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Zahlen, bitte! Mit 34,5 Millionen Newton bis zum Mond

Die erste bemannte Mondlandung war nur möglich dank der stärksten Trägerrakete überhaupt. Die Leistungsfähigkeit der Saturn V wurde noch nicht wieder erreicht.

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Am 16. Juli 1969 war es soweit: Apollo 11 brach zur ersten Mondlandung auf - und am 20. Juli landete die Mondfähre Eagle mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond, während Michael Collins in der Apollo-Kapsel den Mond umkreiste. Am 21. Juli setzte dann Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. In einem Schwerpunkt zur Mondlandung beleuchtet heise online die Ereignisse rund um die Apollo-Missionen.

Für die ersten bemannten Missionen zum Mond war eine wahrhaft gigantische Rakete nötig – und genau die lieferte das Team um den deutschen Raketenpionier Wernher von Braun mit der Saturn V. Die nach dem sechsten Planeten des Sonnensystems benannte Rakete ist auch 50 Jahre nach Apollo 11 die einzige, die Menschen über eine niedrige Erdumlaufbahn hinaus ins All befördert hat. Eine stärkere Trägerrakete wurde nie gestartet und erst seit wenigen Jahren gibt es überhaupt wieder Pläne für ähnlich leistungsfähige Nachfolger.

Der Start der Saturn V zur Apollo-11-Mission.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

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Der ehemalige SS-Sturmbannführer von Braun forschte erst für das Dritte Reich an Raketentechnik und hat sich dann in den Dienst der Vereinigten Staaten gestellt. Mit seinem Team hatte er für die US-Armee die erste ballistische Rakete der USA entwickelt – die Redstone. Es folgte die ebenfalls fürs Militär entwickelte Jupiter-Rakete, auf die dann für die inzwischen gegründete NASA die Saturn-Raketen folgten – benannt einfach nach dem auf Jupiter folgenden Planeten, wie von Braun später erklärte.

Die Saturn V (18 Bilder)

Apollo 12 vor dem Ausrollen
(Bild: NASA)

Die ersten beiden Saturn-Raketen – Saturn I und Saturn IB – waren nicht leistungsfähig genug für Mondflüge und wurden für Tests in der Erdumlaufbahn genutzt, bis es bei Apollo 1 zur Katastrophe kam: Drei Astronauten starben, als ihre Raumkapsel Feuer fing. Die nächsten unbemannten Missionen Apollo 4 und 6 wurden mit einer Saturn V gestartet, die kuriose Apollo 7 als erste bemannte Mission noch einmal mit einer Saturn IB. Apollo 8 war dann der erste bemannte Start einer Saturn V, zwei weitere sollten vor der historischen Apollo 11 folgen. Weitere Saturn V schickten Apollo 12, 14, 15, 16 und 17 zum Mond, die Crew von Apollo 13 startet zwar, landete aber nicht auf dem Erdtrabanten. Die letzte Saturn V startete 1973 noch einmal ohne Besatzung an Bord: Sie transportierte das Skylab ins All.

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Insgesamt transportiere die Saturn V 24 Menschen zum Mond, von denen 12 die Oberfläche erreichten. Ermöglicht wurde diese durch die gigantischen Ausmaße der Rakete. Sie war 111 Meter hoch und damit in etwa so hoch wie die Elbphilharmonie in Hamburg – noch heute sind lediglich 53 Hochhäuser in Deutschland höher als die Saturn V. Vor dem Start wog die Riesenrakete 2800 Tonnen, danach erzeugte sie eine Kraft von 34,5 Millionen Newton. Das reicht um 130 Tonnen in die Erdumlaufbahn zu schießen und 50 Tonnen zum Mond. Die erste Stufe hievte die Nutzlast auf eine Höhe von 68 Kilometern, die zweite dann in den Orbit und die dritte schließlich zum Mond.

Eine der Saturn V auch nur ansatzweise vergleichbare Trägerrakete ist derzeit nirgendwo im Einsatz. Die Falcon Heavy von SpaceX soll einmal mehr als 60 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit (LEO) befördern können, hat das aber noch nicht unter Beweis gestellt. Die Delta IV Heavy von Lockheed Martin und Boeing kommt hier nominell nur auf fast 30 Tonnen, hat aber immerhin schon deutlich schwerere Lasten ins All befördert als die Falcon Heavy. Noch in der Entwicklung befindet sich das Space Launch System (SLS) der NASA, die Langer Marsch 9 und die Super Heavy von SpaceX, die alle wieder in Nutzlastbereiche der Saturn V vordringen sollen. Noch ist diese angekündigte Rückkehr zu bereits erreichter Stärke aber nicht mehr als Zukunftsmusik.

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(mho)