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Zehn Jahre Palm-PDAs

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Der erste Pilot mit Palms Führungsriege im Bild (von l. n. r.): Ed Colligan, Donna Dubinsky und Jeff Hawkins

Am 27. März 1996 kündigte das Unternehmen Palm Computing mit dem Pilot seinen ersten "Connected Organizer" an. Am achten April desselben Jahres wurden die ersten Palm Pilots an die Kunden verschickt.

Zu diesem Zeitpunkt existierte die Firma schon vier Jahre und war mittlerweile vom Modemhersteller U.S. Robotics aufgekauft worden. Vorher hatte sich die Firma an anderen Handheld-Projekten, wie dem Zoomer von Casio, beteiligt. Dieser erwies sich allerdings als Misserfolg, weil er zu groß, zu schwer und zu langsam war.

Also erarbeitete der Gründer von Palm Jeff Hawkins ein neues Konzept, das auch heute noch für die meisten Palms gilt. Der Rechner, den er entwickeln wollte, sollte weniger als 300 US-Dollar kosten, so einfach zu benutzen sein wie ein Filofax, seine Daten mit einem PC abgleichen und – das allerwichtigste – in jede Hemdtasche passen.

Das, was heute selbstverständlich klingt, schien damals unmöglich – vor allem, weil der Firma nur 27 Mitarbeiter und drei Millionen US-Dollar zur Verfügung standen, um dieses Ziel zu erreichen. Deshalb war die Übernahme durch U.S. Robotics im Jahre 1995 ein willkommener Schritt, brauchte Palm doch allein für die Produktion der ersten Geräte fünf Millionen US-Dollar flüssiges Kapital.

Obwohl der Palm Pilot weniger konnte als alle anderen damals erhältlichen Handheld-Computer, verkaufte U.S. Robotics allein in den ersten 18 Monaten eine Million Geräte. Besonders Nutzer, die wenig Ahnung von Computern hatten, gefiel die einfache Bedienung von Palm OS. Eine Sanduhr oder ein anderes Wartesymbol war in Palm OS nicht vorgesehen; wenn ein Programm den Nutzer zu lange warten ließ, musste der Code überarbeitet werden. Für flüssiges Arbeiten genügte ein Dragonball-Prozessor von Motorola mit 8 MHz nebst 512 KByte Hauptspeicher. Zwei AAA-Batterien reichten für tagelanges Arbeiten.

Mit der Fusion von U.S. Robotics und 3Com fiel auch Palm als Beigabe unter die Administration des Zusammenschlusses. Fortan zierte das 3Com-Logo die Palm-Organizer. Nach internen Streitigkeiten verließen die Palm-Gründer Ed Colligan, Donna Dubinsky und Jeff Hawkins das Unternehmen 1997, um ihre eigene Firma Handspring zu gründen, die ebenfalls Palm-OS-PDAs mit Erfolg anbot.

Einer der ersten Dummy-Entwürfe des Palm Pilot

Lange Zeit beherrschten Palm und Handspring mit ihren Organizern den Markt, verschliefen schließlich aber wichtige Trends wie Multimedia oder Mobilfunk. Palm beharrte auf seinem Prinzip "weniger ist mehr", übersah aber, dass die Hardware mittlerweile leistungsfähig genug für erweiterte Anwendungen war. Im Jahr 2002 gingen die Verkaufszahlen zurück, Konkurrent Microsoft holte mit seiner PDA-Plattform Pocket PC auf, die von Hause aus fit für Multimedia war. Palm musste dadurch teilweise Verluste hinnehmen und büßte die Marktführerschaft ein.

Durch eine Übersetzung von Palm OS für die im Vergleich zu den vormals verwendeten Dragonball-CPUs leistungsfähigeren ARM-Prozessoren wollte Palm wieder Boden gut machen und Palm-PDAs fit fürs Multimedia-Zeitalter machen. Smartphone-Know-how erwarb sich Palm mit dem Kauf von Handspring, deren Mitarbeiter bereits durch ihre Treos auf diesem Gebiet Erfahrung gesammelt hatten. Damit holte Palm auch Jeff Hawkins, Ed Colligan und Donna Dubinsky heim.

Mit dem Spin-Off der Palm-OS-Sparte im Jahre 2003 wollte man zudem für eine größere Verbreitung von Palm OS sorgen. Die Rechnung ging nicht auf und im Jahr 2005 wurde PalmSource vom japanischen Software-Entwickler Access aufgekauft.

Heute fährt Palm wieder Gewinne ein. Besonders die aktuelle Treo-Serie erweist sich als Zugpferd. Allein im vorigen Quartal konnte das Unternehmen über eine Million Smartphones absetzen, während der Markt mit PDAs ohne Mobilfunk weiterhin stagniert. In den USA kann Palm bei Smartphones einen Marktanteil von 30 Prozent für sich verbuchen, in Europa dominiert weiterhin Nokia den Smartphone-Markt.

Im Dezember 2005 stellte Palm das erste Treo-Smartphone mit Windows Mobile vor. Das Treo 700w zeigt, dass Palm zwar bislang vornehmlich auf Palm OS setzte, aber künftig nicht unbedingt auf dieses Betriebssystem festgelegt sein muss. Nach der Übernahme von PalmSource durch Access bleibt die Zukunft von Palm OS ungewiss, zumal PalmSource zunehmend auf Linux auch als Basis für ein PDA-Betriebssystem setzt, während Palm OS 6.1 "Cobalt" von den Hardwareherstellern weitgehend unbeachtet vor sich hindümpelt.

Das zehnjährige Jubiläum feiert Palm mit einer eignes dafür eingerichteten Webseite, auf der sich Nutzer über alle bislang erschienen PDAs des Unternehmens informieren und Interviews mit den Gründern anhören können. (dal)

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