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Zahlen, bitte! Deutsche gucken noch immer Tag für Tag 223 Minuten fern

Glotze an, Partyhüte raus, heute feiern wir den Welttag des Fernsehens. Und nein, liebe Foristen, dabei handelt es sich um keine Postillon-Meldung, sondern um einen kuriosen Feiertag, der von einer sehr prominenten Organisation ins Leben gerufen wurde.

Zahlen, bitte: 223 Minuten glotzen die Deutschen täglich fern - immer noch

Fernsehstandgerät FE855K „Forum“ VEB Rafena-Werke Radeberg, DDR 1960.

(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003 / CC-BY-SA 3.0)

Was wie eine gemeinsame Erfindung von privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Sendern klingt, stammt tatsächlich aus der Feder der Vereinten Nationen. Vor bald 21 Jahren, am 17.12.1996, rief die Generalversammlung der UNO den 21. November zum Welttag des Fernsehens aus.

Das geschah zum einen, um an das erste Weltfernsehforum zu erinnern, das am 21.11.1996 in Italien stattfand. Dort beriet die UNO mit führenden Medien-Vertretern aus der TV-Branche über die Zukunft des Fernsehens. Ein weiterer Beweggrund war, die Mitgliedsstaaten zum interkulturellen Austausch von TV-Formaten zu den Themen Wirtschaft, Frieden und Sicherheit anzuregen, wie es auf Seite zwei der UNO-Resolution A/RES/51/205 heißt:

"… invites all Member States to observe World Television Day by encouraging global exchanges of television programmes focusing, among other things, on such issues as peace, security, economic and social development and the enhancement of cultural exchange; ..."

Als der "World Television Day" ausgerufen wurde, war das Internet noch eine Randerscheinung, die bei den meisten per Modem und Netscape Navigator über den Röhrenmonitor ruckelte. Damals ahnte nur ein kleiner Teil der Menschheit, dass aus krachfiepsenden Einwahlgeräuschen, stockendem Bildaufbau und GIF-verseuchten Geocities-Seiten irgendwann mal ein alternativer Verbreitungsweg für TV-Inhalte abseits des klassischen Fernsehens erwachsen könnte.

Hier knüpfen Erhebungen des Branchenverbandes Bitkom an. Sie sprechen dafür, dass sich das lineare Fernsehen auf dem Rückzug befindet. Das Streamen von TV-Inhalten auf Smartphone, Tablet und PC hingegen gewinnt an Bedeutung: Laut Umfrage kann sich inzwischen rund jeder vierte Streaming-Nutzer ein Leben ohne lineares Fernsehen vorstellen – 2014 lag der Anteil bei lediglich 18 Prozent, 1996 dürfte eine solche Vorstellung für die meisten Medienkonsumenten noch undenkbar gewesen sein.

Diese Entwicklung heißt aber nicht, dass der Fernsehkonsum generell zurückgeht. Dieser stagniert seit Jahren auf hohem Niveau: 2016 sah der Durchschnittsdeutsche laut Statista täglich 223 Minuten fern; das war bereits schon 2010 so, dazwischen gab es nur wenig Bewegung bei der täglichen Nutzungsdauer. Hier würden uns Ihre Erfahrungen und Einschätzungen interessieren – nutzen Sie inzwischen vermehrt Mediatheken und Live-Streming oder lebt die klassische 20:15-Einschalt-Tradition bei Ihnen fort?

Die Zahlen zeigen: Der Welttag des Fernsehens ist keineswegs ein alter Hut, sondern erfreut sich nach wie vor aktueller Bedeutung. Nur sollte die UNO vielleicht mal über eine Umbenennung in "World Television and Streaming Day" oder Ähnliches nachdenken, das würde der Sache inzwischen doch gerechter. Hat vielleicht jemand die Nummer von António Guterres parat?

Zum Welttag des Fernsehens ein denkwürdiger Moment des deutschen Fernsehens.

(mre)

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