Zeitungsmacher: Keine Katastrophe, sondern Krise

Um rückläufigen Auflagen und sinkenden Einnahmen wirkungsvoll zu begegnen, müsse man "kurzfristig die Kosten herunterfahren, nicht aber die Qualität", sagte der Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung auf einem Kongress in Wien.

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  • dpa

Rückläufige Auflagen und sinkende Einnahmen durch weniger Stellenanzeigen sind für den Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, Peter Stefan Herbst, "keine Katastrophe, sondern eine Krise". Um diesem Phänomen wirkungsvoll zu begegnen, müsse man "kurzfristig die Kosten herunterfahren, nicht aber die Qualität", sagte Herbst am Dienstag auf dem European Newspaper Congress in Wien.

Auch andere Teilnehmer warnten angesichts der jüngsten Entwicklung vor Panik. Wenn schon gespart werden müsse, dann nicht bei der Qualität, stimmten die meisten Zeitungsmacher auf dem Kongress überein, auf dem bis Mittwoch neueste Trends und die Bewältigung der Krise bei den Printmedien im Mittelpunkt steht. Wichtig sei es, so Herbst, den "Abo-Preis bei unseren Kunden" durch Qualität zu rechtfertigen. Bei dem Treffen von etwa 500 Zeitungsmachern wird seit Sonntag über die Zukunft der Zeitungsbranche diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Wirtschaftskrise, die inzwischen vielerorts auch heftige Auswirkungen auf die Medien hat.

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, plädierte im Sinne der Kosteneinsparung für größere Kooperation zwischen den Tageszeitungen. "Auf Gebieten, auf denen wir nicht Konkurrenten sind, können wir Partner sein", sagte er. Grundsätzliche Übereinstimmung bestand unter den Zeitungsmachern darin, dass man zunächst prüfen müsse, was für ihre Leser unentbehrlich sei und was ohne große Einbußen kostensparend gestrichen werden könnte. Bei gleichbleibender Qualität seien Kunden sogar bereit, eine Preiserhöhung trotz Reduzierung der Quantität zu akzeptieren.

Bereits am Montag waren die meisten Diskussionsteilnehmer darüber einig geworden, dass im Internet – zumindest zurzeit – noch kein Geld verdient werden könne. Medienkonsumenten blieben im Internet zwar den Zeitungen als Leser erhalten, "aber ohne Zahlungsbereitschaft", meinte der Kommunikationswissenschaftler Stephan Russ-Mohl (Lugano). Als Alternative für die Zukunft sieht er Online-Abos und sogenannte Micropayments für Medieninhalte. Jetzt räche es sich, dass Inhalte im Netz stets gratis angeboten wurden. Die Zukunft sehe er nicht allzu düster, "die Frage ist nur, wie kriegen wir die Übergangszeit hin."

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(dpa) / (anw)