Zahlungssperren beim Crowdfunding: Paypal gelobt Besserung

In mehreren Fällen sperrte der Zahlungsdienst Crowdfunding-Projekten auf Indiegogo die eingeworbenen Spenden. Jetzt kündigt er an, seinen Umgang mit der Schwarmfinanzierung überdenken zu wollen.

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Der Zahlungsdienst Paypal will seinen Umgang mit Crowdfunding-Zahlungen überdenken und verbessern. So wurden allein in den vergangenen Wochen drei Fälle bekannt, in denen Paypal Gelder für erfolgreiche Crowdfunding-Projekte auf der Plattform Indiegogo sperrte. Derzeit führe das Unternehmen laut Mitteilung Gespräche mit den großen Plattformen für Schwarmfinanzierung, um einen sinnvollen Rahmen für die reibungslose Abwicklung zu finden. Bis eine Lösung gefunden sei, solle jeder Fall eigens von einem Senior Manager geprüft werden, bevor eine Sperre verhängt werde.

Anfang dieser Woche traf es die Spiele-Entwickler Nyu Media, die für ihr Projekt "Yatagarasu Attack on Cataclysm" ihr Funding-Ziel von 68.000 US-Dollar mit über 118.000 US-Dollar weit übertrafen. Paypal soll den Entwicklern mitgeteilt haben, nur bis zu 50 Prozent der Gelder weiterleiten zu wollen, bis das Spiel schließlich auf dem Markt komme. Die anderen 50 Prozent könnten dann nach Veröffentlichung des Spiels freigegeben werden, ferner müsse Nyu Media die Ausgaben bei der Produktion durch beglaubigte Quittungen belegen. Die Macher des Spiels bezeichneten es als sehr fragwürdig, Gelder, die zur Fertigstellung des Spiels gedacht sind, erst nach dessen Veröffentlichung freigeben zu wollen.

In der vergangenen Woche wurde Geld für das Crowdfunding-Projekt Mailpile gesperrt, das auf die Entwicklung eines sicheren Mailclients für verschlüsselte Kommunikation zielt. Hier wurden 45.000 US-Dollar an Schwarmgeldern auf einem Paypal-Konto eingefroren. In einem Blogbeitrag teilte einer der Mailpile-Macher mit, dass Paypal das Konto nur dann freigeben wolle, wenn Mailpile einen detaillierten Budgetplan für die Nutzung der Crowdfunding-Spenden liefere. Ansonsten würden die Gelder nur nach Veröffentlichung der Version 1.0 von Mailpile veröffentlicht.

Mitte August wiederum schien sich Paypal am Crowdfunding-Projekt GlassUp zu stören, einem geplanten Konkurrenzprodukt zur Datenbrille Google Glass. Die Macher konnten auf Indiegogo 100.000 US-Dollar von Unterstützern einwerben, als ihnen Paypal gegen Ende der Kampagnenlaufzeit schließlich das Konto sperrte. Auch in diesem Fall wollte der Bezahldienst offenbar die Konten erst freigegeben, wenn die Brille marktreif produziert sei. Auf Nachfragen der GlassUp-Macher war Paypal wohl zunächst lediglich bereit, kleine Summen auszuzahlen, sofern deren Nutzung für die Herstellung der Brille durch Quittungen belegt werde.

In allen drei Fällen entschied sich Paypal letztendlich, die Gelder wieder freizugeben, was möglicherweise durch die kritischen Berichte in der US-IT-Medien beschleunigt wurde. Paypal begründete die Probleme mit der relativen Neuheit der Schwarmfinanzierung, die noch offen für Missbrauch sei. Als eines der Probleme nennt das Unternehmen dabei die Unsicherheit vieler Unterstützer, was mit den gespendeten Geldern passiere. Auch wenn Paypal es nicht direkt ausspricht, dürfte es dem Dienst vor allem um mögliche Rückbuchungen gehen, die Nutzer veranlassen können. Würde ein Crowdfunding-Projekt das Schwarmgeld einfach verbraten, ohne das Versprochene zu liefern, könnte dann Paypal bei eventuellen Rückforderungen in der Pflicht stehen. (axk)