Zahlen, bitte! Z3 – eine Tonne Fortschritt

Heute vor 79 Jahren führte Konrad Zuse seine Rechenmaschine Z3 vor. Sie gilt als ältester Digitalcomputer, wurde aber 1943 bei einem Bombenangriff vernichtet.

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Konrad Zuse und Helmut Schreyer führten die von ihnen in der elterlichen Wohnung von Zuse gebaute Z3 vor. Fast alle Besucher kamen von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof, ein Teilnehmer von den Henschel-Flugzeugwerken. Ihnen wurde demonstriert, wie der Rechner die Grundrechenarten und das Wurzelziehen beherrschte.

Für Zuse war diese Vorführung des Versuchsmodells wichtig, da sie dazu führte, dass die DVL die Arbeit an den Folgemodellen S3 und Z4 unterstützte. Für die Z3 hatte die DVL einen Zuschuss von 25.000 Reichsmark gezahlt. Ein Bombenangriff im Jahre 1943 führte dazu, dass jeder Beweis für die Existenz des Rechners abseits der Konstruktionszeichnungen vernichtet wurde.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

Die vernichtete Z3 bestand aus zwei Metallschränken und einer Steuer- und Ausgabeeinheit. Im Jahre 1960 fertigten die Zuse-Werke einen Nachbau an, der 1967 auf der Weltausstellung in Montreal gezeigt wurde. Er steht heute im Deutschen Museum in München. Das Original bauten Konrad Zuse und Helmut Schreyer in der Wohnung von Zuses Eltern in der Berliner Methfesselstraße zusammen. Es soll eine Tonne schwer gewesen sein.

Die Z3 war die elektrische Version der mechanischen Rechenmaschine Z1. Sie besaß einem Rechenwerk mit 600 Relais und einen Speicher für 64 Wörter (rund 1600 Relais). Das Rechenprogramm wurde mit einem Handlocher auf acht Spuren in einen Filmstreifen eingestanzt und in einen Lochstreifenleser eingelegt. Die Zahlen wurden bei der Z3 über eine Tastatur eingegeben. Neben den Grundrechenarten beherrschte der Z3 das Wurzelziehen und die Multiplikation mit 2, 1/2, 10, 0,1 und -1, die als Rechenschritte jeweils fest verbaut waren. Der Z3 verbrauchte 4000 Watt und erreichte bei einer Taktfrequenz von 5,33 Hertz eine Rechengeschwindigkeit von 15 bis 20 Operationen pro Sekunde.

Im Gegensatz zur festverdrahteten S3, mit der in den Henschel-Werken berechnet wurde, wurde die Z3 niemals im Regelbetrieb eingesetzt, obwohl den Besuchern der Vorführung vor 79 Jahren die Bedeutung der Rechenmaschine klar war. Sie kamen von Vierjahresplan-Instituten.

Alfred Teichmann, Curt Schmieden und Philipp Mayer waren etwa bei der DVL mit Berechnungen von Tragflächen für den Bau von Flugzeugen und Flugbomben beschäftigt. Ein Grund war, dass allein Konrad Zuse den Rechner bedienen konnte. Er schrieb dazu in seinen Memoiren: "Die Z3 wurde während des Krieges mehreren Dienststellen vorgeführt; sie wurde indes nie im Routinebetrieb eingesetzt. Dazu wäre unter anderem meine Unabkömmlichkeitsstellung für diese Aufgabe nötig gewesen. Offiziell aber galt die Z3 nicht als dringlich. Sie wurde mehr oder weniger als Spielerei und als Privatvergnügen meiner Freunde und mir angesehen. Meine UK-Stellung galt nach wie vor ausschließlich für meine Tätigkeit als Statiker." Als Zuses Unabkömmlichkeit einmal aufgehoben und er eingezogen wurde, schrieb er: "Andere lassen die Familie zurück, ich die Z3."

Nach der Arbeit an der Z3 begann Zuse mit der Konstruktion der Z4, die in Göttingen 1945 fertiggestellt wurde. Mit vielen Teilen dieses Rechners konnte sich Zuse nach Süddeutschland absetzen und ihn 1950 an die ETH Zürich vermieten. Sie bildete somit den Grundstein für die Zuse KG. (kbe)