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Technology Review

Zahlen, bitte! Autonomes Fahren mit 300 km/h

2017 fällt der Startschuss: Im "Roborace" sollen autonome Rennwagen gegeneinander antreten. Mit bis zu 300 km/h sollen sie die wohl schnellsten selbstfahrenden Autos sein.

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Zahlen, bitte! Mit 300 km/h im autonomen Rennwagen

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und natürlich der Mathematik vor.

Zehn Teams, je zwei Autos und Software - das die Zutaten für das 2017 geplante "Roborace". Auf den Rennstrecken der Formel-E sollen autonome Elektrorenner – gesteuert von Software – gegeneinander antreten. Dabei beschleunigen sie bis auf 300 Kilometer pro Stunde. Auf dem Siegertreppchen landen die besten Algorithmen. So stellen sich Investoren und Entwickler das Event vor.

Gefragt ist nicht menschliche Fahrkunst, sondern menschliche Geisteskraft: Welches Team entwickelt die besten Algorithmen, um das Auto zu steuern? Die Rennwagen selbst sehen aus, als kämen sie gerade aus einem Science-Fiction-Hollywoodset. Das konzeptionelle Design präsentiert einen völlig neuen Typ Rennwagen: angefangen bei der geöffneten Front bis hin zum Heck ohne Spoiler. Auch ein Cockpit gibt es nicht. Es ist kein Zufall, dass die Robocars an die futuristischen Light-Runner-Autos des Kinoerfolgs "Tron" erinnern. Denn die Fahrzeuge im Hollywoodstreifen wurden von Daniel Simon designt, der nun als Chef-Konzeptdesigner von Roborace "alle Möglichkeiten ausschöpfen will, die bei einem Rennwagen ohne Fahrgastzelle drin sind".

Hier findet kein Fahrer mehr Platz: Die von Algorithmen gesteuerten Robocars sollen sich – geht es nach ihren Entwicklern – bald spannende Rennen liefern.

(Bild: Roborace/David Simon)

Das Gehirn für jeden der 4,8 Meter langen und zwei Meter breiten E-Racer will das US-Unternehmen Nvidia liefern. Der weltweite Marktführer für Grafik und Visualisierung bei Computerchips will unter der Haube einen "Drive PX2"-Computer zum Einsatz bringen, den derzeit schnellsten Rechner für künstliche Intelligenz. Eigens für autonomes Fahren entwickelt, hat er nur die Größe einer Zigarrenkiste, aber eine Rechenleistung von 150 Mac Books Pro. Herzstück des Robocar-Gehirns sind zwei Grafikprozessoren, die bis zu 24 Billionen Operationen pro Sekunde berechnen können.

Zwar haben sich bislang noch keine Teams für die Meisterschaft eingeschrieben, doch die Roborace-Mannschaft lässt sich davon nicht aus der Spur bringen: Nach geheimen Tests stellte sie Ende August auf dem Donington Park Circuit DevBot vor. Der Robocar-Vorläufer besitzt, anders als das geplante Endprodukt, noch eine Fahrerkabine, kann also von einem Piloten ebenso wie vom Rechner gesteuert werden. Er ist aber mit der gleichen IT und Kommunikationstechnologie ausgestattet. Mit dem Fahrzeug sollen die Teams ihre Software selbst testen können. In Donington drehte der DevBot zwar 30 Minuten lang seine Runden. Doch die Geschwindigkeit blieb mit rund 120 Kilometer pro Stunde weit unter der 300-km/h-Vision.

Roborace

Mehr zum aktuellen Forschungsstand bei autonomen Autos lesen Sie in der neuen Ausgabe Technology Review (im Handel und im heise shop erhältlich). (jle)

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