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Zephyr: Linux-Foundation startet Projekt für IoT-Betriebssystem ohne Linux

Zephyr ist ein Open-Source-Betriebssystem für das Internet of Things. Statt eines Linux-Kernels nutzt es eine echtzeitfähige Kombination aus Nano- und Microkernel, die Wind River beigesteuert haben.

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Zephyr

(Bild: Video-Screenshot )

Die Linux Foundation hat das Projekt "Zephyr" gestartet, das ein Echtzeit-Betriebssystem für Geräte des Internet of Things (IoT) vorantreibt. Dieses etwa für Glühlampen, Heizungsthermostate und andere Alltagsgeräte mit Internet-Anbindung gedachte Open-Source-Betriebssystem verwendet allerdings nicht Linux als Kernel, sondern einen eigenen.

Der "Zephyr-Kernel" soll unter Geräten laufen, die zwischen 8 und 512 KByte Arbeitsspeicher haben. Mit so wenig Speicher laufen aktuelle Versionen des Linux-Kernel gar nicht oder allenfalls sehr eingeschränkt, obwohl sich einige Entwickler des Linux-Kernels seit ein bis zwei Jahren darum bemühen, die Hardware-Anforderungen zu reduzieren.

Der Nano-Kernel von Zephyr bietet Echtzeit-Fähigkeiten.

(Bild: Video-Screenshot )

Die Basis von Zephyr bildet ein Nanokernel, der Echtzeitfähigkeiten bietet – bei den darunter laufenden Anwendungen lässt sich so sicherstellen, das eine bestimmte Aufgabe in einer zuvor festgelegten Zeit fertig gestellt wird, selbst wenn das System gerade viel zu tun hat. Auf dem Nanokernel setzt ein Microkernel auf, unter dem Anwendungen laufen, bei denen es nicht auf Echtzeit-Verarbeitung ankommt.

Zephyr steht unter Version 2.0 der Apache License. Das kommt Firmen entgegen, die den Einsatz des Linux-Kernels und anderer Software scheuen, die unter der GNU General Public License (GPL) steht. Diese zwingt die Firmen nämlich, die Quellen der mit ihren Produkten vertriebenen GPL-Software zu veröffentlichen – inklusive aller Änderungen, die eine Firma vorgenommen hat. Bei der Apache-Lizenz ist das nicht erforderlich.

Die Linux Foundation fördert dieser Tage mehr als nur Linux.

(Bild: Screenshot der Linux-Foundation-Homepage )

Zu den Firmen, die Zephyr ins Leben gerufen haben, gehören Intel, NXP Semiconductors und Synopsys. Die Linux Foundation betreibt Zephyr als Collaborative Project. Mit solchen versucht die Industrievereinigung, die bei der Linux- und Open-Source-Entwicklung verwendeten Arbeitsweisen und Ideen auch in anderen Bereichen zu fördern, um Firmen und Individuen bei der Zusammenarbeit zu hzelfen. Seit einigen Jahren macht die Linux Foundation das manchmal auch etwas abseits von Linux, wie bereits das Collaborative Projekt OpenBEL gezeigt hat, das sich dem Aufzeichnen, Speichern und Nutzen von biowissenschaftlichen Daten verschrieben hat. Bei der Gründung hatte die Linux Foundation noch vornehmlich das Ziel, die Entwicklung und den Einsatz von Linux zu fördern.

Die Zephyr-Homepage liefern viele weitere Details zu Zephyr. Dort finden sich auch die Release Notes zum Kernel, der auf ARC-, ARM-v7- und x86-Prozessoren laufen kann; etwa unter System-Emulator Qemu oder auf dem MinnowBoard MAX, dem Arduino 101 Board, der Arduino Due Board oder der NXP Freedom Development Platform. Zur Anbindung im lokalen Netz unterstützt Zephyr unter anderem IPv4, IPv6, Bluetooth 4.0 und 6LoWPAN (IEEE 802.15.4).

Details zum Zephyr-Kernel liefert dessen Dokumentation. Er ist keine grundlegende Neuentwicklung, sondern stammt vom Kernel des kommerziellen Wind River Rocket ab, das die zu Intel gehörenden Firma Wind River im letzten Herbst vorgestellt hat. Nähere Informationen zur Abstammung und Plänen zur Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung liefert ein Eintrag im Firmen-Blog.

Die auf Embedded-Linux spezialisierte Webseite linuxgizmos.org hat einen Beitrag mit weiteren Hintergründen zu Zephyr. Das Zephyr-Projekt hat zudem zwei Videos veröffentlicht, die das neue Real-time Operating System (RTOS) für das Internet of Things vorstellen:

Eher allgemein gehaltenes (Werbe-)Video, das Zephyr vorstellt.
Video, das die Funktionsweise von Zephyr mit Nano- und Microkernel näher erläutert.

(thl)

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