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Zeitschriftenverleger: Mit Kooperationen und Hilfe der Politik gegen Facebook & Co.

Facebook, Google & Co bieten Medien neue Ausspielwege, aber das Geld verdienen vor allem die Internetriesen. Verleger setzen auf den Schulterschluss.

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Zeitschriftenverleger: Kooperationen und Hilfe der Politik nötig

(Bild: Andrys)

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) rechnet angesichts des Wettbewerbsdrucks verstärkt mit Kooperationen in der Branche. Dies werde bei der Vermarktung ebenso noch mehr passieren, wie es beim Vertrieb schon zu sehen sei, sagte Verbandspräsident Rudolf Thiemann am Donnerstag in München.

Thiemann lobte die heftig diskutierte EU-Urheberrechtsreform. "Das ist in der Tat ein großer Erfolg der Branche, für Verlage und Journalisten", sagte er beim Mediengipfel 2019 des Verbandes der Zeitungsverlage in Bayern (VZB).

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Die Politik warnte er, nun bereits wieder davon zu reden, die Ende März beschlossene EU-Richtlinie ohne die umstrittenen Uploadfilter für Netzinhalte umzusetzen. Der Verbandschef kritisierte "die Hasenfüßigkeit zahlreicher Politiker quer durch alle Parteien, speziell jetzt im Vorfeld der Europawahlen". Dies zeige zugleich, "welche Macht datengetriebene Großkonzerne auf den Willensbildungsprozess der Bevölkerung ausüben".

Auch die Erste Vorsitzende des VZB, Waltraut von Mengden, forderte für Chancengleichheit mit den Internetkonzernen etwa im Kampf um Werbeeinnahmen politische Unterstützung. "Nur durch den Schulterschluss der Verlagsmanager und in Zusammenarbeit mit der Politik haben wir eine faire Chance im Wettbewerb mit Google, Amazon, Facebook und Apple", sagte sie in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo (Zeitschriften & Digitales) sagte auch mit Blick auf die Übermacht der Internetriesen bei Werbeumsätzen: "Wenn sich dieser Negativtrend fortsetzt, werden wir ein Zeitschriftensterben haben und auch ein Sterben von regionalen Zeitungen." Verleger Lars Joachim Rose von der Mediengruppe Klambt sagte, die Zeit für Kooperationen in der Branche sei in vielen kaufmännischen Bereichen gekommen. "Wir müssen zusammenarbeiten."

VZB-Chefin von Mengden plädierte vor rund 200 Gästen zudem für mehr Einsatz bei der Medienerziehung in Schulen und Universitäten. Medienkompetenz sei angesichts der wachsenden Zahl an Kanälen und Angeboten sowie Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz ein Grundpfeiler für den Fortbestand der Demokratie.

Trotz aller Herausforderungen seien "gut gemachte, hochwertige und klar positionierte Magazine" auch heute erfolgreich, betonte von Mengden. "Das ist die Stunde für besten Journalismus." Der VZB zählt allein in Bayern knapp 100 Mitglieder aus den Bereichen Publikumstitel, Fachzeitschriften und konfessionelle Presse. (mho)