18 Jahrhundert als wiederkehrende Himmelskörper bekannt. Davor galten Kometen oft als gefürchtete Vorboten von Unglücken, die sich scheinbar völlig entkoppelt von der Ordnung der anderen Himmelskörper bewegten und von zornigen Mächten geschickt wurden.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

mehr anzeigen

Mit Kometensichtungen wurden beispielsweise militärische Niederlagen und Unglücke verbunden. Bekanntestes Beispiel ist sicherlich der sogenannte Komet Caeser, der zum Zeitpunkt der Ermordung Julius Caesars 44 vor Christus am Himmel erschien und von zeitgenössischen Quellen als Vergöttlichung der Seele Julius Caesars interpretiert wurde.

Der Vesuvausbruch 79 n. Chr. sowie die große Niederlage der Angelsachsen gegen die Normannen im Jahr 1066 wurden jeweils von Kometenerscheinungen begleitet, letztere sogar durch den Kometen Halley. Auch das Lukas-Evangelieum lieferte neuen Stoff für die Theorie des "Zorn Gottes", die beim Auftreten eines Kometen im Jahr 1618 und dem damaligen fast zeitgleichen Beginn des dreißigjährigen Krieges scheinbar bewiesen wurde.

Namensgebend für die Giotto-Sonde: Adorazione dei Magi von Giotto di Bondone, um 1305. Als Stern von Bethlehem hat er hier höchstwahrscheinlich den Halleyschen Kometen illustriert.

Diesem Aberglauben widersetzte sich allmählich die Wissenschaft. Bereits im Jahr 1577 erkannten der dänische Astronomon Tycho Brahe und dessen deutscher Kollege Michael Mästlin, dass Kometen echte Himmelkörper sein müssen und keine Erscheinungen innerhalb der Atmosphäre sein können.

Über diese Frage gerieten damals viele Gelehrte in Streit. Und erst mit dem britischen Astronom Edmond Halley kam 1705 der entscheidende Impuls in diese Frage: Durch seinen Freund Isaac Newton unterstützt, verglich er die Kometensichtungen der vergangenen Jahrhunderte mit einem 1682 durch den sächsischen Bauern und Astronomen Christoph Arnold entdeckten Kometen.

Zahlen, Bitte! Die Giotto-Sonde

Startmasse:
960 Kilogramm

Dimensionen:
1, 1 m x 1,1m x 1,85m

Relativgeschwindigkeit zum Halleyschen Kometen:
68,7 km/s
247320 km/h

Missionsdauer:
7 Jahre, 21 Tage

Ergebnisse:

Ungefähre Maße Halleyscher Komet:
15,3 km × 7,2 km × 7,2 km

Zusammensetzung Schweif Halley:

80% Wasser
10% Kohlenmonoxid
2% Methan
2% Formaldehyd
1,5% Kohlendioxid
1% Stickstoff

mehr anzeigen

Halley erkannte, dass sich die Flugbahnen zweier weiterer Kometen mit von Arnold entdeckten ähnelten, außerdem war die Periodik von im Schnitt 75 Jahren augenfällig. Somit sagte er in seiner wissenschaftlichen Abhandlung "A synopsis of the astronomy of comets" für 1758 das nächste Erscheinen des Kometen voraus. Diese Vorhersage traf auch ein, sodass der bereits 1742 verstorbene Edmond Halley posthum Namensgeber für den Halleyschen Kometen wurde und nebenbei auch einen Nachweis für die Newtonschen Gravitationsgesetze lieferte.

Rückblickend ließen sich über 25 zeitgenössische Sichtungen dem Halleyschen Kometen zuordnen. Gesichert bis 240 v. Chr, andere Quellen gehen sogar von Sichtungen bis 2467 v. Chr aus.

Sonde trifft zwei Kometen - die Rekordannäherungen von Giotto (7 Bilder)

Bildplatten-Reproduktion des Halleyschen Kometen von 1910.
(Bild: ESA)