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Zedler-Medaille für Dagobert Duck

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Am Freitagabend wurden in der Goethe-Universität Frankfurt die Zedler-Medaillen verliehen. Mit dem Preis werden hervorragende Texte zu wissenschaftlichen Themen ausgezeichnet, die für die Online-Enzyklopädie Wikipedia erstellt wurden. Die Jury entschied sich für zwei sehr unterschiedliche Arbeiten: im geisteswissenschaftlichen Bereich landete ein Artikel über Dagobert Duck auf dem ersten Platz, im naturwissenschaftlichen Bereich siegte der Artikel über die Besselschen Elemente, die unter anderem zur Berechnung von Sonnenfinsternissen genutzt werden.

Die Zedler-Medaille wurde von Wikimedia Deutschland in Zusammenarbeit mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur sowie dem Verlag Spektrum der Wissenschaft zum vierten Mal verliehen. Der Preis soll auf der einen Seite für eine allgemeinverständliche Aufbereitung wissenschaftlicher Themen sorgen und auf der anderen Seite die Qualität der Wikipedia stärken.

Gewinner der Zedler-Medaille 2010: Jürgen Erbs für die Besselschen Elemente und Tobias Lutzi für Dagobert Duck

(Bild: Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL)

Die Preisträger im Artikel-Wettbewerb bekamen jeweils ein Preisgeld von 2000 Euro. Jürgen Erbs, der den Artikel über die Besselschen Elemente verfasst hatte, bedankte sich bei der Verleihung auch für die Unterstützung eines anonymen Nutzers, der ihn bei dem Schreiben des Artikels stark unterstützt habe: "Es gibt in der Wikipedia viel konstruktive Zusammenarbeit, nicht nur streitbare Artikel", sagte der Informatiker.

Beim erstmals veranstalteten Fotowettbewerb verlieh die Jury keinen ersten Preis – die Veranstalter zeigten sich von Anzahl und Qualität der Beiträge enttäuscht. Einen dritten Preis erhielt Muhammad Mahdi Karim für seine Illustration zur Technik Focus Stacking mit der aus unterschiedlich fokussierten Aufnahmen ein durchweg scharfes Bild generiert wird.

Welche Rolle Wikipedia in der heutigen Wissensgesellschaft spielen kann, war Thema einer Podiumsdiskussion. Der Mainzer Soziologe Stefan Hradil beklagte dabei, dass die Nutzung von Computern und Internet nicht etwa die gesellschaftlichen Differenzen verringert habe: "Der Computer hat die Wissensunterschiede vergrößert statt sie zu verkleinern". Zwar habe Wikipedia die Chance, Informationen und sogar Wissen zu verbreiten – wie das Medium genutzt werde sei jedoch stark millieu-abhängig.

Johannes Janicka, Professor für Energie- und Kraftwerkstechnik, forderte eine stärkere Beteiligung von Wissenschaftlern an gesellschaftlichen Debatten wie dem Streit um die zukünftige Energiepolitik. Problematisch dabei: "Die Zeiten, in denen man sagen kann, dass etwas wahr oder unwahr ist, sind leider vorbei". So stelle sich nicht die Frage, ob es einen Klimawandel gebe oder nicht, stattdessen könne man sich nur mit immer besseren Modellen an die Realität annähern.

Carsten Könneker, Chefredakteur Spektrum der Wissenschaft, forderte von den Forschern mehr Anstrengungen, ihr Wissen zu verbreiten: "Ein Wissenschaftler, der mit öffentlichen Geldern finanziert wird, sollte ein Mindestmaß an Arbeit investieren, um Wissen an die Gesellschaft zurückzugeben." In akademischen Karrieren werde solches Engagement bisher aber nicht gewürdigt: So würden für die Berufung an eine Universität nur die Beiträge berücksichtigt, die ein Wissenschaftler in Fachpublikationen veröffentlicht habe. (Torsten Kleinz) / (ps)

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