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Zoll-Auktionen per Internet

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Tausende beschlagnahmter Schnaps-Flaschen, gepfändete Möbel, Autos oder Antiquitäten versteigert der Zoll künftig per Internet – selbst ein Jagd-Gewehr mit Zielfernrohr ist bereits im Angebot. Die zentrale hessische Vollstreckungsstelle des Zolls in Bad Hersfeld bietet die Ausbeute aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland probeweise zweimal im Monat in Internet-Auktionen an. Das Angebot umfasse alle möglichen Gegenstände und Produkte, die der Zoll etwa am Frankfurter Flughafen einzieht oder bei nicht zahlungsfähigen Schuldnern pfändet, sagte der stellvertretende Leiter der Vollstreckungsstelle, Reiner Emmerich, am Dienstag in Bad Hersfeld. Gegenüber heise online bemerkte ein Sprecher des Zollamts, dass bei Erfolg auch andere Zollstellen solche Auktionsportale im Internet eröffnen sollen.

Die Beamten des Zolls pfänden im Auftrag des Bundes Möbel, Autos, Geräte oder Kunstgegenstände von Menschen, die finanzielle Forderungen des Bundes – wie etwa die Rückzahlung von Arbeitslosengeld – nicht begleichen können. Bei den Internet-Auktionen lasse sich für viele Angebote ein weit höherer Erlös erzielen als bei herkömmlichen Auktionen vor Ort, sagte der Internet-Experte bei der Oberfinanzdirektion Koblenz, Michael Heeg. Zudem sei der Kundenkreis größer.

Aber nicht nur in die Kasse des Bundesfinanzministeriums komme mehr Geld, sondern auch die Schuldner profitierten davon, wenn der gepfändete Gegenstand einen hohen Wert erziele. Für afrikanische Holzfiguren etwa, die lange Zeit keinen Abnehmer gefunden hatten, fand sich per Internet schnell ein Käufer. Der Zoll hatte einen Schätzwert von 50 Mark angesetzt, der Internet-Bieter zahlte mehr als 1400 Mark, wie Heeg erzählte.

Die Zahl der neu hinzugekommenen Vollstreckungsverfahren ist im Jahr 2000 um 12 Prozent auf etwa 140.000 gestiegen, berichtete die Zollbehörde. Die Beamten brachten im vergangenen Jahr 117,3 Millionen Mark in die öffentlichen Kassen und damit 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zentrale Vollstreckungsstelle in Bad Hersfeld sei neben Berlin einer der größten Stellen in Deutschland. (dal)