Menü
c't Magazin

Zeitung: Datenskandal bei Kabel Deutschland

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 141 Beiträge

Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) hat nach Informationen der WirtschaftsWoche für eine aggressive Telefonakquise in den vergangenen Monaten auch dubiose Callcenter mit Kundendaten versorgt, die nun illegal in Deutschland und im Ausland kursieren sollen. Um Millionen von Kabelnetzkunden anzurufen und für einen Internet- und Telefondienst zu gewinnen, habe Kabel Deutschland neben dem eigenen auch externe Callcenter beauftragt, heißt es bei der Wirtschaftszeitung. Weil diese den Großauftrag nicht alleine hätten abwickeln können, seien zusätzlich Subunternehmen mit der Telefonakquise beauftragt worden. Diese hätten dann Excel-Sheets mit den vollständigen Kundendaten von Kabel Deutschland erhalten, die per E-Mail verschickt wurden.

Im Mittelpunkt steht laut WirtschaftsWoche die Oberhausener Condor Media AG, deren Chef Hakan Akyazi zu den "bevorzugten Telefonverkäufern" von Kabel Deutschland gehöre. Die Weitergabe der kompletten KDG-Kundendatensätze an Subunternehmen bezeichnete Akyazi inzwischen als "Fehler". Die Daten seien aber ohne Bankverbindung herausgegangen, erklärte der Callcenter-Chef. Kabel Deutschland versucht laut WirtschaftsWoche inzwischen "den Datenabfluss zu stoppen". So sei "auffälligen Dienstleistern" mittlerweile gekündigt worden – nur noch drei externe Callcenter würden unter Vertrag stehen. Eine Beschäftigung von Subunternehmern sei grundsätzlich nicht mehr zulässig, Ausnahmen müssten "ausdrücklich genehmigt" werden.

Kabel Deutschland, mit 11,4 Millionen Abonnements größter Kabelnetzbetreiber in der Bundesrepublik, zählte zum Jahreswechsel 700.000 Kunden, die Internet- und Telefondienstleistungen des Unternehmens beziehen. Trotz eines Umsatzwachstums von 16 Prozent auf 351 Millionen Euro schrieb KDG im vergangenen Quartal erneut rote Zahlen (minus 28 Millionen Euro). Das Unternehmen begründete den Verlust mit weiter hohen Investitionen in das Internet- und Telefongeschäft sowie Abschreibungen auf die Übernahme einiger Netze von Orion Cable. Belastet wurde das Ergebnis zudem durch die Kosten für den im vergangenen Jahr angekündigten Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen im technischen Service. (pmz)