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Zensus 2011, die Weihnachtsgeschichte

"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller erste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger."

Die Weihnachtsgeschichte, wie sie Lukas erzählt, ist technisch nicht auf der Höhe der Zeit. Das erkannten die deutschen Chefstatistiker und haben ihre eigene Variante ins Internet gestellt:

"Maria und Joseph wären am Stichtag 9. Mai 2011 sehr wahrscheinlich im Melderegister ihrer Heimatstadt eingetragen, ihre Daten würden auf elektronischem Wege direkt an die amtliche Statistik übermittelt. Leider ist nicht überliefert, ob Joseph als angestellter oder selbständiger Zimmermann sein Brot verdiente. Im ersten Fall kämen die Daten zu seinem Beruf ganz einfach aus den Registern der Bundesagentur für Arbeit; andernfalls käme es darauf an, ob er in die Haushaltestichprobe einginge. Und sollten für die Statistik noch weitere Daten benötigt werden, bekämen Maria und Joseph ab dem 9. Mai 2011 allenfalls Besuch von einem Interviewer oder Post von ihrem Statistischen Landesamt – der beschwerliche Weg in ihre Heimatstadt bliebe ihnen beim Zensus 2011 also in jedem Fall erspart."

Mit der deutschen Volkszählung hätte das Christentum einen komfortableren Anfang gehabt. Anders als die Theologen interessieren sich die Statistiker mehr für die Einordnung des Zimmermanns Joseph, dessen Daten entweder bei der Arbeitsagentur liegen oder via ELENA zur Verfügung stehen. Ist er selbstständig, so wäre er nicht erfasst worden und nur über die Stichprobe zu registrieren. Eine bevorstehende Geburt bereitet den Statistikern hingegen keine Probleme:

"Die Kinder, die am 9. Mai 2011 zur Welt kommen, werden mitgezählt – und das, obwohl sie an diesem Tag höchstwahrscheinlich noch gar nicht im Melderegister eingetragen sind und folglich auch nicht übermittelt werden. Wie das geht? Ganz einfach! Drei Monate nach dem Stichtag liefern die Einwohnermeldeämter genau aus diesem Grund ein weiteres Mal die Daten."

So einfach der Zensus 2011 im Mai auch sein mag, er erhitzt seit einiger Zeit die Gemüter. Es gibt eine Verfassungsbeschwerde (PDF-Datei) gegen den Zensus und eine Bürgerinitiative, die eine Vollerfassung aller Bürger kommen sieht, weil Daten aus unterschiedlichen Registern zusammengeführt werden können. Damit sei die Gefahr der Re-Identifikation gegeben, meint der Arbeitskreis Zensus. Seine Kurzfassung der Weihnachtsgeschichte: Maria und Joseph pfeifen auf die Statistiker. (Detlef Borchers) / (jk)

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