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Zahlen, bitte! Virtuelles Wasser in der Technik

Heute ist Weltwassertag. Ein guter Anlass, zu beleuchten, wie Technik und Wasser, die ja eher ein antagonistisches Verhältnis zueinander pflegen, miteinander verbunden sind.

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20.000 Liter virtuelles Wasser – so viel steckt in einem einzigen Computer. Abgesehen davon, dass man Computer normalerweise nicht mit Wasser in Verbindung bringt (oder bringen sollte) – ist das nun viel oder wenig? Zum Vergleich: Für die Produktion einer Packung Kopierpapier (500 Blatt à DIN A4) müssen 5000 Liter Wasser fließen, für ein Kilogramm Rindfleisch mindestens 15.500 Liter.

Wasser im Computer oder Smartphone im Wasser ist in der Regel ein Indiz dafür, dass die Technik ab jetzt unbenutzbar sein wird. Virtuelles Wasser in PC und Smartphone hingegen vermittelt einen Eindruck davon, wie viel von dem raren Gut von der Planung bis zum fertigen Produkt aufgewendet werden musste.

Virtuelles oder auch latentes Wasser ist die Wassermenge, die nach einer umfassenden Analyse einem Produkt bei der Herstellung zugeordnet werden kann. In den USA sind das etwa 100 Liter pro Dollar, in Westeuropa rund 50 Liter und bei Produkten aus Asien etwa 20 Liter virtuelles Wasser.

Es fließen unterschiedliche Arten virtuellen Wassers in die Berechnung ein, je nach Herkunft und Art der Wasserzufuhr.

Dabei werden verschiedene Typen virtuellen Wassers unterschieden: Grünes virtuelles Wasser stammt aus Niederschlag und natürlicher Bodenfeuchte. Blaues virtuelles Wasser wird für Bewässerung verwendet. Graues virtuelles Wasser meint Wasser, das durch eine Beeinträchtigung bei seiner Nutzung nur bedingt wiederverwendet werden kann.

Ziel der Aufschlüsselung des Wasserverbrauchs ist es, eine transparente Bilanzierung des Wasserverbrauchs zu haben und zukünftiger Wasserknappheit durch sensiblen Umgang mit ebendiesem zu entgegenzuwirken.

Während ein Blatt Papier rund 10 Liter virtuelles Wasser verbraucht, kommt ein einziger Mikrochip auf 32 Liter. Einer Tasse Kaffee am Tag gehen 140 Liter voraus und für die Produktion eines Smartphones müssen schon 910 Liter virtuelles Wasser aufgewendet werden. Eine ganze Platine benötigt 4165 Liter. Spitzenreiter der Technikprodukte ist jedoch der Computer. Der Herstellungsaufwand in virtuellem Wasser beträgt 20.000 Liter oder über 142 Standardbadewannen (à 140 Liter) .

Inforgrafik zu virtuellem Wasserverbauch für Technikprodukte wie Smartphone und Computer

Wasser wird für den gesamten Herstellungsprozess benötigt. Bei Smartphones bedeutet das, dass vom Backen der Mikrochips, über das Formen und Fertigen der Metalle und anderer Rohstoffe über die Herstellung der Batterien bis zum Polieren des Touchscreens Wasser fließt, insgesamt 910 l.

Folgt man nun der Prognose, dass die Zahl aktivierter Mobiltelefone in Kürze die der Weltbevölkerung überschreiten wird, ergeben sich 6,7 Billionen Liter Wasser, die für ihre Herstellung eingesetzt wurden. Die Umrechnung in Badewannen spare ich mir hier lieber.

In Deutschland werden pro Einwohner pro Jahr etwa 1.545 m³ (oder 1.545.000 Liter) virtuelles Wasser genutzt. In den USA verbraucht jede Person pro Jahr sogar 2.483 m³. In Japan sind es 1.153 m³ und in China sogar nur 702 m³. Übrigens: Während Deutschland bei anderen Gütern Exportweltmeister ist, sieht es beim virtuellen Wasser anders aus: Hier wird mehr im- als exportiert.

Deutschland liegt beim Verbrauch von latentem Wasser in der oberen Hälfte. Ursächlich dafür ist der hohe Konsum von Industrieprodukten und Fleisch, die einen hohen Wasserbedarf bei der Herstellung erfordern.

Der 22. März ist seit 1993 der von der UNESCO gefeierte Weltwassertag. Er steht jedes Jahr unter einem anderen Motto und soll auf die Wasserknappheit auf dieser Welt aufmerksam machen. "Wasser und Arbeitsplätze" ist das Motto des diesjährigen Weltwassertags. (aks)