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Ziel autonomes Elektro-Auto: BMW und Daimler schieben "Now"-Mobilitätsdienste an

BMW und Daimler bündeln ihre Mobilitätsangebote, wobei aus Car2Go und DriveNow "Share Now" wird. Wann die Apps voll integriert werden, ist noch offen.

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Ziel autonomes Elektro-Auto: BMW und Daimler beginnen "Now"-Mobilitätsdienste

BMW-Chef Harald Krüger (l.) und Daimler-Chef Dieter Zetsche.

(Bild: heise online / Stefan Krempl)

BMW und Daimler haben am Freitag bekannt gegeben, wie sie ihre gesamten Mobilitätsdienste parallel mit der Fusion von Car2Go und DriveNow zusammenlegen wollen. Aus den beiden Carsharing-Angeboten wird "Share Now", wobei eine gemeinsame Buchungsapp aber noch nicht sofort verfügbar sein wird. Dazu kommen vier weitere Sparten für Ridesharing (Free Now), Laden von Elektroautos (Charge Now), die Online-Parkplatzbuchung (Park Now) und eine App, die verschiedene Verkehrsträger nebst ÖPNV kombiniert (Reach Now).

Anfangs wollen die beiden Konzerne eine Milliarde Euro in den "Now"-Verbund investieren, der seinen Hauptsitz in Berlin haben soll. Schon jetzt erreichten sie über die angeschlossenen Dienste weltweit rund 60 Millionen Kunden, sagten die Autobauer. Bis zu 1000 neue Jobs seien geplant, um die Angebote zu einem "nahtlos vernetzten, nachhaltigen Ökosystem" zusammenzuschweißen.

"Es wird alles zusammenfließen in Richtung elektrischer autonomer Autos", prognostizierte Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Now" wolle "Mobilität auf Abruf" bieten rund um individuell nutzbare Fahrzeuge, Ladepunkte und Parken bis hin zum Wechsel auf andere Verkehrsträger. Mittelfristig sei geplant, die unterschiedlichen Gruppen des Joint Ventures "in einer App zusammenzubringen" und sämtliche digitalen Mobilitätsdienste auf einen Klick verfügbar zu machen. Die Plattformen würden ohnehin zusammenwachsen in Richtung selbstfahrende Autos. In der analogen Welt wollten die beiden aber weiter "um jeden Kunden in der Premiumklasse" kämpfen.

Mit dem Joint Venture wollen Daimler und BMW auch ihre Position im Wettbewerb gegenüber datengetriebenen US-Plattformen wie Apple, Google oder Uber stärken, die teils beim Ridesharing die Nase vorn haben und die Entwicklung autonomer Autos vorantreiben. "Es hängt alles von Vertrauen in diesem Datengeschäft ab", stellte BMW-Chef Harald Krüger als Vorteil gegenüber den branchenfremden IT-Riesen heraus. "Wir arbeiten eng mit Regierungen und Regulierern zusammen."

Für den Bereich Carsharing kündigte Share-Now-Geschäftsführer Olivier Reppert an, dass die Apps beider Anbieter "von heute an" verknüpft würden, sodass beider Fahrzeuge zu sehen seien. Zunächst erhöht sich damit aber nur die Sichtbarkeit: Um sich einbuchen zu können, müssen Nutzer sich noch auf beiden Seiten registriert haben. Beide Angebote "haben auf sehr unterschiedlicher technischer Basis gearbeitet", begründete Reppert dieses Vorgehen. Ziel sei auch hier natürlich eine gemeinsame App. Einen Zeitpunkt für den Start der vollständig integrierten Mobilitätsanwendung fürs Carsharing könne er noch nicht nennen.

Share Now hat derzeit rund vier Millionen Kunden in 30 Städten in 13 Ländern und einen Bestand von 20.000 Autos, von denen 3200 voll elektrisch sind. Letztlich soll der Anteil der Elektroautos auf 100 Prozent ausgebaut werden.

Die App und die Marke Moovel, die Daimler gemeinsam mit MyTaxi in die Gemeinschaftsunternehmung einbringt, wird es nicht mehr lange geben. An ihre Stelle tritt Reach Now. Künftig sollen unter diesem Dach Dienste auch für das Buchen von Tickets für die öffentliche Verkehrsmittel oder das Mieten von Fahrrädern, E-Rollern oder Kick-Scootern eingebunden werden, wie Moovel dies etwa bereits hierzulande etwa in Hamburg oder Stuttgart ermöglichte.

Während Reach Now und Moovel zusammen auf rund 6,7 Millionen Kunden in 21 Städten kommen, warten die digitalen Parkticket-Dienste von Park Now mit Apps wie ParkMobile oder Ring mit über 27 Millionen Nutzern in zehn Ländern auf. Jörg Reimann, der Geschäftspartner dieser Sparte und von Charge Now, sieht diese neue Firma vor allem als Technikpartner für Städte, die damit "Suchverkehre" verringern wollen. Die Anwendung werde derzeit zunächst von BMW in Deutschland, Österreich und den USA direkt in Autos integriert, die Niederlande und Großbritannien folgten bald. Künftig solle der Bereich zudem auf das Zahlen von Mautgebühren ausgeweitet werden.

Im Hintergrund geht es bei den Online-Parksystemen laut Reimann "um Big Data mit großen Zahlen". Kooperierende Städte erhielten anonymisierte Nutzungsdaten, mit denen sie Verkehrsflüsse besser planen könnten. Mit Charge Now erschließt das Joint Venture über 100.000 Ladepunkte in Europa und integriert dafür 250 Betreiber von Stromtankstellen mit verschiedensten Systemen. Künftig will der Anbieter als "One-Stop-Provider" fungieren, möglichst viele öffentliche Ladepunkte zugänglich machen und "autonome Flotten" versorgen. Zu großen Kunden gehören neben Kommunen Autobauer wie Audi. Bei den hier anfallenden Daten steht laut Reimann ebenfalls "die Anonymisierung" im Zentrum. Charge Now teile diese nicht einmal mit den Unternehmensinvestoren und strebe an, sämtliche Messwerte auf eigenen Servern zu speichern. Nur notfalls werde man zusätzlich auf kommerzielle Cloud-Dienste zugreifen. (anw)