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Zalando: Kritik an Bewertungssoftware Zonar für Beschäftigte

Zalando setzt die Software Zonar ein, mit der sich Beschäftigte gegenseitig bewerten sollen. Doch Kritiker werfen dem Versandhändler "Stasi-Methoden" vor.

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(Bild: dpa, Oliver Berg/Archiv)

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Der Online-Versandhändler Zalando steht für seinen Einsatz der Personal-Bewertungssoftware Zonar in der Kritik. Wissenschaftler, Beschäftigte und die Gewerkschaft Verdi werfen dem Unternehmen vor, seine Mitarbeiter mit dem Scoring-Tool unter Druck zu setzen und ein Gefühl der permanenten Überwachung zu erzeugen. Zonar wird bei Zalando seit drei Jahren eingesetzt, um Bewertungen von Beschäftigten durch Kollegen und Vorgesetzte zu sammeln, aktuell nehmen nach Unternehmensangaben mehr als 5.000 der insgesamt 14.000 Beschäftigten daran teil.

Die Bewertungssoftware habe "Effekte wie eine Verschlechterung des Betriebsklimas, Stress und psychologische Belastungen auf Seiten der Beschäftigten", schreiben Philipp Staab und Sascha-Christopher Geschke von der Berliner Humboldt-Universität in einer Studie für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Beschäftigte seien dazu angehalten, die Leistung, Stärken und Schwächen ihrer Kollegen mithilfe von Zonar immer wieder in Echtzeit zu bewerten, darüber hinaus würden einige Mitarbeiter halbjährlich ausführlicher von Kollegen, Vorgesetzten und einem gesonderten Gremium beurteilt und anhand des daraus resultierenden Scores in drei Leistungsklassen eingeteilt. Wer für die ausführlichen Bewertungsrunden jeweils in Frage kommt, entscheiden sowohl Kollegen als auch Vorgesetzte.

Die Forscher zitieren in ihrer Studie, über die die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtete, Interviews mit anonymen Beschäftigten, die sich durch das Scoring-Tool ständig kontrolliert und überwacht fühlen. "Es ist eine 360-Grad-Überwachung, ich kann nicht einfach mal einen schlechten Tag haben", meint eine der befragten Beschäftigten. Ein weiterer findet es "unverschämt", dass die Firma Zonar als Tool zur Selbstoptimierung bewerbe, aber damit eigentlich ein "Kontrollsystem" schaffe: "Ich finde Zonar unmöglich. Eigentlich sind es Stasi-Methoden."

Für besonders problematisch hält die Studie zudem, dass das System unter Mitarbeiter auf derselben Hierarchieebene eine gegenseitige "permanente Leistungsüberwachung" erzeuge und die subjektiven Einschätzungen von Kollegen als vermeintlich objektiv verkaufe. Die Bewertungsskala und der auswertende Algorithmus von Zonar seien so angelegt, dass die höchste Leistungsstufe kaum zu erreichen sei und damit Lohnerhöhungen und Beförderungen "systematisch gering gehalten" würden.

Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiert aufbauend auf der Studie den Einsatz von Zonar. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte der Deutschen Presse-Agentur, digital gestützte Leistungskontrolle in Unternehmen wie Zalando münde für die Beschäftigten in Überwachung, Druck und Arbeitshetze. "Sie sind intransparent, setzen die Beschäftigten in permanente Konkurrenz zueinander, missachten den Datenschutz und dienen dem Unternehmen als billige Ausrede, warum man keine Tarifverträge abschließen will."

Zalando widerspricht den Vorwürfen in einer eigenen Pressemitteilung. "Diese Studie ist nicht repräsentativ", betont das Unternehmen, denn es seien nur zehn Beschäftigte befragt worden. "Bei Zalando ist Transparenz und eine offene Feedbackkultur seit jeher gelebte Realität." Über zwei Drittel der Beschäftigten würden einer internen Umfrage zufolge den deutschen Online-Modehändler als Arbeitgeber weiterempfehlen, der Einführung von Zonar habe der Betriebsrat zugestimmt. Darüber hinaus sei der Einsatz der Software DSGVO-konform. Auch die jährlichen Gehaltserhöhungen der Beschäftigten lägen über dem deutschen Durchschnitt.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte Zalando-Personalchefin Astrid Arndt zudem, früher habe allein die jeweilige Führungskraft entschieden, ob jemand befördert werde oder mehr Gehalt bekomme: "Jetzt fließt ein, wie Kollegen, firmeninterne Kunden und Führungskräfte über einen denken. Dieses System ist fairer als vorher."

Die Macher der Studie räumen zwar ein, dass die "Reichweite, Vollständigkeit und Generalisierbarkeit" ihrer zweijährigen Untersuchung "eingeschränkt" seien – das liege aber vor allem daran, dass das Management von Zalando nicht zu Befragungen zu den Absichten hinter Zonar bereit gewesen sei. Zalando selbst erklärt in der Pressemitteilung, bewusst nicht an der Studie teilgenommen zu haben, und wirft ihr "Einseitigkeit und mangelnde Neutralität" vor.

[Update, 20.11.2019, 13:35 Uhr]: Die Meldung wurde um eine Stellungnahme von Verdi ergänzt. (siko)