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Zahlen, bitte! Vom Recht des Volkes auf eine neue Regierung

Es geschah am 2.7. (July 2nd, 1776), was heute am 4.7. gefeiert wird: Die Erklärung, dass alle Menschen gleich erschaffen sind und unveräußerliche Rechte haben.

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Heute vor 243 Jahren unterschrieben zwölf von 13 Kolonialstaaten als Repräsentanten der Vereinigten Staaten von Amerika die Unabhängigkeitserklärung, mit der sich die USA von Großbritannien lossagte. Der Feiertag liegt jedoch am 4. Juli, wenn in diesem Jahr eine der Maschinen namens Air Force One zusammen mit den Blue Angels über Washington zieht.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

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Die erste Unabhängigkeitserklärung der USA wurde am 7. Juni 1776 von Richard Henry Lee, dem Delegierten von Virginia und dem Vorsitzenden des Kongresses geschrieben. Sie blieb dann ein paar Wochen liegen, weil Lee zu seiner kranken Frau reiste und wurde schließlich von Thomas Jefferson in die heute bekannte elegante Form gebracht.

Sie wurde am 2. Juli 1776 verabschiedet und liest sich in der zeitgenössischen Übersetzung so: "Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; daß sobald einige Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist sie zu verändern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solche Grundsätze gegründet, und deren Macht und Gewalt solchergestalt gebildet wird, als ihnen zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Glückseligkeit am schicklichsten zu seyn dünket."

Wir sehen: Der Grundgedanke, der später im Jahre 1787 die US-Verfassung prägen sollte, ist bereits in der Jeffersonschen Fassung der Erklärung vorhanden und geht klar über die Ziele hinaus, die die Vertreter der aufständischen Kolonien in der amerikanischen Revolution am Anfang formulierten. Einen großen Anteil daran hatte Thomas Paine, dessen Schrift über den "Common Sense" die Amerikaner beflügelte. Dank Druckerpresse wurde sie so schnell verbreitet, dass jeder zweite Siedler sie gelesen haben soll. In ihr ist zum ersten Mal von den United States of America die Rede.

Die führenden Köpfe der Delegierten des Kongresses, Thomas Jefferson von Virginia und John Adams von Massachusetts, begrüßten Paines Schrift, auch wenn sie die Forderungen nach "Demokratie", die Paine im Text äußerte, nicht ganz geheuer fanden. Beide gehörten zu dem Komitee, das die Unabhängigkeitserklärung schlussendlich formulierte.

Adams schrieb beglückt an seine Frau Abigail: "Ich bin mir sicher dass dieser 2. Juli von kommenden Generationen gefeiert wird, mit Paraden und Feuerwerk, mit Kanonen und Glocken, von einem Ende dieses Kontinents bis zum anderen." Adams irrte sich, denn es wurde der 4. Juli, weil ein Punkt aus der Erklärung entfernt werden musste. Die Engländer und König Georg wegen Piraterie und Sklavenhandel anzuklagen, das ging nicht, wenn man selbst im Geschäft tätig war. So wurde ein leicht geänderter Text noch einmal am 4. Juli unterzeichnet und dieser Tag zum Independence Day erklärt.

Dieses Datum passt bestens in die Zahlenmystik, von den vier Elementen über die vier Himmelsrichtungen bis hin zu den vier Körpersäften und vier Jahreszeiten. Aber es geht noch weiter: Sowohl Thomas Jefferson und John Adams, der zweite und dritte Präsident der USA, starben beide am gleichen Tag, am 4. Juli 1826, als der 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung gefeiert wurde.

Seitdem ist dieser Tag, der 1870 zum Feiertag erklärt wurde, in den USA ein Heiligentag, ähnlich dem deutschen 4. Juli mit dem Wunder von Bern. An diesem Tag luden die US-Präsidenten die Bürger in ihre Häuser ein, es gab Feuerwerk und 13 Kanonenschüsse (für die 13 Gründungsstaaten) wurden abgefeuert. Nur ein Präsident verbrachte ihn mit Arbeit: John F. Kennedy erklärte ihn inmitten der Berlinkrise 1961 zum "holiday working day" – und musste doch erleben, dass im August 1961 in Berlin eine Mauer gebaut wurde.

Obwohl der 4. Juli ein ziviler und kein militärischer Feiertag ist, will der amtierende US-Präsident Donald Trump ihn mit einem militärischen Zeremoniell und einem "Salute to America" begehen. Trump beeindruckten 2017 die Feierlichkeiten, mit denen Frankreich am 14. Juli seine Unabhängigkeit zelebrierte. Seitdem wünscht er sich ein ähnliches Zeremoniell. (olb)