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Zu knapp konfigurierte Backbone-Router bremsen Internet

Am Dienstag kam es weltweit zu Internet-Ausfällen und langsamen Übertragungen bei verschiedenen Providern. Ursache waren große Routing-Tabellen, die die Router der Internet-Anbieter überfordert haben – die Geräte ließen Speicher teils brachliegen.

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Auch kommerzielle Switches der Serie Catalyst 6500 von Cisco verwenden in der Standardeinstellung nur 512000 Einträge für IPv4-Routingtabellen.

(Bild: Cisco)

Zwischen 10:00 und 12:00 Uhr deutscher Zeit kam es am Dienstag in der ganzen Welt zu Internet-Störungen und Ausfällen. Besonders häufig betroffen waren vermutlich Internet-Anschlüsse in den USA und Kanada, wie ein Eintrag in der Outages-Mailing-Liste zeigt. Dort berichten einzelne Autoren vor allem über weitreichende Internet-Verbindungsprobleme. In Deutschland kam es beispielsweise bei Anschlüssen der Telekom zu Verbindungsproblemen. Verantwortlich für die Störungen waren Routing-Tabellen, welche die Tabellenspeicherkapazität einiger Backbone-Router überstiegen haben. In Reaktion darauf löschten betroffene Geräte überzählige Routen, was wiederum zu Ausfällen führte. Zur Kompensation des Problems haben Betreiber den Speicher für Internet-Routen in den betreffenden Routern erhöht.

Internet-Anbieter übertragen Daten von Kunden über untereinander verschaltete IP-Netze, sogenannte autonome Systeme. Dabei leiten Router die Daten zwischen den Netzen über unterschiedliche Wege, sogenannte Routen. Dafür kommt das Border Gateway Protocol (BGP) zum Einsatz. Die einzelnen Routen, also den Weg entlang der unterschiedlichen IP-Adressen speichern die Router der Internet-Anbieter in einem dafür reservierten Speicher, dem TCAM (Ternary Content Addressable Memory). Er umfasst bei einigen Geräten nur 512 KByte. 512 000 Tabelleneinträge

Cisco liefert beispielsweise die Router der Catalyst-Serie 6500 mit einem 1 000 000 Einträge großen TCAM aus, standardmäßig sind davon aber nur 512 000 aktiv. Da viele Anbieter immer noch IPv4-Netze mit vielen Subnetzen benutzen und noch nicht auf IPv6 gewechselt haben, fallen die Routing-Tabellen recht groß aus. Solche Tabellen haben gestern den TCAM einiger Router vollgeschrieben, sodass diese nicht mehr Platz für alle Routen hatten und einzelne daher gelöscht haben. In der Folge waren einzelne Seiten nicht mehr erreichbar. Als die Ursache ersichtlich wurde, haben die Administratoren schließlich bei den betreffenden Routern den Rest des TCAMs aktiviert.

Insgesamt nähern sich Routing-Tabellen weltweit der Grenze von 500 000 Einträgen immer weiter an, wie die Platfform Bgpmon berichtet. Verschiedene große Anbieter in den USA, Australien, Singapur und den Niederlanden sind bei IPv4-Adressen nur wenige tausend Einträge von der Grenze entfernt. Laut Bgpmon haben in den USA die autonomen Systeme 701 und 705 von Verizon die Routing-Tabellen kürzlich vergrößert. (fkn)